Veränderungen ohne Frust umsetzen - das geht, wenn man fünf einfache Dinge beachtet. (c) GettyImages/Andrew_Deer
Veränderungen ohne Frust umsetzen - das geht, wenn man fünf einfache Dinge beachtet. (c) GettyImages/Andrew_Deer
Strategie und Führung

Transformation? Change mich am Arsch!

So mancher Mitarbeiter reckt instinktiv den Mittelfinger, wenn das Thema Transformation auf der Unternehmens-Agenda steht. Denn zu viele gescheiterte Changeprojekte führen dauerhaft zu Frust und Verweigerung. Wie man dem gezielt entgegenwirkt, erläutert Katia Kröger in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne.
Katia Kröger

Die Headline bitte ich zu entschuldigen – es handelt sich um ein Zitat. Offenbar muss ein Sachbuch mit Kurs auf die Bestseller-Liste derzeit fast zwingend das Gesäß im Titel führen. So ist „Change mich am Arsch: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter und sich selbst kaputtverändern“ in bester Gesellschaft von anderen kürzlich veröffentlichten Ratgebern wie „Sitzen ist fürn Arsch“ oder „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ (gibt's übrigens auch als Malbuch).

Euphorie vs. Erschöpfung

Spätestens hier stellt sich die Frage, ob ein seriöses Anliegen wie Change-Müdigkeit einen so abschreckend platten Titel verträgt. Fakt ist: Das Thema lohnt den kritischen Blick. Denn bei all der in Chefetagen vorherrschenden Euphorie rund um Transformationen zu immer wirtschaftlicheren Unternehmen wird oft vergessen, dass Veränderungen an den Mitarbeitern nicht spurlos vorüberziehen. Im Gegenteil: Werden diese in die Veränderung nicht mit eingebunden, sind gebremstes Engagement, Motivationsverlust oder gar (innere) Kündigung die Folge. Dann stehen Unternehmen plötzlich vor einem finanziellen, personellen und organisatorischen Burnout statt vor einem neuen goldenen Zeitalter. Wie damit umgehen?

Fehlende Leitplanken führen zu Frust

Fakt ist: Die Change-Welle wird in absehbarer Zukunft nicht abflauen. Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind also gezwungen, möglichst professionell damit umzugehen. Wandel wird die vorherrschende Big Wave der wirtschaftlichen Welt bleiben. Der Ausnahmezustand ist die Regel, das unternehmerische Streben fokussiert sich auf permanente Transformation, um den Anschluss an die Zukunft nicht zu verpassen. 

Werden diese oft notwendigen Prozesse aber nicht strategisch geplant und gesteuert, führt das zu einer fundamentalen Orientierungslosigkeit der Belegschaft, weil keine Leitplanken vorhanden sind. Vor allem, wenn sich verschiedene Change-Projekte überlagern oder keine spürbare Wirkung zeigen, sind die Mitarbeiter schnell da, wo uns der Buchtitel hinführt: der Veränderung resigniert den Mittelfinger entgegenstrecken, statt ihr die Hand zu reichen. Doch genau hier können Unternehmen ansetzen, indem sie ihre Mitarbeiter gezielt und transparent informieren, motivieren und die Veränderungsprozesse laufend evaluieren.

Fünf Faktoren für erfolgreichen Change

Tatsächlich ist die Anzahl der Aspekte für gelungene Transformation überschaubar. Wir identifizieren fünf, mit denen der Wandel erfahrungsgemäß engagiert gestaltet, statt rigoros verweigert wird – und die Change-Müdigkeit ausgebremst:

1. Kommunikation ist Herz des Change 
Mundfaule Führungsriegen sind out: Wer nicht ehrlich mit seinen Mitarbeitern über den Wandel spricht, dabei auch Risiken thematisiert, hat schon fast verloren. Nicht nur der Inhalt ist wichtig, sondern auch die Form. Unternehmen, die Botschaften von oben herab in deutungsbedürftige Phrasen verpacken, werden nicht als authentisch und vertrauenswürdig wahrgenommen. Ablehnung ist vorprogrammiert. Unabdingbar ist die Möglichkeit zu anhaltendem Dialog.

2. Wandel braucht Anfang und Ende
Damit sich keine dauerhafte Change-Müdigkeit breitmacht, müssen die angeschobenen Prozesse verlässlich zu Ergebnissen führen – und nicht auf halber Strecke zugunsten neuerer Projekte in Ablage P verschoben werden. Nachhaltige Entwicklung braucht Zeit. Beharrliches am-Ball-bleiben ist gefragt. Wenn vieles nur arbeitsintensiv angerissen wird, keine Resultate und Auswertungen am Ende stehen, sinkt seitens der Mitarbeiter die Bereitschaft gen Null, immer neue Veränderungen in Angriff zu nehmen.

3. Kompetente Führung ist essenziell 
Salopp formuliert: Entpuppt sich der Change-Manager als Pfeife, ist der Wandel für die Tonne. Führungspersönlichkeiten müssen sich als solche hervortun, Haltung, Energie und Mut zu Konflikten beweisen, um Veränderungen voranzutreiben. Mitarbeiter müssen sich auf deren Urteil verlassen können. Müssen glauben, dass der Wandel Sinn hat, und ihre eigenen Ressourcen nicht grundlos verheizt werden. Und nicht zuletzt überzeugt sein, dass das Management die Veränderungen genauso lebt und mitträgt, wie von den Mitarbeitern gefordert.

4. Beherzt Nein sagen dürfen 
Kein Paradox: Change braucht Widerstand – der erzeugt Reibung und Energie. Transformation ist kein maßgeschneidertes Produkt, sondern ein Prozess, der ständig überprüft, neu bewertet und nachjustiert werden muss. Und wer anders könnte die Impulse dafür liefern als die betroffenen Mitarbeiter? Wird ihr Veto übergangen, stört das nicht nur die Kooperationsbereitschaft, sondern ignoriert wichtige Hinweise zur Optimierung.

5. Nichts geht ohne Change-Monitoring 
Ist das Vertrauen erst ruiniert, wandelt sich's gänzlich ungeniert ...? Falsch! Verlieren die Mitarbeiter den Glauben an die Sache, kann das Change Management einpacken. Besser: Von Anfang an Parameter definieren, die kontinuierlich Engagement, Motivation und Haltung aller Beteiligten ermitteln. So kann frühzeitig und gezielt kommuniziert werden, wenn Turbulenzen auftreten. Nicht vergessen: Am Ende Learnings für kommende Prozesse formulieren, damit Fehler zukünftig nicht wiederholt werden.

Change muss sein. Oder nicht ...?

Bei aller Umsicht bleibt dennoch immer ein Restrisiko, dass Change-Vorhaben scheitern. Dass Unternehmen sich und ihre Mitarbeiter langfristig kaputtverändern, wie es der Buchtitel düster prognostiziert. Daher sollte jedes Unternehmen individuell entscheiden, wie viel Veränderung gesund, welches Tempo das richtige, wie hoch die Schlagzahl der unterschiedlichen Change-Projekte sein soll. Oder es kann nach Abwägung aller Vor- und Nachteile zu dem Ergebnis kommen, dass die Transformation eben doch nicht so zwingend ist, wie ursprünglich angenommen. Kein Konzern will aufgrund von blindem Aktionismus irgendwann – pardon – am Arsch sein. Nicht mal, wenn' s dazu ein Malbuch gäbe.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Wer nach einem Fehler nicht nur aufräumt, sondern auch für die Zukunft lernt, kommt weiter. (c) Getty Images/z_wei
Bild: Getty Images/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Nach dem Fehler ist vor dem Erfolg

Die „Echolot“-Kolumne beleuchtet die interne Kommunikation in Zeiten digitaler Transformation. Dieses Mal beschreibt Kerstin Feddersen, welche Fehler in der Kommunikation lauern. »weiterlesen
 
Foto: Getty Images/Image Source
Foto: Getty Images/Image Source
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Hand aufs Hirn: Verstehen Sie Führung?

Gelungene Mitarbeiterführung ist Kopfsache? Wie sehr Kommunikation unsere neuronalen Prozesse steuert, ist verblüffend. Ein Einblick in die Wissenschaft würde Führungskräften – und damit auch den Mitarbeitern – das Leben und den Erfolg leichter machen, meint Kerstin Feddersen in einer neuen Folge der "Echolot"-Kolumne. »weiterlesen
 
Holen Sie sich auch Hilfe aus anderen Abteilungen, wenn es brennt. (c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wenn der Change-GAU droht

Sie haben das Gefühl, dass die Veränderungen im Unternehmen das Betriebsklima belasten, doch die Chefetage erkennt die Alarmsignale nicht? Was Sie tun können, um Ihren Arbeitgeber vor dem Change-GAU zu bewahren, erklärt unsere heutige „Echolot“-Kolumne. »weiterlesen
 
Die unangefochtene Queen der Mitarbeitermedien ist die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift. (c) Thinkstock/Sportactive
Foto: Thinkstock/Sportactive
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Die Queen der Internen Kommunikation

In Zeiten von Fake News scheint die hiesige Presse ein latentes Glaubwürdigkeitsproblem zu haben. Kranken daran auch die unternehmensinternen Medien? In der neuen Folge der Kolumne „Echolot“ beleuchtet Katia Kröger die klassische Mitarbeiterzeitschrift – und geht deren generellen Daseinsberechtigung auf den Grund. »weiterlesen
 
(c) Thinkstock/z_wei
Foto: Thinkstock/z_wei
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Führung in Futur: Zehn Thesen

Miese Noten für deutsche Chefs: Der aktuelle Kununu-Führungskräftereport identifiziert Vorgesetzte und deren wenig vorbildliche Unternehmenskultur als Kündigungsgrund Nummer eins. Kein Grund zur Panik: In der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne von MontuaPartner Communications skizziert Katia Kröger zehn Ideen für gute Führung 4.0. »weiterlesen
 
Kreation bringt frische Farben auch in die Interne Kommunikation. (c) Thinkstock/your_photo
Foto: Thinkstock/your_photo
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Kein Change ohne Inspiration

Abschweifen erlaubt: Wer kreative Impulse sucht, findet sie meist nicht in Strategiepapieren. Doch ganz gleich, woher die Inspiration zur Kreativität auch kommen mag – aus der Philosophie, der Botanik, der Literatur: Die Interne Kommunikation sollte sie sich dringend zunutze machen, um interne Kommunikationsmittel originell und aufmerksamkeitsstark ins Rampenlicht zu rücken. Die neue Folge der „Echolot“-Kolumne, diesmal von Wolfgang Lux. »weiterlesen
 
Manchmal braucht es eine Komplettsanierung, um eine negative Unternehmenskultur zu bekämpfen. (c) Thinkstock/Gutzemberg
Foto: Thinkstock/Gutzemberg
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Kampf dem Unternehmensmief

Was ist, wenn alle guten Absichten der Internen Kommunikation versanden, weil die Unternehmenskultur verfahren ist? Da hilft nur eines: Komplettsanierung. Und auch das ist eine Aufgabe für Kommunikatoren, wie Andrea Montua in der neuen Folge der „Echolot“-Kolumne erklärt. »weiterlesen
 
Die Rolle der IK hat in der jüngeren Vergangenheit von der Schreibstube zum Strategiepool eine rasante Karriere hingelegt. (c) Thinkstock/Artis777
Foto: Thinkstock/Artis777
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Gestern Schreibstube, heute Super-Job

In Zeiten der digitalen Transformation und großer Veränderungen brauchen Unternehmen eine zeitgemäße Kommunikation. Doch wie sieht diese aus? Antworten geben ab heute die IK- und Change-Spezialisten der Hamburger Agentur MontuaPartner Communications in unserer neuen Kolumne „Echolot“. Zum Auftakt: Katia Kröger über die neue Rolle der Internen Kommunikation. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Je regelmäßiger man trainiert, desto fitter wird man – das gilt auch für die Onlinekommunikation. (c) Getty Images/Olga Niekrasova
Foto: Getty Images/Olga Niekrasova
Lesezeit 2 Min.
Fragebogen

Ein Fitnessprogramm für die digitale Kommunikation

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Teil sechs präsentiert die Strategie des Jahres. »weiterlesen
 
Erwartungen müssen von Anfang an geklärt werden, dann gelingt auch die Führung ohne Personalverantwortung. (c) Getty Images/Coldimages
Foto: Getty Images/Coldimages
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Wie Führung gelingt – auch ohne Cheftitel

Chefs ohne disziplinarische Befugnis sind keine richtigen Chefs? Keinesfalls! Wie Sie sich auch ohne Vorgesetztenfunktion Autorität verschaffen. »weiterlesen
 
Nur vier Prozent des Internets sind allgemein zugänglich. Der größte Teil liegt im Verborgenen. (c) Getty Images/Annecordon
Foto: Getty Images/Annecordon
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Wie PR-Profis das Dark Web nutzen können

Suchmaschinen wie Google zeigen uns einen Bruchteil dessen, was das Internet eigentlich ausmacht. In die verborgenen Sphären vorzudringen, kann für Kommunikatoren vonnutzen sein. »weiterlesen
 
Bernhard Pörksen auf der Speakersnight im September 2017 in Berlin. (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 5 Min.
Interview

„Wir erleben eine große Gereiztheit“

Im Poker um Aufmerksamkeit sei Kommunikation zunehmend von Verzagtheit und Ängstlichkeit geprägt, meint Medienforscher Bernhard Pörksen. Die gute Nachricht jedoch lautet: Es gibt durchaus Rezepte gegen die allgemeine Gereiztheit. Sie bereiten allerdings Mühe.   »weiterlesen
 
Um in Zeiten der digitalen Transformation den Überblick zu behalten und die Mitarbeiter zu motivieren, braucht es professionelle Führung. (c) Getty Images/leremy
Bild: Getty Images/leremy
Lesezeit 2 Min.
Studie

Digitalisierung braucht gute Führung

Es läuft gerade einiges falsch in Kommunikationsabteilungen. Das hat auch damit zu tun, dass Prinzipien guter Führung allzu oft aus dem Blick geraten. »weiterlesen
 
Viele Maßnahmen in der Onlinekommunikation sind zu wenig auf die Bedürfnisse des Empfängers ausgerichtet. (c) Getty Images/rudall30
Bild: Getty Images/rudall30
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Zehn Dinge, die Verbände im Web falsch machen

Viele Verbände erreichen so manches Kommunikationsziel nicht, weil ihre Onlinekommunikation nicht durchdacht ist. Welche Spielregeln im Web es zu beachten gibt. »weiterlesen