Viele börsennotierte Unternehmen planen eine Frauenquote von 0 Prozent für ihren Vorstand. (c) Getty Images / AndreyPopov
Viele börsennotierte Unternehmen planen eine Frauenquote von 0 Prozent für ihren Vorstand. (c) Getty Images / AndreyPopov
Scharfe Kritik an Unternehmen

Ziel von 0 Prozent Frauenquote wird zum PR-Problem

53 börsennotierte deutsche Unternehmen setzen sich „keine Frauen im Vorstand“ als offizielles Ziel – und werden dafür kritisiert.
Aus der Redaktion

Die gute Nachricht ist: Bei Unternehmen wie beispielsweise TLG Immobilien soll die selbstgewählte Frauenquote für den Vorstand des Unternehmens bis mindestens 2022 „nicht unterschritten werden“. Dieses honorige Versprechen steht sogar hochoffiziell im Geschäftsbericht.

Die schlechte Nachricht ist: Diese selbstgewählte Frauenquote liegt bei null Prozent.

Damit steht die Immobilienfirma keineswegs allein. Gleich 53 der 160 börsennotierten deutschen Unternehmen geraten derzeit durch einen Report der Albright-Stiftung in den Fokus öffentlicher Kritik, weil sie ausdrücklich das Ziel angeben, keine Frauen in ihren Vorstand aufnehmen zu wollen.

 

 

Weitere 23 Unternehmen formulieren zwar nicht ausdrücklich das Ziel von „null Prozent“, haben jedoch keine weiblichen Vorstandsmitglieder und auch keine erklärten Pläne, dies zu ändern.

Unternehmen, deren Anteile an Börsen regulär gehandelt werden, sind seit 2015 gesetzlich verpflichtet, entsprechende Angaben und Planungen öffentlich zu machen.

Auch bekannte Marken planen explizit ohne Vorstandsfrauen

Zu den Firmen, die keine Frauen in ihren Vorstand aufnehmen wollen, gehören auch bekannte Markenunternehmen wie der Lieferdienst Delivery Hero, der Wohnungskonzern Deutsche Wohnen, die Optikerkette Fielmann, Industriekonzerne wie HeidelbergCement, Klöckner und Rheinmetall, der Einzelhändler Norma, der Autovermieter Sixt, das Karrierenetzwerk Xing und der Onlinehändler Zalando.

In Medien und auf Social-Media-Plattformen werden die Unternehmen teilweise scharf für ihre „Null-Prozent-Frauen“-Politik kritisiert.

Die Albright-Stiftung konstatiert in ihrem Report „Die Macht hinter den Kulissen“ (PDF), es sei in Deutschland für einen „Thomas“ oder einen „Michael“ wahrscheinlicher, Vorstandsmitglied eines börsennotierten Unternehmens zu werden als für eine Frau.

Daran habe auch der steigende Anteil an Frauen in Aufsichtsräten bislang nichts geändert. Hier gilt seit 2015 eine nach Unternehmensgröße gestaffelte gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquote von bis zu 30 Prozent. Allerdings spiegele sich die noch immer vorhandene männliche Dominanz in diesen Gremien besonders stark bei der Besetzung von Vorstandposten wider.

Der Anteil weiblicher Vorstandmitglieder beträgt in Deutschland laut Report 8,8 Prozent und sei damit niedriger als in allen anderen Industrienationen.

 

 
 


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