Übersetzungen von Texten sind in PR und Journalismus ein großes Thema. (c) Getty Images / Rixipix
Übersetzungen von Texten sind in PR und Journalismus ein großes Thema. (c) Getty Images / Rixipix
PR und Fremdsprachen

Englisch-Übersetzungen in der PR

Übersetzungen von Texten sind in PR und Journalismus ein großes Thema. Sie halten aber auch zahlreiche Fallstricke bereit, wie unser Kolumnist weiß.
Claudius Kroker

Neulich war ich mit meiner Frau chinesisch essen. Zum Abschluss gab es Glückskekse. Ich mag die Kekse nicht, meist sind mir der Teig zu trocken und die Weissagungen zu flach. So widmete ich mich auch diesmal eher beiläufig der Botschaft und las folgende Zeile: „Sie bekommen einen Trumpf in die Hand.“ Auf der Rückseite stand die englische Übersetzung: „You’ll receive a Trump“…

Ich habe mein Glück vor Schreck fast fallen gelassen. Einen Trump wollte ich nun wirklich nicht erhalten. War vielleicht etwas mit der Übersetzung nicht in Ordnung?

Übersetzungen aus dem Deutschen in Fremdsprachen und umgekehrt sind ein großes Thema in der PR wie im Journalismus. Und obwohl es eigentlich so einfach wäre, macht es sich mancher schwer. Das Unkomplizierte wird dann schnell zum Unfall und der springende Punkt in der Botschaft zum „jumping point" in der Übersetzung.

Übersetzungen müssen empfängerorientiert sein

Gute PR wie auch gut gemachter Journalismus richten sich vor allem am Rezipienten aus, am Empfänger der Kommunikationskette. „Empfängerorientiertes Schreiben“ nenne ich das immer. Nicht nur ich als Sender muss meinen Text verstehen, sondern vor allem die Empfänger müssen ihn verstehen, sonst ist alle Mühe umsonst. Für Übersetzungen gilt das Gleiche: Sie müssen sich nicht an den möglicherweise etwas rudimentären Englisch-Kenntnissen der Sender ausrichten, sondern am Sprachwissen derer, die ich erreichen möchte. Das gilt für Pressemitteilungen, Copy-Texte, Reden, Websites, Blog-Beiträge und alle anderen Formulierungen gleichermaßen.

Ich habe vor kurzem für einen Unternehmer eine Rede geschrieben, die er im Ausland – in diesem Fall in Indien – auf Englisch halten wollte. Naheliegend – aber verkehrt – wäre es, einen Rede-Text zu entwerfen, abzustimmen, zu feilen, zu straffen, aufzuhübschen und zu finalisieren – und dann zu übersetzen. Das kann nicht funktionieren. Denn: All die Wort-Feilerei, das Aufhübschen und Straffen sich in der Übersetzung kaum adäquat wiederfinden.

Besser ist es, die Rede von Beginn an in der Fremdsprache (in diesem Fall Englisch) zu verfassen – und zwar in einem Englisch, dass den Kenntnissen des späteren Redners („we are all sitting in one boat“), dem Anlass (wissenschaftlicher Fachvortrag, Tagung, öffentliche Kundgebung) und dem Verständnis der Zuhörer entspricht.

Frühes Übersetzen macht den Text flüssiger und authentischer

Alternativ kann man einen ersten Entwurf in deutscher Sprache erstellen, Aufbau und Inhalte abstimmen, die Rede anschließend übersetzen lassen und fortan nur noch mit der – in diesem Fall – englischen Version weiterarbeiten. Das klingt nachher wesentlich flüssiger und authentischer als eine schlussendlich übersetzte Rede in „very wohlfeil“ British English, durch die der Redner mangels eigener „very wohlfeil“ Oxford-Biografie schlimmstenfalls stolpert.

Unabhängig von der Authentizität gilt bei Übersetzungen die Ausrichtung an der Sache und am Empfänger auch für Pressemitteilungen und andere Texte. Deutsche Pressemitteilungen für deutsche Fach- oder Tageszeitungen oder Nachrichtenagenturen sind in der Regel wesentlich nüchterner und sachlicher verfasst als ihr übersetztes Pendant zum Beispiel für italienische oder spanische Medien. Dort dürfen Pressetexte in der Regel wesentlich mehr Emotion in sich tragen. Und Übersetzungen relevanter Begriffe oder Fachbegriffe müssen sich natürlich danach richten, wie solche Begriffe in der fremden Sprache im entsprechenden Kontext verwendet werden.

Gute Übersetzer leisten Recherche-Arbeit

Darum ist es zwar oft üblich, aber nicht immer nötig, dass Übersetzungen durch „native speaker“ vorgenommen werden. Wichtiger ist, dass die Übersetzer sich ausführlich damit befassen, wie zum Beispiel über ein Thema einer originär deutschen Pressemitteilung in USA-amerikanischen Medien geschrieben wird. Da wird die Übersetzungs-Arbeit zum Recherche-Aufwand. Die Neugier, die Journalisten und journalistisch arbeitenden PR-Leuten eigen ist, die müssen auch Übersetzer aufbringen.

Für einen Kunden habe ich einmal einen Text über eine ursprünglich amerikanische wissenschaftliche Studie verfasst, über die auch deutsche Fachmedien geschrieben haben. Der Übersetzer, mit dem ich schon ewig zusammenarbeite (im Übrigen auch kein „native speaker“), recherchierte während seiner Arbeit die in Deutsch und Englisch zu verwendenden Begriffe und stellte fest: die Übersetzungen in den deutschen Medien waren zum Teil schlicht falsch. Einige Begriffe wurden nach Wörterbuch übersetzt, ohne deren Bedeutung und Verwendung in US-amerikanischen Medien zu beachten.

Übersetzungen von Texten in PR und Journalismus sind immer eine besondere Herausforderung. Das macht Arbeit, aber das macht auch Spaß und bringt viele neue Einblicke zum Beispiel auch in die Kultur der Länder und Sprachen, in die wir übersetzen. In jedem Falle kommt mehr dabei raus als ein freundlich gemeintes „you can say you to me“…

 

 

 

 
 


randbemerkung

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