Donald Trump veranstaltet einen Social-Media-Gipfel ohne soziale Medien./ Social-Media-Summit: (c) Twitter/@realDonaldTrump
Donald Trump veranstaltet einen Social-Media-Gipfel ohne soziale Medien./ Social-Media-Summit: (c) Twitter/@realDonaldTrump
Facebook und Co. bleiben draußen

Trump lädt rechte Trolle zum Social-Media-Gipfel

Donald Trump empfängt rechte Trolle und Verschwörungstheoretiker zum Social-Media-Gipfel. Facebook, Twitter und Co. wurden nicht eingeladen.
Toni Spangenberg

Donald Trump kommt mit den großen Playern der Digitalwirtschaft zusammen, um über die "Möglichkeiten und Herausforderungen" des Internets zu sprechen, so eine Mitteilung des Weißen Hauses. Zum Social-Media-Gipfel am Donnerstag lud Trump aber keine, wie der Name suggeriert, sozialen Medien. Facebook, Twitter, Instagram und Youtube waren nicht erwünscht. Stattdessen umgab sich der Präsident mit rechten Trollen, die online Hass verbreiten und Kritiker diffamieren.

Auf seinem Twitter Account veröffentlichte Trump ein Intro-Video zum Gipfel, unterlegt mit epischer Musik. In diesem heißt es unter anderem: "Es ist ein historischer Tag. Nie zuvor kamen so viele Online-Journalisten und Influencer im Weißen Haus zusammen, um über die Zukunft von Social Media zu sprechen. Jeder von euch spielt eine wichtige Rolle in unserem Land. Ihr fordert die Medien-Gatekeeper und Zensoren heraus, indem ihr die Fakten direkt zu den Menschen bringt. Zusammen erreicht ihr mehr Menschen als irgendein Fernseh- und Radiosender."

In Richtung der sozialen und klassischen Medien teilt Trump auf dem Gipfel aus. Sie, das "korrupte Establishment", unterdrückten konservative Meinungen. Dabei seien diese "lauter als andere, aber wir werden nicht fair behandelt." Twitter warf er vor, die Zahl seiner Follower und Likes zu drücken. Die sozialen Netzwerke werde er "nicht länger davonkommen lassen." Die Internetkonzerne wolle er in den kommenden Wochen ins Weiße Haus zitieren, um mit ihnen über Zensur und Redefreiheit zu sprechen.

Trump macht Stimmung gegen Twitter

Twitter weist die Anschuldigungen Trumps zurück. Der Präsident, dem beim Kurznachrichtendienst circa 62 Millionen Menschen folgen, zeigte in der Vergangenheit ein ganz eigenes Verständnis von Zensur und Redefreiheit. Wessen Meinung ihm nicht passte, den blockierte er. Ein Gericht in New York urteilte, dass er mit dieser Praxis gegen den ersten Verfassungszusatz der USA verstoße. Unliebsame Nutzer darf er also nicht sperren. Auch Politiker in Deutschland greifen gern zum Mittel der Blockade, um Kritiker mundtot zu machen. pressesprecher berichtete.

Gegen Facebook stichelte Trump ebenfalls. Die Digitalwährung Libra, die der Konzern einführen möchte, sieht er kritisch. Er forderte, diese unter die Bankenregulierung zu stellen. Wenn Facebook eine Bank werden wolle, brauche es eine Konzession.

Trump adelt Verschwörungstheoretiker

Von den großen Zeitungen und TV-Sendern Amerikas fühlt sich Trump "total unfair" behandelt. Nur Schlechtes werde über ihn berichtet. "Wenn ich auf Twitter einen Rechtschreibfehler mache, ist das gleich eine große Story." Seine Finger seien eben nicht so gut, wie sein Hirn.

Folglich empfing Trump beim Social-Media-Gipfel nur Personen, die ihn fair behandeln. Unter ihnen Radiojournalist Bill Mitchell. Er verbreitet Theorien, nach denen US-Medien von Spionen der CIA gesteuert werden und die Demokraten Terroristen unterstützen und Geld mit Kinderpornographie verdienen. John F. Kennedy sei nicht tot, sondern täuschte sein Ableben nur vor und kämpfe nun mit Trump gegen die Linken, die Amerika zerstören wollten.

Ein anderer von Trumps Gästen ist Carpe Donktum. Er fälschte Videos von Joe Biden. Charlie Kirk, Gründer einer gegen Muslime und Einwanderer hetzenden Organisation, zählte ebenfalls zu den Teilnehmern des Social-Media-Gipfels.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Boris Johnsons Brexit-Kampagne stößt auf Kritik. (c) Getty Images / gguy44
Foto: Getty Images / gguy44
Meldung

Kritik an Johnsons Brexit-Kampagne

Eine Werbekampagne soll die britische Bevölkerung auf den EU-Austritt vorbereiten. „Geldverschwendung“, wie einige Parlamentarier nun bemängeln. »weiterlesen
 
Ein Führungswechsel ist für Kommunikatoren ein Risiko, kann aber auch eine Chance sein. (c) Getty Images / BrianAJackson
Foto: Getty Images / BrianAJackson
Gastbeitrag

Ein neuer Chef muss nicht den Jobverlust bedeuten

Ob in Unternehmen, Kulturbetrieben oder in der Politik: Pressesprecher sind eng an die Leitung ihres Hauses gebunden. Wechselt die Person an der Spitze, müssen Sprecher häufig gehen. Doch es gibt Strategien, die Stabübergabe erfolgreich zu managen – und den eigenen Job zu retten. »weiterlesen
 
Zeitdruck bestimmt die Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Kommunikatoren. (c) Getty Images / Ulf Wittrock
Foto: Getty Images / Ulf Wittrock
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Was können PRler von der "Zeit" lernen?

Die Zusammenarbeit zwischen PR und Journalismus ist heute durch Zeitdruck bestimmt – wie lässt sie sich verbessern?  »weiterlesen
 
Leidet die Qualität des Journalismus unter dem Zeitdruck? / Zeitdruck: (c) Getty Images/baloon111
Zeitdruck im Journalismus. Foto: Getty Images/baloon111
Bericht

Wie Journalisten Zeitdruck begegnen

Wie der Journalismus trotz Zeitdrucks die Qualität der Beiträge hochhält, erklärt Dominic Hebestreit vom SWR. »weiterlesen
 
Die Bahn will grüner werden. (c) Deutsche Bahn
Foto: Deutsche Bahn
Meldung

Die Bahn will grüner werden

Von rot zu grün – die Bahn ändert das Design ihrer ICEs. Damit will sie sich als Vorreiter beim Klimaschutz positionieren. »weiterlesen
 
Bodo Ramelow versucht sich an einem "Unboxing"-Video. (c) Screenshot/Die Linke
Bodo Ramelow (c) Screenshot/Die Linke
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Bodo Ramelow entdeckt Youtube

Nach der CSU hat jetzt auch die Linke das Medium Youtube für sich entdeckt. Wie schlägt sich Bodo Ramelow in seinem ersten „Unboxing-Video“? »weiterlesen