Wie schließt Sprache alle ein? (c) Picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow
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Geschlechtergerechte Sprache

Zehn Dax-Konzerne nutzen Gender-Formen

Eine Umfrage des Instituts für Kommunikation und Medien der Hochschule Darmstadt und der "FAZ" zeigt, dass eine gendergerechte Sprache vor allem in der internen Kommunikation und im Bereich Media Relations zum Einsatz kommt. 
Aus der Redaktion

Das Institut für Kommunikation und Medien der Hochschule Darmstadt hat gemeinsam mit der „FAZ“ Dax- und MDax-Unternehmen danach befragt, inwieweit sie eine geschlechtergerechte Sprache verwenden oder sie künftig einsetzen wollen. Von den 18 Dax-Konzernen, die an der Umfrage teilnahmen, gaben zehn an, bereits eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden. Sechs sagten, sie würden eine Einführung planen. Zwei erklärten, eine geschlechtergerechte Sprache werde nicht eingeführt. Von den 13 antwortenden MDax-Unternehmen gaben vier an, eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt zu haben. Weitere vier haben es vor. Fünf hätten sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt.

Von den zehn Dax-Unternehmen, die sagten, sie würden eine geschlechtergerechte Sprache verwenden, sagten fünf, sie würden „wenn möglich genderneutrale Formulierungen“ einsetzen. Weitere fünf verwenden das Gendersternchen oder den Doppelpunkt. Das generische Femininum nutzt kein Unternehmen; auch plant keines diese Form künftig einzusetzen. Zwei MDax-Mitglieder nutzen Genderstern oder Doppelpunkt. Drei Unternehmen aus dem Dax und zwei aus dem MDax wollen den Genderstern oder Doppelpunkt einführen.

Der Umfrage zufolge kommt eine gendergerechte Sprache vor allem in der internen Kommunikation und im Bereich Media Relations zum Einsatz. Acht Dax-Konzerne erklärten, sie würden in diesen Bereichen gendern. In der Kundenkommunikation setzen vier Unternehmen eine geschlechtergerechte Sprache ein; bei Investor Relations sind es sechs. Bei den MDax-Unternehmen sieht es ähnlich aus.

Der Hauptgrund für die Einführung einer geschlechtergerechten Sprache ist der Umfrage zufolge, dass die dem Verständnis des Unternehmens nach einem diskriminierungsfreien Umgang entspreche. In fünf Fällen hätte die Abteilung „Unternehmenskommunikation“ einen Vorschlag bereitet, wie Gendern eingeführt werden könne. Dreimal war die Abteilung „Gender & Diversity“ im Lead. Ein Unternehmen gab an, bereits 2018 eine gendergerechte Sprache eingeführt zu haben. Die anderen verteilten sich auf den Zeitraum zwischen August 2019 und März 2021.

Zuletzt gab Audi als Teil des Volkswagen-Konzerns bekannt, eine gendersensible Schreibweise einführen zu wollen. Während Nicht-Dax-Unternehmen wie Microsoft Deutschland und Otto eine gendersensible Sprache zum Thema ihrer externen Kommunikation gemacht haben, halten sich die Unternehmen aus Dax und MDax hier zurück. Die Verwendung von Genderstern oder Doppelpunkt beispielsweise in Pressemitteilungen scheinen auch die sieben Dax- und MDax-Unternehmen zu vermeiden, die angeben, eines von beiden zu nutzen. Sie weichen offenbar auf weniger sichtbare Formen aus.

Bei der Beurteilung ist zu beachten, dass von den 30 Dax-Konzernen zwölf nicht auf die Umfrage antworteten. Von den 50 MDax-Unternehmen reagierten lediglich 13 von 50 Unternehmen. 

 
 


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