Nicht jedem Journalisten gefällt der scheinbar vertraute Kommunikationsstil mancher Agenturen. (c) Getty Images/spukkato
Nicht jedem Journalisten gefällt der scheinbar vertraute Kommunikationsstil mancher Agenturen. (c) Getty Images/spukkato
Zuckerbrot und Peitsche

Duzen auf Distanz

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Dieses Mal: Journalistin Alexandra Waschewski über Lifestyle-PR-Agenturen und deren speziellen Sprachstil.
Alexandra Maschewski

„Hallo, Du Liebe!!!“ Als jemand, der über Lifestyle-Themen schreibt, gehöre ich anscheinend tatsächlich zu der Sorte Journalisten, die in schöner Regelmäßigkeit mit süßlichen Anreden und E-Mails bedacht werden, die ohne Emoji-Verzierung oder ein geschriebenes „Hahaha“ nicht komplett wären. Mir werden „fabelhafte Wochenenden“ gewünscht, man wäre „im Glück“, wenn ich zu einem Event käme, und warum hat mich in meiner Familie eigentlich noch niemand mit einem „#Superstar“ bedacht? 

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Wer es gern nett hat, der sollte sich also unbedingt in die Verteiler diverser Lifestyle-PR-Agenturen aufnehmen lassen. Dann bekommt man nämlich Post von meist noch recht jungen Damen, die oft nur Vornamen zu haben scheinen – und diese gern kurz und mit ziemlich vielen Vokalen: Lena, Lydia, Vanja, Anna – so heißen meine persönlichen Feelgood-Managerinnen. 

Ich komme mir meist vor wie die spaßbefreite große Schwester, die zwar auch mit 42 Jahren immer noch ganz gern geduzt wird, die aber trotzdem nichts gegen ein wenig Distanz hat. 

Sorry, aber ich bin nun einmal vom alten Schlag, Hanseatin und Steinbock noch dazu. So zucke ich eben unweigerlich zusammen, wenn mich jemand „Süße“ nennt. Dass ich für die meisten ganz automatisch Alex statt Alexandra bin – geschenkt. 

Schon klar, dass diese gelernte Freundlichkeit zum Geschäft gehört. Das habe ich spätestens dann begriffen, als mich einst eine fehlgeleitete Mail erreichte, in der ich von „Du Liebe“ zu „die Maschewski“ degradiert wurde. Das war dann aber auch der Moment, in dem ich mir vorgenommen habe, gegenüber Kollegen nie wieder „die Pressetante von ...“ zu sagen. Und ich habe mich daran gehalten. 

Lieber verpackt als verschwurbelt

In dem Bereich, in dem ich mich bewege, ist ein mehrmonatiger Vorlauf normal. Schließlich arbeiten viele Adressaten für Magazine. Und so habe auch ich mich daran gewöhnt, noch vor den Sommerferien vom „Wiesn-Alarm“ aufgeschreckt, zu Beginn des Herbstes mit „nostalgischem Country-Charme für stilvolle Weihnachten“ konfrontiert zu werden und spätestens in der Adventszeit zu realisieren, dass es unter einem „Dinner of Love“ zum Valentinstag nun wirklich nicht mehr geht. 

Bin ich oldschool, weil ich gut verpackte Informationen den oftmals unnötig verschwurbelten Texten vorziehe? Das „Murmelgeflüster von Tahitiperlen“ lässt mich vollkommen kalt, und langatmige, pseudowissenschaftliche Abhandlungen über die „Multispace-Arbeitsumgebung“ ermüden mich.

Ein wenig peinlich berührt war ich indes, als mir jemand den Klappentext von „Guten Morgen, Latte! Das große Buch vom Penis und was sonst noch dranhängt“ schickte. (Ein Werk, das man übrigens bestens zusammen mit „Viva La Vagina“ hätte vorstellen können.) Lifestyle ist wahrlich ein weites Feld ... 

Habe ich übrigens erwähnt, dass ich selbst seit einer Weile zweigleisig fahre und ebenfalls Pressetexte verfasse? Und zwar eben so, wie ich sie als gelernte Tageszeitungsjournalistin gern lesen würde. 

Bisher bin ich tatsächlich ganz gut klargekommen – ohne mein Gegenüber mit Kosenamen zu bedenken.

 

 
 


randbemerkung

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