Praxistipps für Fintech-Start-ups (c) Thinkstock/neyro2008
Praxistipps für Fintech-Start-ups (c) Thinkstock/neyro2008
Praxistipps

Zehn Gebote für Fintech-PR

Was zeichnet gute Fintech-PR aus und welche Fehler gilt es zu vermeiden? Unsere Gastautoren haben zehn Regeln für die erfolgreiche Pressearbeit junger Finanzdienstleister aufgestellt.
Marco Cabras
Felix Klatt

Junge, digitale Finanzdienstleister mischen derzeit die Bankenwelt auf. Die Branche boomt: Fast 300 Millionen Euro flossen 2015 hierzulande in die sogenannten Fintech-Unternehmen wie etwa Auxmoney oder Azimo. Zeit also, sich mit den speziellen Anforderungen der Kommunikationsarbeit für die junge Branche zu beschäftigen. Hier die zehn goldenen Regeln:

1. Vertrauen schaffen

Klassische PR-Strategien zielen in der Regel darauf ab, das Vertrauen in ein Unternehmen und dessen Produkte zu steigern. Dies gilt bei Fintechs umso mehr. Schließlich geht es um Geld. Bei diesem sensiblen Thema ist es besonders wichtig, Sicherheit und Verlässlichkeit zu vermitteln. Wenn dies nicht gelingt, vertrauen die Menschen Ihnen nicht ihr Geld an.

2. Sich von der Masse abheben

Fintech-Start-ups  schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Umso schwieriger ist es, mit dem eigenen Geschäftsmodell aus der Masse herauszustechen. Um Journalisten von dem Unternehmen zu begeistern, muss der USP des Start-ups klar ersichtlich sein. Erzählen Sie eine spannende Geschichte, die Ihr Unternehmen zu etwas Einzigartigem macht. Bieten Sie Journalisten einen Grund, warum sie ihren Lesern ausgerechnet von Ihrem Business berichten sollen.

3. Sich in das Gegenüber versetzen

Klar, Sie sind Experte auf Ihrem Gebiet. Das können Sie aber nicht von jedem erwarten, mit dem Sie kommunizieren. Dementsprechend sollten Sie Aussagen so treffen, dass sie möglichst jeder versteht. Auch komplexe Finanz- und Technologie-Themen lassen sich vereinfachen, ohne an Anspruch zu verlieren. Anglizismen sollten möglichst mit Bedacht eingesetzt werden.

4. Daran denken, mit wem man spricht

Für Fintech-Anbieter sind Journalisten aus den Bereichen Finanzen und Technologie naturgemäß die ersten Ansprechpartner. Als ausgewiesene Experten in ihrem Gebiet gelten gerade sie als besonders kritisch und anspruchsvoll. Sie sollten ihnen Ihr Anliegen in wenigen Sätzen klarmachen können und auf kritische Nachfragen vorbereitet sein.

5. Die richtigen Medien ansprechen

Fintech ist nicht gleich Fintech. So unterschiedlich wie die Geschäftsmodelle und Zielgruppen eines Start-ups sind auch die Medien, die Sie ansprechen sollten. Beim einzusetzenden Medienmix sollte man sich etwa daran orientieren, ob man einen B2C- oder B2B-Ansatz verfolgt. Daran lässt sich ausrichten, wie stark Publikumsmedien, Fachpresse, Print/Digital, Foren, Social Media und Blogs berücksichtigt werden.

6. Nicht nur im eigenen Teich fischen

Für Fintech-Start-ups liegt es auf der Hand, spezialisierte Journalisten als erstes zu adressieren. Dies ist ein guter Ausgangspunkt, um ein Unternehmen in der Branche bekannt zu machen. Um weitere Aufmerksamkeit zu erreichen, sollte man jedoch auch über den eigenen Tellerrand hinaus schauen. Hier gibt es keine Denkverbote! Wenn das Unternehmen einen B2C-Ansatz verfolgt, können beispielsweise auch Publikumsmedien oder reichweitenstarke „bunte Medien“ eine wichtige Rolle spielen.

7. Themen im Auge behalten und externe Anlässe nutzen

Themenmonitoring ist wichtig, um über aktuelle Entwicklungen auf dem neuesten Stand zu bleiben Es hilft dabei, eigene Themen zu entwickeln, mit denen das Start-up  punkten kann.

Behalten Sie Ihre Themen im Auge, um bei der Medienansprache das richtige Timing zu haben. Nutzen Sie konkrete Anlässe wie Studien, Branchenentwicklungen oder aktuelle politische/gesellschaftliche Diskussionen als Aufhänger für Ihr Thema.

8. Zahlen und Statistiken sinnvoll in die Kommunikation einbauen

Statistiken und Zahlen können die erfolgreiche Entwicklung Ihres Start-ups objektiv belegen. Sie sollten jedoch keineswegs an den Haaren herbeigezogen sein. Wer mit geschönten Zahlen versucht, seine bislang eher mäßige Performance zu verschleiern, wird früher oder später entlarvt! Deswegen sollte man nur mit Zahlen argumentieren, die korrekt sind und eine wirkliche Aussagekraft für die Entwicklung des Unternehmens haben.

9. Das Fintech präsentieren

Die Gelegenheit ist günstig. Mittlerweile haben sich über das Jahr hinweg und quer durch die Republik eine ganze Reihe Konferenzen, Messen und Workshops etabliert, die sich auf Digitales, Fintechs und Start-ups konzentrieren. Auf solchen Veranstaltungen kann man drei Fliegen mit einer Klappe schlagen und neben Investoren auch potenzielle Kunden und interessierte Journalisten treffen.

Nutzen Sie die richtigen Branchenevents, um Ihr Unternehmen zu präsentieren. Hier bietet sich die Chance, es einem fachkundigen Publikum vorzustellen und gleichzeitig wichtige Kontakte zu Entscheidern, Meinungsmachern und Journalisten der Szene zu knüpfen.

10. Geduldig sein

Schnelle Platzierungserfolge sind schön, aber keine Selbstverständlichkeit und längst keine Garantie für nachhaltigen Erfolg. Im Gegenteil: Bei dem alltäglichen Überfluss an News bleibt selbst das tollste Konzept nicht lange im Kopf des Lesers oder Zuschauers haften. Nur wer kontinuierlich dran bleibt, hat auf Dauer etwas davon. Die PR-Strategie sollte langfristig angelegt sein und einen kontinuierlichen Aufbau der Bekanntheit der Marke in der öffentlichen Wahrnehmung zum Ziel haben.

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Neben Microsoft will eine Vielzahl weiterer Firmen CO2-neutral werden. / Klimaneutralität: (c) Getty Images/angkhan
Klimaneutralität: (c) Getty Images/angkhan
Analyse

Microsofts Klimaziele – andere sind weiter

Vergangene Woche verkündete Microsoft den Start seiner Klima-Initiative. Welche Unternehmen haben sich noch in Sachen Klimaneutralität positioniert? »weiterlesen
 
Thomas Heindl baute die Unternehmenskommunikation der LV1871 um. / Thomas Heindl: (c) LV1871
Thomas Heindl: (c) LV1871
Interview

"Wir wollten Kommunikation anders denken"

Corporate Influencer beeinflussen neben der externen auch die interne Kommunikation. Die LV1871 zeigt, wie die Adaption gelingen kann. »weiterlesen
 
Friederike Mehring (c) Turbine Potsdam
Foto: Turbine Potsdam
Interview

„Frauenfußball muss seine eigene Nische finden“

Frauenfußball hinkt in Sachen Aufmerksamkeit immer noch hinter dem der Männer her. Friederike Mehring erklärt, wie die Kommunikation dem entgegensteuert. »weiterlesen
 
Wie können Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung einfach kommuniziert werden? (c) Getty Images / Kkolosov
Foto: Getty Images / Kkolosov
Kolumne

Wie Wissenschaftskommunikation gelingen kann

Aus Wissenschaft und Forschung können sich spannende Nachrichten ergeben. Wie lassen sich die komplexen Zusammenhänge einfach ausdrücken? »weiterlesen
 
Die UK sollte moderne Technologien nutzen, um effizienter zu arbeiten./ Symbolbild: (c) Getty Images/anyaberkut
Foto: Getty Images/anyaberkut
Gastbeitrag

5 Schritte zur modernen Kommunikationsabteilung

Der Weg hin zu einer modernen Kommunikationsarbeit und -abteilung erstreckt sich über fünf Schritte. Welche das sind, verrät unsere Gastautorin Venera D'Elia. »weiterlesen
 
Das können B2B-Unternehmen bei ihrer Social-Media-Arbeit besser machen. (c) Getty Images / Tick-Tock
Foto: Getty Images / Tick-Tock
Gastbeitrag

So verbessern B2B-Brands ihre Social-Media-Arbeit

Viele B2B-Unternehmen nutzen die Möglichkeiten der sozialen Medien bereits gewinnbringend. Für alle, die sich hier noch schwertun, hat unser Gastautor einige Tipps zusammengestellt.