Die Unternehmenskommunikation von Yello sieht sich heute häufiger als Beraterin und Kommunikationsbeschleunigerin. (c) Getty Images/Paul Bradbury
Die Unternehmenskommunikation von Yello sieht sich heute häufiger als Beraterin und Kommunikationsbeschleunigerin. (c) Getty Images/Paul Bradbury
Agilität in der Kommunikation von Yello

Vom Begleiter zum Wegbereiter

Agiles Arbeiten – das klingt nach Start-up und Digitalschmiede. Doch auch etablierte Unternehmen entwickeln klassische Strukturen weiter. Für die Unternehmenskommunikation des Energieanbieters Yello bedeutete das: ein Stück der Kommunikationshoheit abzugeben. Wie es gelang, erklärt Kommunikationsmanagerin Daniela Leitinger.
Daniela Leitinger

Wir bei Yello hatten viele Gründe, uns für mehr Agilität in der Zusammenarbeit zu entscheiden. In einem immer komplexer und dynamischer werdenden Markt waren wir mit unserer klassischen Arbeitsweise zunehmend an Grenzen gestoßen. Denn auch wir als Unternehmen haben uns weiterentwickelt – vom reinen Stromlieferanten zum Anbieter digitaler Services und energienaher Dienstleistungen. In unserer Branche gibt es zahlreiche neue Wettbewerber – der Wechsel zu einem anderen Anbieter ist mit nur wenigen Klicks vollzogen. Auf diese Veränderungen mussten wir uns einstellen.

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Den Wandel kommunikativ begleiten

Seit 2016 organisieren wir uns nach agilen Prinzipien und arbeiten weitgehend in interdisziplinären Teams. Für uns als Kommunikationsabteilung brachte das eine anspruchsvolle Doppelrolle mit sich.

Zum einen galt es – wie bei jeder Veränderung in der Organisation –, die Einführung des neuen Zusammenarbeitsmodells kommunikativ zu begleiten: Welche Vorteile bringt die neue Arbeitsweise mit sich? Welche Methoden gibt es? Was verändert sich für mich persönlich?

In dieser Phase gehörte es zu unseren Hauptaufgaben, über Kanäle wie zum Beispiel Info-Mails, Mitarbeiter-Jours fixes oder lockere Austauschformate offene Fragen und Hinweise zu sammeln, die Ängste und Vorbehalte der Kollegen aufzufangen und sie zum Mitmachen zu motivieren.

Zum anderen galt es, durch unseren eigenen Wandel auch Wegbereiter zu sein.

Mehr Transparenz, mehr Austausch

Unsere Ausgangsfrage lautete: Wie wollen wir in der internen Kommunikation künftig miteinander arbeiten?

Für unsere Zusammenarbeit haben wir uns für ein Kanban-Board entschieden. Wir treffen uns jeden Montag, tauschen uns aus über Projekte und Themen, an denen wir gerade arbeiten, besprechen, wo es hakt und wer unterstützen kann. Dabei sorgen wir für Transparenz: Jeder Kollege kann vor Ort einsehen, womit wir uns aktuell beschäftigen.

Gab früher das Management die Themen vor, gestalten wir die Kommunikation heute viel eigenverantwortlicher und beziehen noch stärker unsere Kollegen ein. So entwickeln wir Veranstaltungen wie beispielweise Mitarbeiter-Jours fixes kontinuierlich weiter, indem wir direkt vor Ort nach Feedback fragen. Denn solche Formate bieten nur dann einen wirklichen Mehrwert für die „Yellos“, wenn wir sie in die Gestaltung miteinbeziehen und Feedback bestmöglich umsetzen.

Mut zur offenen Kommunikation

Wir und die Teams berichten heute nicht mehr nur über abgeschlossene Projekte, sondern liefern Informationen lieber zeitnah und kontinuierlich. Das bedeutet auch, dass wir über Zwischenstände und Erfolge, aber auch über Stolpersteine informieren.

Das bedeutet allerdings, dass wir uns viel stärker als bisher mit den einzelnen Teams vernetzen müssen. Dabei stellen wir oft fest, dass wir auf manche Themen zu spät aufmerksam werden oder Informationen sich innerhalb kürzester Zeit überholt haben. Die perfekte Lösung dafür haben wir noch nicht, aber wir arbeiten daran!

Durch unseren neuen Kommunikationsstil gibt es heute deutlich mehr Themen, mit denen wir zum Beispiel unseren monatlichen internen Newsletter befüllen können. Doch ist ein Newsletter überhaupt noch das richtige Medium für ein agiles Unternehmen, in dem sich in kurzer Zeit sehr viel verändert?

Wir testen also neue Tools wie Slack als Collaboration-Tool oder Yammer als firmeninternes soziales Netzwerk, da auch die Teams von sich aus immer mehr über Messenger kommunizieren. So können sich die „Yellos“ schneller und direkter miteinander austauschen. Zu unserer Test-and-Learn-Kultur gehört daher auch, als Kommunikationsabteilung bewährte Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren.

Ein Stück Kommunikationshoheit abgeben

Wir bieten den Kollegen persönliche Austauschformate aller Art und motivieren sie zur eigenständigen Kommunikation – sowohl als Markenbotschafter auf Tagungen und Kongressen, aber auch intern, indem sie selbstständig über Neuigkeiten aus ihren Teams berichten. Dadurch haben die „Yellos“ mehr Eigenverantwortung hinzugewonnen – und wir ein Stück Kommunikationshoheit abgegeben.

Aber wer sagt eigentlich, dass wir immer alles als Erste erfahren und berichten müssen? Wir sehen unsere Rolle viel stärker darin, klar zu definieren, was auf welchem Kanal zu finden ist, Orientierung bei strategischen Unternehmensthemen zu geben und Kommunikationsbeschleuniger zu sein. Dabei gehen wir vor wie alle Teams bei Yello: Wir hinterfragen unsere Prozesse, sind lernbereit und offen für Kritik.

 

 
 

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