Axel Springer plant die Streichung von rund 150 Stellen. (c) Axel Springer
Axel Springer plant die Streichung von rund 150 Stellen. (c) Axel Springer
Geplanter Stellenabbau

DJV: Springer-Pläne „publizistischer Kahlschlag“

Im Zuge einer Neustrukturierung plant der Springer-Konzern, rund 150 Stellen bei verschiedenen Blättern zu streichen – ein Vorgehen, das vom DJV kritisiert wird.
Aus der Redaktion

Nach Informationen des Deutschen Journalisten-Verbandes plant Axel Springer im Zuge der von Vorstandschef Mathias Döpfner angekündigten Neustrukturierung des Konzerns einen weitreichenden Personalabbau: Rund 150 Arbeitsplätze sollen wegfallen, darunter 65 Stellen bei der Bild-Zeitung, 39 bei der Auto Bild und 13 bei der Computer Bild. Noch offen sei die Situation in Berlin: Hier plant Springer eine redaktionelle Zusammenlegung der Blätter Bild, B.Z. und Bild am Sonntag.

Erste Details zu Springers Plänen wurden bereits Ende September bekannt. Mit der Umstrukturierung und dem damit verbundenen Personalabbau will der Konzern rund 50 Milliarden Euro einsparen. Gleichzeitig plant er, in den nächsten Jahren Investitionen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro zu tätigen, vornehmlich in seine Live-Video-Strategie. Man wolle vor allem den digitalen Journalismus stärken, hieß es damals von Seiten Springers.

Der DJV hatte bereits nach Bekanntgabe der geplanten Strukturänderungen geschätzt, dass diese eine Streichung von etwa 20 Prozent der Arbeitsplätze zur Folge haben würden. „Einer der größten Medienverlage Europas strukturiert so massiv um, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, kritisierte der DJV-Vorsitzende Frank Überall damals. Der Konzern solle auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, forderte der DJV. Springer wollte sich zu diesen Schätzungen nicht äußern.

Nun, wo sich der geplante Stellenabbau zu konkretisieren scheint, bekräftigt der Journalisten-Verband seine Forderung erneut. Überall kritisierte die Pläne als „publizistischen Kahlschlag, mit dem keine Qualitätsoffensive möglich ist." Das Ziel des Konzerns, 50 Milliarden Euro einzusparen, könne so womöglich erreicht werden, eine Weiterentwicklung der Springer-Medien jedoch keinesfalls.

Der Konzern verweigerte bisher eine Stellungnahme. Auf Anfrage von Meedia gab er an, momentan noch keine Aussage zu Zahlen machen zu können. Auch Spekulationen dazu werde man noch nicht kommentieren. Die Details zu den Einsparungen würden erst erarbeitet.

Die Einsparungen bei den Springer-Blättern sind ein weiteres Symptom der fortschreitenden Print-Erosion: Vor wenigen Wochen trennte sich das Medienunternehmen DuMont von seinem Berliner Verlag. Bis Ende des Jahres will er auch seine übrigen Regionalzeitungen abstoßen.

 

 

 
 


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