Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Postcon und Pin Mail vs. Deutsche Post

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (3)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil drei: Postcon und Pin Mail gegen die Deutsche Post.
Mirjam Stegherr

Vor 20 Jahren fiel in Deutschland das Postmonopol. Zunächst schrittweise, 2008 dann komplett. Mit 84 Prozent Marktanteil hat die Deutsche Post noch immer ein Quasi-Monopol. Der größte Herausforderer ist auf Geschäftskunden spezialisiert: Mit einem Marktanteil von zehn Prozent liegt Postcon weit abgeschlagen auf Platz zwei. 

Kommunikation habe immer eine große Rolle gespielt, sagt Postcon-Sprecherin Jeannine Böhrer-Scholz: Durch die Debatte um den Mindestlohn – von der Post durchgesetzt, von den Neuen abgelehnt – stand der Herausforderer in der Kritik. „Wir hatten kein gutes Image.“ 

Um das zu ändern, hat Böhrer-Scholz Hintergrundgespräche eingeführt. Das Ziel: „Medien über den gelben Tellerrand hinausblicken lassen.“ Die Herausforderung: Geschäftsbriefe sind umsatzstark, für Medien aber wenig interessant. Und: „Als Marktführer hat die Deutsche Post die Deutungshoheit.“ 

Die Anzahl der Sendungen im Briefverkehr sinkt? „Vor allem eine Lesart der Post, die auch Briefmengen an die Konkurrenz verliert“, behauptet Böhrer-Scholz. In Summe sei der Markt stabil, mit leichtem Aufwärtstrend. Medial hört man wenig Kritik vonseiten Postcons: „Wir schießen nicht gegen die Deutsche Post, wir sind im Hintergrund aktiv.“ 

Wettbewerbsfragen klärt Postcon juristisch. Einen Streik der Post-Zusteller nutzt sie nicht medial, sondern wirbt Kunden im Vertriebsmarketing ab. Ein Konzept, das Böhrer-Scholz „partnerschaftlich“ nennt. Ohne ein Miteinander sei es ohnehin nicht möglich: Postcon ist der größte Kunde der Deutschen Post. 

Wir wollen auf Augenhöhe wahrgenommen werden 

An vorderster Front gegen die Monopolstellung der Post, besonders gegen den Mindestlohn, kämpfte der Anbieter Pin Mail, damals getrieben von Anteilseigner Axel Springer. „Es hat mich gefreut, als ein so kleiner Anbieter eine so große Rückendeckung zu bekommen“, sagt Pin-Vorstand Axel Stirl

Inzwischen hat die Pin Mail AG mehrfach den Eigentümer gewechselt, heute gehört sie zu Postcon. Der Anbieter aus Berlin hat das Grün ins Stadtbild gebracht, ist auf Bussen, Plakaten und in Lokalmedien präsent. 2007 bekam Pin ein neues Logo, 2015 eine neue Kommunikationsstrategie. 

„Früher lautete die Message ‚billiger‘. Heute wollen wir auf Augenhöhe mit der Deutschen Post wahrgenommen werden“, sagt Stirl. Für die eigenen Mitarbeiter hat das Unternehmen eine „Heldenkampagne“ lanciert. Denn: „Jeder Mitarbeiter auf der Straße ist für die Kunden überzeugender als ein CEO.“ Pressearbeit macht der Vorstand selbst, unterstützt von Marketingleiter Peter Kaiser. Seine Strategie nennt Stirl „vorbeugende Pressearbeit in der zweiten Reihe“. 

Ein gutes Netzwerk und ein offenes Gespräch schirmten vor negativer Presse ab. In den Konkurrenten Deutsche Post will er kommunikativ keine Energie investieren. Im Lobbying sei die Schlacht härter. „Die Deutsche Post ist ein marktbeherrschendes Unternehmen, in dessen Windschatten wir segeln. Es ist genug Platz für beide von uns“, sagt Stirl. 


Dies ist der dritte Teil einer Serie über Organisationen und ihre Strategien, sich kommunikativ gegenüber Marktführern zu behaupten. Lesen Sie in Teil eins, welchen Weg der Versandhändler Otto im Wettbewerb mit Amazon einschlägt, und in Teil zwei, wie die Aktionsgemeinschaft Artenschutz sich gegenüber Greenpeace, WWF und Co. positioniert.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Kommentare

Die Pin Mail, hatte damals gute Chancen in der Bundesweiten Zustellung zur klaren Nummer zwei. Hat sich dies aber selber mit dem Kampf gegen einen Mindestlohn verbaut. Die "Mitbewerber" haben nicht unbegründet einen schlechten Ruf. Leichte Arbeitsbedingungen, Zusteller die auf 450€ Basis Arbeiten oder Vollzeit zum Mindestlohn wobei dieser noch umgangen wird. Die Deutsche Post AG kämpft mit Mitbewerber mit Nichten auf "Augenhöhe". Die Post Zahlt sehr gute Löhne, Urlaubs und Weihnachtsgeld, Einmalzahlung und bietet eine Betriebliche Altersvorsorge. Hinzu kommen Vergünstigungen für Urlaubshäuser z.b. in Dänemark. Dies sind alles Kosten die , die Mitbewerber nicht haben und dann noch über niedrige Löhne ihre billig Preise machen. Von der Zusteller Dauer wollen wir gar nicht erst reden. Die Post Schaft es innerhalb eines Tages einen Brief vom tiefsten Norden in den Tiefsten Süden der Republik Zuzustellen. Das hier geht nicht gegen die Pin Mail , sondern ist allgemein gehalten. Die Pin Mail ist mit ihrem Tarifvertrag mit Verdi auf einem guten weg. Aber die mehrheit der Mitbewerber, sind Arbeitgeber, für die ich nie im Leben Arbeiten würde und Gott sei Dank, finden diese auch immer weniger Zusteller.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 2 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (5)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil fünf: der Evangelische Pressedienst gegen die DPA. »weiterlesen
 
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 1 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (4)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil vier: Flixbus gegen die Deutsche Bahn. »weiterlesen
 
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 1 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (2)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil zwei: die Aktionsgemeinschaft Artenschutz versus Greenpeace und Co. »weiterlesen
 
Wie generiert man im Wettbewerb mit Platzhirschen Aufmerksamkeit? (c) Bo Soremsky
Bild: Bo Soremsky
Lesezeit 1 Min.
Lesestoff

Wie man Platzhirschen die Stirn bietet (1)

Von Post und Bahn bis Onlinehandel: Manche Märkte in Deutschland sind von Monopolen geprägt, von ehemaligen Monopolen, Quasi-Monopolen oder schlichtweg von Giganten. Wie behaupten sich Konkurrenten kommunikativ im Wettbewerb mit den Riesen? Ein Blick auf die Herausforderer. Teil eins: Otto versus Amazon. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

BdKom-Präsidentin Regine Kreitz erklärt die Hintergründe der Umbenennung des Verbands. (c) BdKom
Foto: BdKom
Interview

„Der Kommunikator ist mehr als nur ein Sprachrohr“

Der „Bundesverband deutscher Pressesprecher“ wird künftig „Bundesverband der Kommunikatoren" heißen. Damit will der Verband die Vielfalt des Kommunikationsberufs abbilden, so BdKom-Präsidentin Regine Kreitz. Im Interview sprach sie darüber, wie sich der Beruf in den letzten Jahren verändert hat und was ihm in Zukunft bevorsteht.     »weiterlesen
 
Für die Telekom sind Corporate Influencer ein Segen. (c) Getty Images / HAKINMHAN
Foto: Getty Images / HAKINMHAN
Meldung

Wie die Telekom Corporate Influencer nutzt

Corporate Influencer – Sein oder Schein, Fluch oder Segen? Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera hat darauf eine eindeutige Antwort. »weiterlesen
 
Boris Johnsons Brexit-Kampagne stößt auf Kritik. (c) Getty Images / gguy44
Foto: Getty Images / gguy44
Meldung

Kritik an Johnsons Brexit-Kampagne

Eine Werbekampagne soll die britische Bevölkerung auf den EU-Austritt vorbereiten. „Geldverschwendung“, wie einige Parlamentarier nun bemängeln. »weiterlesen
 
Ein Führungswechsel ist für Kommunikatoren ein Risiko, kann aber auch eine Chance sein. (c) Getty Images / BrianAJackson
Foto: Getty Images / BrianAJackson
Gastbeitrag

Ein neuer Chef muss nicht den Jobverlust bedeuten

Ob in Unternehmen, Kulturbetrieben oder in der Politik: Pressesprecher sind eng an die Leitung ihres Hauses gebunden. Wechselt die Person an der Spitze, müssen Sprecher häufig gehen. Doch es gibt Strategien, die Stabübergabe erfolgreich zu managen – und den eigenen Job zu retten. »weiterlesen
 
Zeitdruck bestimmt die Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Kommunikatoren. (c) Getty Images / Ulf Wittrock
Foto: Getty Images / Ulf Wittrock
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Was können PRler von der "Zeit" lernen?

Die Zusammenarbeit zwischen PR und Journalismus ist heute durch Zeitdruck bestimmt – wie lässt sie sich verbessern?  »weiterlesen
 
Wer konnte das Rennen um den BdP-Award für sich entscheiden? (c) Getty Images / nonnie192
Foto: Getty Images / nonnie192
Meldung

Die Gewinner der BdP-Awards 2019

Auf der Speakersnight des Kommunikationskongresses 2019 wurden die Gewinner des BdP-Awards gekürt. »weiterlesen