Deutsch sei zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, sagt unser Gastautor, gutes Deutsch aber schon. (c) Thinkstock/Ekaterina Bedoeva
Deutsch sei zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, sagt unser Gastautor, gutes Deutsch aber schon. (c) Thinkstock/Ekaterina Bedoeva
Von "Case Study" bis "Content-Strategie"

Schluss mit den Angeberanglizismen!

Unser Gastautor ist genervt von den Anglizismen im PR-Sprech. Ein Kommentar.
Andreas Hock

Es gibt ja ganz viele Gedenktage inzwischen. Den „Weltkatzentag“ zum Beispiel, den „Händewasch-Tag“ oder den „Tag der Jogginghose“. Und es gibt, immer am 21. Februar, den „Tag der Muttersprache“. Die Unesco hat ihn einst ins Leben gerufen, um an aussterbende Sprachen zu erinnern. Nun ist unser Deutsch an sich wohl noch nicht vom Aussterben bedroht. Gutes Deutsch aber schon. Und das gilt vor allem für die modernen Marktschreier – die Media- und PR-Agenturen. Sie haben mithilfe einer kruden Mischung aus Deutsch und Englisch eine Fantasiesprache kreiert, die einen Sprachpuristen schaudern lässt.

Dabei benutzen wir ohnehin nur rund 75.000 der geschätzten 300.000 deutschen Wörter. Über 2.000 Begriffe, so zählt es die Gesellschaft für deutsche Sprache, drohen für immer aus unserem Sprachgebrauch zu verschwinden. Parallel dazu nennt der Duden bereits 5.000 Anglizismen. Oft sind das Begrifflichkeiten, die es überhaupt nicht bräuchte: Warum heißt es „Storytelling“, wenn man sich eine Geschichte rund um ein zu bewerbendes Produkt ausdenkt? Was unterscheidet „Content-Strategien“ von passenden Inhalten? Weshalb hat die „Awareness“ das Bewusstsein ersetzt? Und wieso nennt man eine schnöde Fallstudie bloß „Case Study“?

Eine Erklärung hierfür gibt es eigentlich nicht. Es liegt vielmehr der Verdacht nahe, dass uns derlei Begrifflichkeiten eine Bedeutung vorgaukeln sollen, die in Wahrheit gar nicht vorhanden ist. Das Argument der Internationalisierung ist dabei nur vorgeschoben: Wer nicht andauernd mit Kunden in Asien, Nordamerika oder Australien verhandeln muss, der braucht auch keine „Timesheets“, kein „Kickoff-Meeting“ und keine weiteren Angeberanglizismen.

Darüber könnte man ja am 21. Februar mal wieder nachdenken. Anstatt zu „brainstormen“ ...

 

 
 

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