Für so manchen PR-Profi sind Anglizismen Teil der Fachsprache. (c) Thinkstock/bizvector
Für so manchen PR-Profi sind Anglizismen Teil der Fachsprache. (c) Thinkstock/bizvector
Replik

Angeberanglizismen? Take it easy!

Zum Tag der Muttersprache forderte Gastkommentator Andreas Hock weniger Anglizismen im PR-Jargon. Das will ein Kommunikationsprofi so nicht stehen lassen. Eine Replik.
Ansgar Vaut

Der Jurist subsumiert eine Tat. Der Handwerker wechselt am Dach die Pfette aus. Der Mediziner diagnostiziert ein Karzinom. Mit anderen Worten: Jede Disziplin bedient sich ihrer eigenen Fachbegriffe. Für Außenstehende sind diese (meist) unverständlich. Und trotzdem notwendig, damit Fachleute präzise miteinander kommunizieren.

Und in der PR? Da reden wir von „Content“, „Storytelling“, „Branding“, „Brainstormen“. Man will statt ein paar „Quick Wins“ gern gleich den „Lifetime-Achievement-Award“ und auf diesem „Event“ bitte nicht mit „B-People“ zu den haben. PR-Sprech rekrutiert sich aus Anglizismen. Beziehungsweise aus „Angeberanglizismen“, wie Andreas Hock findet. Ich aber möchte nicht auf das bisschen Fachsprache in der PR verzichten.

Klar: Einige Protagonisten unsere Branche übertreiben es gern ein wenig und produzieren denglische Sprachunfälle, die nicht kompetent, sondern wichtigtuerisch wirken. Und meist in unfreiwillige Komik umschlagen. 

Aber nur, weil sich einige Leute mit Anglizismen zum Narren machen, ändert nichts daran, dass auch die PR ihre Fachbegriffe benötigt. Und gerade die von Hock zitierten Beispiele lassen sich keineswegs durch ihr deutsches Gegenstück ersetzen: „Brainstormen“ ist ein kreativer Gruppenprozess der nach bestimmten Regeln abläuft. „Nachdenken“ dagegen eine eher einsame Angelegenheit. Ähnliches gilt für „Content“, „Awareness“ oder „Storytelling“– diese Begriffe lassen sich nicht ohne Bedeutungsverschiebung eindeutschen.

Wobei auch klar sein muss: Kunden gegenüber sollte man Fachsprache sparsam und adressatengerecht einsetzen. In Powerpoint-Präsentationen sind Anglizismen aus meiner Sicht per se verdächtig und ein starkes Indiz, dass jemand schlechte Vorbereitung unter Wortblasen versteckt. Aber in einem Blog oder Fachmedium? Dokumentieren sie den fachsprachlichen Diskurs und sind mir sehr willkommen.

Vor allem aber: Es sind doch gerade die PR- und Marketing-Freaks selbst, welche „Angeberanglizismen“ entlarven und sich darüber lustig machen. Ich denke an Webseiten wie beratersprech.de, an T-Shirts, auf denen steht: „Was sagt Legal zu dem Draft?“ oder an Bullshit-Bingo. Insofern: einfach mal auf die Selbstreinigungskräfte der Branche vertrauen.

 

 

 
 

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