Susanne Schwarz erklärt, wie aus einem Mitarbeiter ein Corporate Influencer wird. / Susanne Schwartz: (c) Susanne Schwartz
Susanne Schwarz erklärt, wie aus einem Mitarbeiter ein Corporate Influencer wird. / Susanne Schwartz: (c) Susanne Schwartz
Unternehmensbotschafter

In 5 Schritten zum Corporate Influencer

Wie wird aus einem Mitarbeiter ein Corporate Influencer? Unsere Gastautorin Susanne Schwarz zeigt, wie die Transformation in fünf Schritten gelingt.
Susanne Schwarz

„Frau Müller, wir brauchen jetzt auch so’n Corporate Influencer, ich hab da so’n Artikel gelesen. Das soll der Schmidt mal machen, sagen Sie ihm das mal, und er soll direkt mal anfangen.“ So könnte es in deutschen Unternehmen über den Flur schallen. Doch was muss Frau Müller nun beachten und was Herr Schmidt? Und was gehört noch dazu?

Lesen Sie im Folgenden was nicht nur Frau Schmidt, sondern auch Sie beachten sollten, wenn Sie das Thema „Corporate Influencer“ erfolgreich in Ihrem Unternehmen etablieren möchten.

Schritt 1: Intrinsische Motivation

Nur wenn das Unternehmen vorab seine Hausaufgaben gemacht hat, kann aus Herrn Schmidt auch ein Corporate Influencer werden. Denn nur wenn Herr Schmidt wirklich gerne in seinem Unternehmen arbeitet, kann er auch ehrlich und authentisch darüber berichten. Also liebes Unternehmen: erst einmal Hausaufgaben in den Punkten Werte und Kultur, Kommunikation, Transparenz, Prozesse, klare Aufgaben- und Verantwortungsbereiche, Freiraum für Entwicklung und Gehalt machen. Und dafür ist leider nicht Frau Schmidt zuständig.

Schritt 2: Schulung

So ganz ohne geht es nicht. Denn woher soll Herr Schmidt wissen, was die Corporate Identity, die Bildsprache sein soll? Die Tonalität der Texte? Die Do’s and Don'ts? Die Grenzen dessen, was er kommunizieren darf und was nicht? Hier darf die Unternehmenskommunikation mit einer Guideline unterstützen. 

Schritt 3: Zeit

Mal eben so nebenbei? Oh nein! Social Media kostet Zeit – mehr als so mancher Chef vermuten mag. Und damit Herr Schmidt nicht Überstunden machen muss, nur um für das Unternehmen zu twittern, muss spitz auf seine anderen Aufgaben geschaut und manche von ihnen gegebenenfalls umverteilt werden. Sonst ist es schnell vorbei mit der Motivation.

Schritt 4: Begleitung & Unterstützung

Und auch nach dem Start wird Herr Schmidt Fragen haben. Die ersten Posts sollten vielleicht noch mal gegengelesen werden. Er wird eventuell unsicher sein, ob er alles richtig macht. Und wie soll er mit schwierigen Kommentaren umgehen? Da braucht er Ansprechpartner, mit denen er sich abstimmen und denen er Fragen stellen kann.

Schritt 5: Vertrauen

Muss nun alles zensiert werden? Nein, auf keinen Fall. Herr Schmidt braucht das Vertrauen, dass er grundsätzlich alles richtig macht. Denn schließlich arbeitet er gerne für das Unternehmen, ist ein großer Fan und freut sich, dies auch nach außen kommunizieren zu können. Und er freut sich über diese besondere Rolle und die schöne Aufgabe. Da dürfen Sie ihm gerne vertrauen.

Und nun?

Frau Schmidts Aufgabe ist es nun, ihrem Chef zu erklären, dass Rom nicht an einem Tag gebaut wurde und dass das Thema Corporate Influencer auch gut vorbereitet sein will. Schnell schnell kann man das natürlich auch machen, aber dann wird es halt … nicht so gut.

Wenn auch Sie das Thema Corporate Influencer in Ihrem Unternehmen etablieren möchten, tun Sie dies mit Bedacht und stellen Sie sich gerne auch folgende ehrliche Fragen:

  • Es läuft nicht immer rund, auch bei Ihnen nicht. Wie transparent darf die Außenkommunikation Ihres Corporate Influencer sein? Wie glaubwürdig ist es, wenn immer nur alles als positiv, harmonisch und perfekt dargestellt wird? Trauen Sie sich, auch Ecken und Kanten zu zeigen? Wenn ja, wo sind Grenzen?
  • Welchen Wert hat das Thema Corporate Influencer intern? Wie sehr kann der Mitarbeitende von seinen normalen Aufgaben entlastet werden? Seien Sie realistisch – nichts ist schlimmer als ein Corporate Influencer, der Überstunden machen muss und dann auch noch positiv darüber schreiben soll.
  • Welche Themen sollen grundsätzlich kommuniziert werden? Was ist mit Nachhaltigkeit, CSR, Mitarbeiterengagement, Entwicklungschancen und Erfolgen?
  • Was darf auf keinen Fall passieren? Seien Sie klar in Ihrer Erwartungshaltung und offen in der Kommunikation. Sätze wie „ich dachte, das sei klar“ sollte es nicht geben müssen.

Fazit: Trauen Sie sich, und nutzen Sie die Möglichkeiten des Corporate Influencers – aber seien Sie sich bewusst, dass dies ein Prozess ist, der vorbereitet und begleitet werden will, damit es gut wird und Ihr Unternehmen entsprechend positive Aufmerksamkeit bekommt. 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Externe Anwälte sollen die Bundesregierung vor Journalisten schützen. / Anwälte: (c) Getty Images/Pattanaphong Khuankaew
Anwälte der Regierung. Foto: Getty Images/Pattanaphong Khuankaew
Bericht

Regierung setzt Anwälte gegen Journalisten ein

Externe Anwälte sollen die Bundesregierung vor unliebsamen Presseanfragen schützen. Das ergab die Antwort auf Anfrage der Fraktion Die Linke.  »weiterlesen
 
Um den digitalen Arbeitsplatz mit Leben zu füllen, braucht die Unternehmenskommunikation Unterstützung. (c) Getty Images / golubovy
Foto: Getty Images / golubovy
Gastbeitrag

Fünf Schritte zum digitalen Arbeitsplatz

Um den digitalen Arbeitsplatz mit Leben zu füllen, braucht die Unternehmenskommunikation Unterstützung. Wie diese aussehen kann, weiß unser Gastautor. »weiterlesen
 
Regelwidrige Tweets von Politikern können künftig nicht mehr gelikt oder geteilt werden. (c) Getty Images / Allexxandar
Foto: Getty Images / Allexxandar
Meldung

Twitter sanktioniert regelwidrige Politiker-Tweets

Tweets, die gegen ihre Nutzungsregeln verstoßen, will die Plattform künftig von Likes und Retweets ausschließen. Gelöscht werden sollen sie jedoch nicht. »weiterlesen
 
Der Disclaimer "Views are my own" ist überflüssig./ Symbolbild: (c) Getty Images/ HT-Pix
Foto: Getty Images/ HT-Pix
Kommentar

„Views are my own“ ist naiv und realitätsfern

Alexander Reinhardt, Airbus’ Public Affairs Chef, schreibt in seine Twitter-Bio „Views are my own“. Der Disclaimer ist völlig überflüssig. Ein Kommentar. »weiterlesen
 
Alexander Reinhardt droht den Klimaaktivisten von Extinction Rebellion auf Twitter./ Symbolbild: (c) Getty Images/tommaso79
Wütender Autofahrer. Foto: Getty Images/tommaso79
Meldung

Airbus' PA-Chef droht Extinction Rebellion

Er vergleicht sie mit den Nazis und droht ihnen auf Twitter: Airbus' Alexander Reinhardt beschimpft Extinction Rebellion. Jetzt rudert er zurück. »weiterlesen
 
Wie bereitet sich der krisenanfällige Tourismus auf unangenehme Situationen vor? (c) Getty Images / PetrBonek
Foto: Getty Images / PetrBonek
Gastbeitrag

In der Krise souverän reagieren

Tourismus- und Verkehrsunternehmen sind besonders anfällig für Krisen. Wie bereiten sie und ihre Agenturen sich vor? Wie kommunizieren sie im Krisenfall? »weiterlesen