Die Sichtbarkeit von Mitarbeitern in Social Media ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden./ Corporate Influencer Day: (c) Quadriga Media Berlin
Die Sichtbarkeit von Mitarbeitern in Social Media ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden./ Corporate Influencer Day: (c) Quadriga Media Berlin
Vom Mitarbeiter zum Botschafter

Darum ging’s beim ersten Corporate Influencer Day

Corporate Influencer liegen im Trend. Wie Firmen von ihnen profitieren und was man bei ihrem Einsatz beachten muss, erfuhren Gäste des Corporate Influencer Day.
Toni Spangenberg

Was sind Corporate Influencer? Wie profitieren Unternehmen von ihnen? Wer setzt sie bereits erfolgreich ein? Und wie starten Unternehmen ein Corporate-Influencer-Programm? Worauf müssen sie achten? Antworten lieferte der erste Corporate Inluencer Day im Berliner Quadriga Forum mit Best Cases und Workshops. Die rund 150 Teilnehmer tauschten sich über den Hashtag #CorporateInluencerDay über die Erkenntnisse des Tages aus.

„Es geht darum, herauszufinden, wie man die Talente der Mitarbeiter nutzt, um sich mit Themen in der Nische zu platzieren“, sagt Businessmoderatorin Lisa Reuter zu Beginn der Tagung. Corporate Influencer seien der Schlüssel. Was genau der Begriff meint, versucht Anja Lüthy, Professorin an der Technischen Hochschule Brandenburg, in ihrer Eröffnungs-Keynote zu erläutern. „Es gibt keine wirklich gute Definition. Doch letztlich weiß jeder, was gemeint ist.“ Corporate Influencer seien ganz grundsätzlich Mitarbeiter, die gern in ihrer Firma arbeiten und gern darüber reden. Sie empfehlen ihren Arbeitgeber. „Sie haben teilweise eine hohe Reichweite auf Social Media, tauchen aber auch auf Kongressen und generell überall auf der Welt auf.“

„Ich muss wissen, wo meine Zielgruppe unterwegs ist“

Davon profitieren Unternehmen, insbesondere die HR und Unternehmenskommunikation. Firmen könnten mithilfe der Corporate Influencer unter anderem negative Bewertungen auf Kununu und Glassdor relativieren. Lüthy meint, ein Corporate Influencer müsse auf allen Kanälen aktiv sein, von Facebook, über Twitter, bis Tiktok. Klaus Eck, Chef der Content-Marketing-Agentur d. Tales, widerspricht in diesem Punkt. „Ich muss wissen, wo meine Zielgruppe unterwegs ist. Es wäre falsch, überall nur ein bisschen zu machen.“ Stattdessen solle man sich auf die Kanäle fokussieren, die man gut kann. 

Dass bisher nur wenige Unternehmen die Chancen durch den Einsatz von Corporate Influencern nutzen, liege an den digitalskeptischen Führungsetagen, meint Lüthy. „Es dauert noch elf Jahre bis die digitalen Analphabeten in Rente gehen.“ Die Zeit bis dahin sollten Unternehmen nutzen, um „in der analogen Welt eine gute Unternehmenskultur aufzubauen, über die Mitarbeiter künftig digital berichten können.“ Erst dann werde Employer-Branding allgegenwärtig. 

Ein Rollenwechsel in der Unternehmenskommunikation

Einige Firmen sind da schon weiter, wie die Best Practices an diesem Tag zeigen. Der Versandhändler Otto setzt beispielsweise seit rund zwei Jahren auf seine Jobbotschafter. „Wir wollen in erster Linie neue Leute für Otto gewinnen und vakante Stellen schneller mit den richtigen Bewerbern besetzen“, sagt Eugenia Mönning, Pressesprecherin bei Otto. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Konzern verschiedene Gruppen von Corporate Influencern definiert. Multiplikatoren, die Inhalte teilen, Socializer, die Ansprechpartner auf Partys und Events sind und Fachexperten, die Otto als Tech-Arbeitgeber in den Vordergrund rücken, sollen beispielsweise auf das Unternehmen aufmerksam machen. Insgesamt gibt es sechs Profile. „Für jedes Profil bieten wir verschiedene Schulungen an. Grundsätzlich darf sich jeder anmelden, der mitmachen möchte.“ Positive Effekte gibt es bereits. „Eine jüngere Zielgruppe nimmt Otto wahr. Wir sind in deren Augen nicht mehr nur der Versandkatalog, aus dem Oma früher immer bestellt hat.“

Das Programm sorgte für einen Rollenwechsel in Ottos Unternehmenskommunikation. „Wir mussten lernen, loszulassen. Wir sind nicht mehr der alleinige Ansprechpartner und mussten erkennen, dass die Kollegen auch ohne uns über reichweitenstarke Portale kommunizieren können.“ Die Unternehmenskommunikation habe sich daher zu einem Coach entwickelt, der die Jobbotschafter der Firma unterstützt und fördert.

„Das Management ist nicht immer einverstanden“

Auch die Deutsche Telekom setzt erfolgreich auf Corporate Influencer, und das bereits seit 2015. „Jeder Mitarbeiter ist auf seine Art ein Botschafter. Es ist spannend diese Rohdiamanten zu finden und zu fördern“, sagt Pawel Dillinger, Mitarbeiter Corporate Communications der Telekom und deren wohl bekanntester Corporate Influencer. Das Corporate-Influencer-Programm der Telekom muss sich nicht nur extern, sondern auch intern behaupten. „Das Management ist nicht immer mit dem einverstanden, was Mitarbeiter posten. Einige Marketing-Kollegen haben Bauchschmerzen“, sagt Winfried Ebner, Corporate Communications der Telekom. Die Diskussion, wie man mehr Einfluss auf die Corporate Influencer nehmen könne, sei da. „Doch das Programm funktioniert nur, selbstorganisiert und eigenmotiviert auf freiwilliger Basis.“

Neben Otto und der Telekom kamen an diesem Tag Tui, Ikea und Siemens zu Wort und erklären, wie sie den Einsatz von Corporate Influencern handhaben. In Interactive Sessions lernten die Teilnehmer, welche rechtlichen Rahmenbedingungen es zu beachten gilt und wie Unternehmen mit Herausforderungen umgehen sollten. Susanne Schwarz, Inhaberin der Ich & Wir Entwicklung, verriet, wie Firmen geeignete Mitarbeiter finden und diese zum Corporate Influencer schulen. Das Munich Digital Institute und Datev widmete sich der Frage, wie der Erfolg eines Corporate Influencer Programms gemessen werden kann und Nike Wessel, Geschäftsführerin von Das Programm, zeigte Do’s und Dont’s des Influencer Marketings auf.

Der nächste Corporate Influencer Day startet am 20. Januar 2019.

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Kolleg:innen helfen einander: eine Hilfe-Community kann die Kommunikationsabteilung entlasten. (c) Getty Images/tutti-frutti
Bild: Getty Images/tutti-frutti
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Bitte wenden Sie sich an die Community

In vielen Unternehmen hat der digitale Arbeitsplatz Einzug gehalten – oft schneller als geplant. Doch woher die Ressourcen nehmen, um die Kolleg:innen umfassend in die Tools einzuführen? Die Lösung: eine Hilfe-Community. »weiterlesen
 
Greenpeace setzt bei seinen Aktionen auf provokante Motive. 2019 demontierte die NGO das "C" aus dem CDU-Schriftzug am Konrad-Adenauer-Haus. (c) picture alliance/Paul Zinken
Foto: picture alliance/Paul Zinken
Lesezeit 4 Min.
Bericht

Laut und provokant

NGOs wie Greenpeace und der WWF müssen zuspitzen, um Öffentlichkeit und Medien zu erreichen. Wie funktioniert ihr Agenda Setting? »weiterlesen
 
Besteht zwischen Management und Beschäftigten eine Kluft, gelingt Change-Kommunikation kaum.(c) Getty Images/Mariakray
Foto: Getty Images/Mariakray
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Top-Down-Kultur erschwert Change-Kommunikation

Wann misslingt die Kommunikation von Veränderungen? Eine Umfrage unter PR-Profis gibt Antworten. »weiterlesen
 
Über Messenger lassen sich aktuelle Informationen automatisiert genau dann ausspielen, wenn Kund:innen und Stakeholder sie brauchen. (c) Getty Images/HStocks
Foto: Getty Images/HStocks
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Warum Whatsapp in den Kommunikationsmix gehört

Newsletter über Whatsapp verschicken? Seit Ende 2019 ist das nicht mehr möglich. Wer nun glaubt, der Messenger sei nicht mehr erfolgreich in der Kommunikationsstrategie einzusetzen, irrt – sagt Messenger-Experte Matthias Mehner und erklärt, warum. »weiterlesen
 
Herbert Diess bei "Maybrit Illner". Einer von vielen Talkshow-Auftritten des VW-Chefs. (c) ZDF/Svea Pietschmann
Foto: ZDF/Svea Pietschmann
Lesezeit 5 Min.
Analyse

Wenig Lust auf Talkshows

ARD und ZDF erzielen mit „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maischberger“ und „Maybrit Illner“ gute Einschaltquoten. CEOs sind in den Sendungen selten zu Gast. Ausnahme: VW-Chef Herbert Diess. »weiterlesen
 
Nach Bekanntgabe der Erkrankung eines Mitarbeiters erhielt Webasto bis zu 90 Medienanfragen pro Tag. CEO Holger Engelmann trat deshalb mehrfach selbst vor die Presse. (c) Webasto Group
Foto: Webasto Group
Lesezeit 7 Min.
Interview

„Unser offener Umgang war der richtige Weg“

Webasto meldete Ende Januar, dass sich Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten. Plötzlich war das Virus in Deutschland angekommen und der Automobilzulieferer im Fokus der Öffentlichkeit. Nadine Schian leitet die Unternehmenskommunikation. Wie gingen sie und Webasto mit dieser Situation um? »weiterlesen