Vodafone-Kommunikatorin und DPOK-Juryvorsitzende Caren Altpeter im Interview. (c) Vodafone
Vodafone-Kommunikatorin und DPOK-Juryvorsitzende Caren Altpeter im Interview. (c) Vodafone
DPOK-Juryvorsitzende Caren Altpeter

„Der persönliche Austausch ist immer noch wichtig“

Welche Trends werden beim diesjährigen DPOK wichtig? Und womit können Bewerber punkten? Das verrät die Co-Juryvorsitzende Caren Altpeter im Interview.
Katrina Geske

Auch im digitalen Zeitalter sollte man persönliche Kontakte nicht vernachlässigen, meint Caren Altpeter, Pressesprecherin und Social-Media-Expertin bei Vodafone und, gemeinsam mit Andreas Cüppers von Borussia Mönchengladbach, Juryvorsitzende des diesjährigen DPOK. Im Gespräch mit pressesprecher.com erzählt sie unter anderem, was sie von Tiktok, Twitch und Co. hält und welche Tipps sie Berufseinsteigern mitgeben würde.


Frau Altpeter, Sie sind als Praktikantin bei Vodafone gestartet und mittlerweile bis zur Pressesprecherin aufgestiegen. Was würden Sie Berufseinsteigern raten: ein Unternehmen über mehrere Jahre hinweg zu begleiten oder zu Beginn der Laufbahn mehrmals den Job zu wechseln?

Caren Altpeter: In unserer Branche gibt es nicht den einen richtigen, vorgezeichneten Weg, glaube ich. Vieles ergibt sich aus der Erfahrung und dem Austausch mit anderen. Bei mir ist einfach vieles zusammengekommen: Eigentlich hatte ich lediglich vor, ein Praktikum zu machen – der Rest hat sich dann ergeben. Vielleicht war ich auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe mich dann zunächst entschieden, erst einmal Berufserfahrung zu sammeln – was heute meiner Meinung nach sehr dabei hilft, in der Branche Fuß zu fassen – als einen Master zu machen. Diesen habe ich mittlerweile aber berufsbegleitend nachgeholt. Berufseinsteigern würde ich raten: Ergreift die Chancen, die sich ergeben, und schweift dabei vielleicht auch einmal von dem Plan ab, den Ihr euch zurechtgelegt habt.

DPOK 2020

Ihr Gastbeitrag zur Metamorphose der klassischen Pressearbeit zählte zu unseren meistgelesenen Beiträgen des vergangenen Jahres. Warum beschäftigt das Thema die Kommunikationsbranche Ihrer Meinung nach so sehr?

Ich glaube, dass die Medienlandschaft sich einfach verändert. Klassische Medienarbeit ist immer noch wichtig und wird uns auch weiterhin beschäftigen, Journalisten- und Beziehungsarbeit brauchen wir weiterhin. Es findet aber einfach sehr viel auf den sozialen Medien statt – jeder Pressesprecher muss entscheiden, ob er daran teilhaben will. Es sollte sich generell aber jeder immerhin damit beschäftigen und verstehen, wie Social Media funktionieren. Viele Unternehmen fordern mittlerweile auch, dass Pressesprecher die Möglichkeiten der sozialen Medien kennen – und auch wissen, was passieren kann, wenn man sich nicht damit auskennt.

Welchen Anteil hat die klassische Medienarbeit noch an Ihrem eigenen Arbeitsalltag?

Bei mir persönlich hat sich die Digitalkommunikation sehr stark ausgeweitet – mittlerweile macht sie sicher fast 80 Prozent meiner Arbeit aus. Das liegt aber auch daran, dass die Social-Media-Arbeit in unserem Unternehmen durch verschiedene Strukturierungen gewandert ist. Irgendwann haben wir gesagt: Das kann nicht sein – Social Media ist nicht nur im Marketing, sondern vielfach auch in der PR angesiedelt. Daraufhin habe ich mich gemeinsam mit Kollegen damit beschäftigt, den Bereich in unserer Abteilung aufzubauen und auch unseren CEO in den sozialen Medien zu positionieren. Mittlerweile schreibe ich immer auch „Social-Media-Expertin“ dazu, wenn ich meinen Beruf angeben soll – denn digitale Kommunikation nimmt bei mir mittlerweile einen sehr großen Anteil ein.

Liegt Ihnen die Digitalkommunikation mehr als die klassische?

Eigentlich mache ich beides gleich gerne. Beides hat auch immer noch seine Berechtigung – einige Unternehmen sagen ja: „Wozu brauche ich Journalisten? Ich habe doch mein eigenes Medienhaus gegründet und kann darüber kommunizieren.“ Es ist aber wichtig, dass man beide Enden versteht und idealerweise miteinander verbindet. Momentan bewegt sich ja vieles in der digitalen Welt, daher finde ich es auch schön, dort viel Zeit zu verbringen.

Welche Veränderungen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft noch auf die PR-Branche zukommen?

Zum einen könnte ich mir eine Rückbesinnung auf den persönlichen Austausch gut vorstellen. Dass man in unserer schnellen, digitalen Welt nicht vergisst, auch persönliche Kontakte zu pflegen – sei es mit klassischen Medienvertretern oder Bloggern und Influencern. Ich glaube, dass wir dort auch eine gewisse digitale Gelassenheit entwickeln und merken werden, dass der analoge Austausch immer noch sehr wichtig ist. Und zum anderen: Podcasts werden ja bereits relativ häufig genutzt, ich glaube, wir werden miterleben, wie sie sich immer mehr vom Nischen- zum Massenprodukt entwickeln. Dabei wird es dann wichtig sein, sich von anderen abzugrenzen, nicht einfach nur mitzumachen, um dabei zu sein. Zusammengefasst: Die Medien, die gerade jetzt Anlauf bekommen, werden sich noch stärker durchsetzen – gleichzeitig wird aber auch der analoge Austausch wieder an Bedeutung gewinnen.

Wie stehen Sie zu gerade neu aufkommenden Plattformen wir Tiktok oder Twitch – können Sie damit bereits etwas anfangen?

Damit habe ich mich noch nicht ausreichend beschäftigt, muss ich zugeben. Ich glaube aber, es ist wichtig zu wissen, wo sich heranwachsende Zielgruppen austauschen. Facebook, wo ich vor einigen Jahren noch recht aktiv war, wird es wohl nicht mehr sein. Klar, es gibt gerade in Bezug auf Tiktok, die Herkunft der App, viele Diskussionen – beispielsweise um den Datenschutz. Es gibt aber bereits viele Unternehmen, die dort schon aktiv sind. Die ARD-Tagesschau scheint beispielsweise einen sehr guten Kanal zu machen. Das macht ja auch den Reiz der Kommunikation aus: sich neuen Trends hinzugeben, aber nicht nur, weil sie gerade so populär sind. Stattdessen muss man überlegen: Passt das wirklich zu uns? Können wir dort Vertrauen für unsere Zielgruppe schaffen? Man sollte also immer überlegen, ob ein Auftritt auf einer solchen Plattform im eigenen, konkreten Fall Sinn macht.

In diesem Jahr sind Sie, gemeinsam mit Andreas Cüppers von Borussia Mönchengladbach, DPOK-Juryvorsitzende. Was reizt sie an der Jurytätigkeit besonders?

Das Spannende ist ja, dass man sich Sachen anschauen kann, die man in seiner eigenen Arbeit noch nie gemacht hat. Man erhält also einen Impuls, sieht, wie man es vielleicht auch machen könnte, wie viel Herzblut auch andere Branchen in die Arbeit stecken – und dafür nun eine Wertschätzung erhalten. Vielleicht hat es keinen direkten Einfluss auf die eigene Tätigkeit, aber es ist unglaublich bereichernd, seinen eigenen kreativen Horizont zu erweitern. Auch der Austausch mit den Jurykollegen, den Pitch vor Ort ansehen, verstehen, was das Unternehmen oder die Agentur damit gemeint hat, darüber zu diskutieren, das macht richtig Spaß. Besonders schön ist auch, dass die Jury aus Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zusammengesetzt ist. So kann jeder seine individuelle Expertise mit einbringen.

Worauf legen Sie bei der Bewertung besonderen Wert?

Dass sie sich bei der Einreichung Mühe gegeben haben, sich wirklich überlegt haben, wie sie uns mit Ihrem Pitch erreichen und begeistern können. Das ist wirklich eine hohe Kunst, finde ich. Es muss nicht immer die große Marke, das große Budget sein. Vor allem geht es darum, was jemand im Rahmen seiner Möglichkeiten umgesetzt hat. Das kann toll und überraschend zu sehen sein – und bringt natürlich Pluspunkte.

Welche Beiträge aus dem vergangenen Jahr haben Sie besonders beeindruckt?

Da gab es zwei: einmal die Kampagne „Life Lolli“ vom Universitätsklinikum Düsseldorf, und „Gib Acht auf Dich“ von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Beide gingen wirklich ans Herz und ich erinnere mich, dass auch der Moment des Gewinns auf der Preisverleihung sehr emotional war. Da merkt man, dass Kommunikation auch wirklich Wert schaffen und Gutes tun kann.

Was können wir vom diesjährigen DPOK erwarten?

Wir haben ja einige neue Kategorien dazu bekommen, darunter einen Preis für die Tiktok-Kampagne des Jahres. Ich glaube, „snackable content“ wird ein großes Thema werden. Man ist ja wirklich einer Fülle von Social-Media-Kanälen ausgesetzt und benötigt daher immer mehr Inhalte, mit denen man innerhalb von Sekunden die Aufmerksamkeit eines Nutzers erhaschen kann. Darauf werden wir uns in der Kommunikation fokussieren müssen. Auch beim DPOK wird uns das beschäftigen – ich bin sehr gespannt, was wir für Einreichungen sehen werden!

 

 

 
Caren Altpeter (c) Vodafone
Caren Altpeter
Vodafone
Press Spokesperson & Social Media Expert

Caren Altpeter ist seit 2015 Pressesprecherin in der Unternehmenskommunikation bei Vodafone Deutschland in Düsseldorf.

 


randbemerkung

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