Die FDP nimmt mit ihrem Wahlvideo Influencer auf die Schippe und erntet damit reichlich Spott. (c) FDP / Screenshot
Die FDP nimmt mit ihrem Wahlvideo Influencer auf die Schippe und erntet damit reichlich Spott. (c) FDP / Screenshot
Europawahl

Influencer-Parodie der FDP geht nach hinten los

Zur anstehenden Europawahl wollte die FDP mit einem humorvollen Video vor allem bei jungen Wählern für die Briefwahl werben. Dieser Schuss ging gehörig nach hinten los.
Aus der Redaktion

„Hallo meine Lieben, heute habe ich ein ganz besonderes Tutorial für Euch!“ frohlockt eine recht aufgedrehte junge Frau mit übertrieben nasaler Stimme. Einhorn- und Sternschnuppen-Emojis flattern dabei durchs Bild. Hierbei handelt es sich nicht etwa um das neueste Video einer Influencer-Größe wie Bibi oder Dagi Bee. Das Video ist ein Wahlwerbespot der FDP, die junge Frau FDP-Politikerin Svenja Hahn, die auf Platz zwei der FDP-Liste für das Europaparlament kandidiert.

Der Anlass: Die anstehende Europawahl am kommenden Sonntag. Seit Jahren befindet sich die Wahlbeteiligung im Sinkflug: Bei der letzten Abstimmung im Jahr 2014 lag sie EU-weit nur noch bei durchschnittlich 43 Prozent. In Deutschland gingen immerhin 48 Prozent an die Urne – das sind zwar mehr Teilnehmer als bei den drei vorherigen Wahlen, jedoch deutlich weniger als bei den Wahlen bis 1994.

In den vergangenen Monaten bemühten sich bereits zahlreiche Unternehmen und Organisationen, dieser Entwicklung mit Kampagnen und Aktionen entgegenzusteuern. Gerade bei jüngeren Wählern ist dies besonders nötig: 2014 bildeten sie mit nur rund 35 Prozent in Sachen Wahlbeteiligung das Schlusslicht.

Auf dem Papier muss die Idee daher zunächst gar nicht schlecht gewirkt haben: Junge Leute über die Briefwahl informieren, ihnen dabei die FDP freundlichst ans Herz legen und obendrein die Influencer-Kultur ordentlich auf die Schippe nehmen. Schaut man sich die fast durchweg negativen Reaktionen auf das Video an, ist diese Rechnung für die FDP jedoch offenbar nicht aufgegangen.

„Damit hat sich die FDP gerade als völlig unwählbar qualifiziert“, kommentiert ein Nutzer das Video. Ein anderer fragt sich: „Wer zum Teufel hat das abgesegnet?“ Nicht wenige geben an, der Spot ihre Wahlentscheidung enorm erleichtert – vermutlich eher nicht zugunsten der Freien Demokraten.

Die heftigen Reaktionen veranlassten die Partei sogar dazu, die Nutzer zur Mäßigung aufzurufen: „Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – über Hasskommentare, Beschimpfungen und Beleidigungen nicht!“ Über die rege Debatte freue man sich jedoch – genau diese Aufmerksamkeit habe man erreichen wollen. Auch die Protagonistin selbst sieht die Aufregung gelassen. Der Bild-Zeitung sagte sie: „Ich nehme sowohl Lob als auch Kritik sehr ernst. Als Politikerin muss man Gegenwind aber auch aushalten können“, so Hahn.

Aufmerksamkeit hat die FDP durch das Video zweifellos generiert. Ob die Partei selbst davon profitieren wird, ist jedoch eher fraglich. 

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Es ist besser, transparent zu kommunizieren, als gar nicht. (c) Getty Images/by-studio
Foto: Getty Images/by-studio
Lesezeit 1 Min.
Gastbeitrag

„Auch bei Unsicherheiten kommunizieren“

Jede:r Kommunikationsverantwortliche erlebt die Coronakrise anders. Wie haben sich PR und Öffentlichkeitsarbeit verändert? Was ist wichtiger und was weniger relevant geworden? Vier PR-Profis geben Antworten. Diesmal: Katrin Lauterbach, Head of Communications und Marketing, von Jenoptik. »weiterlesen
 
Personality-Expertin Tina Schürmann fordert mehr Verständnis für berufstätige Mütter. (c) Mirjam Knickriem
Foto: Mirjam Knickriem
Lesezeit 2 Min.
Interview

„Warum Kinder leugnen?“

In der Coronakrise wurde deutlich: Frauen kümmern sich um die Kinder, Männer machen Karriere. Im Interview erklärt Personality-Expertin Tina Schürmann, warum sie Frauen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen will und wieso Kinder dabei eine Rolle spielen sollten. »weiterlesen
 
Die digitale Live-Kommunikation kann global agierenden Unternehmen große Chancen bieten, meint PR-Profi Nils Haupt. (c) Getty Images/AndreyPopov
Foto: Getty Images/AndreyPopov
Lesezeit 1 Min.
Gastbeitrag

„Live-Formate werden bleiben“

Jede:r Kommunikationsverantwortliche erlebt die Coronakrise anders. Wie haben sich PR und Öffentlichkeitsarbeit verändert? Was ist wichtiger und was weniger relevant geworden? Vier PR-Profis geben Antworten. Diesmal: Nils Haupt, Kommunikationschef von Hapag-Lloyd. »weiterlesen
 
Kommentierung und Färbung von Sachtexten nehmen zu, beobachtet Kristin Breuer vom VfA. (c) Getty Images/metamorworks
Foto: Getty Images/metamorworks
Lesezeit 2 Min.
Kommentar

Substanzlose Schnellschüsse

Clickbaiting, Quatsch-Geschichte, zu viel Meinung – wie Kristin Breuer vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) die Berichterstattung in deutschen Leitmedien wahrnimmt. »weiterlesen
 
Weg vom „Plastik-Bashing“: Mit einer Kampagne wollten zwei Verbände die Debatte um Kunststoff versachlichen. (c) Getty Images/Harry Wedzinga
Foto: Getty Images/Harry Wedzinga
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Ambivalentes Plastik

Kunststoffverpackungen verschmutzen die Meere. Die Verbände IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Plastics Europe Deutschland versuchen trotzdem, eine sachliche Diskussion anzustoßen. »weiterlesen
 
Nie sei das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) so präsent in den Medien gewesen wie jetzt, sagt Pressesprecherin Susanne Thiele. Die gestiegene Intensität bringt neue Anforderungen an ihre Arbeit. (c) Verena Meier
Foto: Verena Meier
Lesezeit 8 Min.
Interview

„Es ist die spannendste Zeit meiner Karriere“

Susanne Thiele, Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, über die Vorbereitung von Forschern für TV-Auftritte, die medizinische Expertise von Journalist:innen und Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation. »weiterlesen