Mit dem Entschluss, das Mitglieder-Magazin "Motorwelt" auszulagern, geht dem ADAC ein wichtiger PR-Kanal verloren. (c) Getty Images/huseyin onur cicekci
Mit dem Entschluss, das Mitglieder-Magazin "Motorwelt" auszulagern, geht dem ADAC ein wichtiger PR-Kanal verloren. (c) Getty Images/huseyin onur cicekci
Zur ADAC-„Motorwelt“-Auslagerung

Eine Frage der Haltung

Der ADAC will sein auflagenstarkes Mitglieder-Magazin „Motorwelt“ künftig extern produzieren lassen. Aber ist das in Zeiten, in denen Verbraucher von Unternehmen immer mehr Haltung einfordern, eine gute Idee? Nein, findet PR- und Marketingspezialist Ralf Bachmann.
Ralf Bachmann

Personality-Magazine erleben einen Hype. Ob Moderatorin Barbara Schöneberger, Kickboxerin Christine Theiss (deretwegen die gesamte „Fit for Fun“-Redaktion entlassen werden soll) oder Designer Guido Maria Kretschmer – sie alle haben ein eigenes Magazin. Das Entscheidende daran ist: Die Prominenten fungieren dabei meist nur als „Galionsfigur“, während die Inhalte nicht von festen Redaktionen, sondern oft komplett von externen Zulieferern kommen. Corporate Publishing durch fremde Dienstleister ist ein wachsender Markt. Gerade hat der ADAC das bis dato hauseigene Magazin „ADAC Motorwelt“ komplett ausgeschrieben – inklusive Redaktion, Vertrieb und Logistik. Der ADAC als Marke wird damit zur reinen „Namenshülle“.

Was bei Lifestyle-Magazinen funktionieren kann, stellt aber gerade die PR und damit auch eigene Kanäle vor eine entscheidende Frage: Wie können Unternehmen in Zeiten von strategischem Content Marketing, in denen Unternehmenskommunikation immer transparenter, authentischer und gehaltvoller sein muss, zielorientiert kommunizieren, wenn sie im wahrsten Sinn des Wortes das Heft aus der Hand geben?

Know-how einkaufen, nicht PR-Kanäle verkaufen

Es würde definitiv zu weit gehen, Corporate Publishing die Daseinsberechtigung abzusprechen. Viele Unternehmen, Vereine, Verbände und staatliche Stellen haben aktuell weder das Know-how noch die Personalstärke, um Content-getriebene PR zu machen. Agenturen und externe Zulieferer können hier ein entscheidender Gewinn sein – ohne Frage. Wäre es aber in unserer „Brand-orientierten“ Zeit, in der immer mehr Konsumenten nach Haltung und Markenkern rufen, nicht besser, fehlendes Know-how intern aufzubauen und den PR-Kanal „Magazin“ noch näher an das Produkt und das Unternehmen zu binden? Wäre es nicht sinnvoller, die Redaktion ins Haus zu holen und sich von Agenturen die Unterstützung und das Know-how in Form von Beratung „einzukaufen”, anstatt das komplette Magazin zu „verkaufen“?

Wer auslagert, vergibt am Ende doch die Chance, sein Magazin, seine Marke und letztlich sein Unternehmen stärker zu positionieren.


++ Lesen Sie auch: Wie politisch darf PR sein? ++

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Digitale Zusammenarbeit und Homeoffice werden nach Einschätzung vieler Kommunikator:innen 2021 weiter zunehmen. (c) Getty Images/RossHelen
Foto: Getty Images/RossHelen
Lesezeit 2 Min.
Studie

Kommunikationsprofis erwarten 2021 mehr Homeoffice

Die Stimmung von Mitarbeiter:innen in Homeoffice-Zeiten hochzuhalten, wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt in der Unternehmenskommunikation sein. Das und mehr zeigt eine Umfrage unter Medien- und Kommunikationsprofis. »weiterlesen
 
Raphael Brinkert und seine gleichnamige Agentur sollen die Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf 2021 beraten. (c) picture alliance/dpa | Axel Heimken
Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken
Lesezeit 5 Min.
Porträt

Mit der SPD in den Bundestagswahlkampf

Raphael Brinkert ist ein vielfach ausgezeichneter Werber. Der Spezialist für Sportmarketing entwickelt mit seiner Agentur die Kampagne der SPD zur Bundestagswahl 2021. »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Foto: Picture Alliance/Newscom/Kevin Dietsch
Kommentar

Jeglichen Anstand vermissen lassen

Die Redaktion des US-Magazins "Forbes" will Informationen, die sie künftig von ehemaliger Mitarbeitenden der Presseabteilung von Donald Trump erhält, besonders genau prüfen. Ihre Glaubwürdigkeit hätten die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren verspielt. »weiterlesen
 
Wolfgang Ainetter (l.) bei einer Pressekonferenz von Andreas Scheuer (r.). (c) picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Ainetter ist nicht mehr Sprecher von Scheuer

Das Verhältnis von Kommunikationschef Wolfgang Ainetter und Minister Andreas Scheuer soll "zerrüttet" sein. »weiterlesen
 
Newsrooms wie hier bei der Lufthansa haben sich in der Coronakrise bewährt. Das Foto wurde vor der Coronakrise aufgenommen. (c) Lufthansa
Foto: Lufthansa
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Newsrooms remote

Unternehmen müssen in der Coronakrise noch flexibler auf tagesaktuelle Entwicklungen reagieren als sonst. Das Konzept „Newsroom“ kann hier seine Stärken voll ausspielen. »weiterlesen
 
Ein Flugzeug von Lufthansa und eines von Easyjet landeten am Eröffnungstag als erste am BER. (c) Thomas Trutschel/Phototek
Foto: Thomas Trutschel/Phototek
Lesezeit 6 Min.
Interview

Bloß nicht wieder enttäuschen

Mit dem Flughafen BER hat Berlin den Spott der Welt auf sich gezogen. Ausgerechnet während der Coronakrise musste der Flughafen eröffnen – etwa neun Jahre verspätet, ohne große Feierlichkeiten. Ein Interview mit Kommunikationschef Hannes Hönemann über die Öffentlichkeitsarbeit für ein Krisenprojekt, das seinesgleichen sucht. »weiterlesen