Geschafft! Sie erholen sich von ihren Präsentationen in zwei Kategorien: Roland Mäusl, Stephanie Ogulin, Franziska Stich und Thomas Bauer (v.l.) (c) Julia Nimke
Geschafft! Sie erholen sich von ihren Präsentationen in zwei Kategorien: Roland Mäusl, Stephanie Ogulin, Franziska Stich und Thomas Bauer (v.l.) (c) Julia Nimke
dpok-Interview

"Wir sind Pioniere!"

"Wie soll man das alles in acht Minuten unterbringen?" Diese Frage beschäftigte Stephanie Ogulin, Head of Account & Project Management bei der Wiener Agentur ambuzzador, vor ihrem dpok-Pitch besonders. Ihr zweifach nominiertes Projekt ist die die Kommunikation des Shut Downs einer Erdölraffinerie.
Anne Hünninghaus

Im Herbst 2014 fand in der OMV Raffinerie Burghausen ein sogenannter Shut Down statt, eine routinemäßige Generalinspektion durch den Tüv Süd. Ein Großprojekt, dass Transparenz erfordert, um möglichen Unsicherheiten, Ängsten und Gerüchten vorzubeugen. Zusammen mit der Wiener Agentur ambuzzador und 360°communications hat die OMV-Unternehmenskommunikation einen multimedialen Newsroom für lokale Stakeholder entwickelt und in ein ganzheitliches Kommunikationskonzept eingebettet. Nun hofft das Team gleich in zwei Kategorien auf den Deutschen Preis für Onlinekommunikation.

Kurz vor dem zweiten Pitch haben wir mit Stephanie Ogulin von ambuzzador gesprochen.

Frau Ogulin, Ihr Projekt ist gleich zweifach nominiert. In der Kategorie Krisenkommunikation und Issues Management haben Sie bereits präsentiert, gleich beginnt der Pitch für die Online-Strategie des Jahres. Können Sie schon durchatmen?

Stephanie Ogulin: Ja, schon – immerhin ist es heute Morgen ganz gut gelaufen. Da wir Setting und Jury jetzt besser kennen, sind wir in Hinblick auf die zweite Runde etwas entspannter.

Um welches Projekt geht es denn?

Ein Shut Down ist ein ganz normales Vorhaben, eine Raffinerie muss von Zeit zu Zeit überprüft werden, so wie man ein Auto zum Tüv bringt – nur in wesentlich größerem Rahmen. Den stockenden Betrieb, den Lärm et cetera muss man transparent machen. Wir haben aus dem letzten Shut Down 2007 gelernt, aktiv zu kommunizieren, dass wir Stakeholder abholen und ihnen die Sicherheit geben müssen, als Partner in der Region für sie da zu sein. Wir haben das im vergangenen Jahr gut gemeistert, vor allem, weil alle Beteiligten immer Ruhe bewahrt haben.

In beiden Kategorien gibt es vier Mitbewerber. Bestimmt haben Sie im Vorhinein schon einen Blick auf die Konkurrenz geworfen …

Wir sind sehr stolz, dass wir nominiert wurden, es sind viele tolle Unternehmen dabei, die auch schon Award-Erfahrung haben. Für uns ist es das erste Mal und eine riesige Ehre. Ich kann aber überhaupt nicht einschätzen, wie die Jury ihren jeweiligen Schwerpunkt setzt und wer das Rennen machen wird. Gut gefallen hat mir zum Beispiel auch die Krisenkommunikation von Ritter Sport.

Wie haben Sie sich auf die Präsentationen heute vorbereitet?

Hauptsächlich online. Dadurch, dass unser Kunde in München sitzt und wir in Wien, stimmen wir uns über ein Online-Kommunikationstool ab. Als wir gehört haben, dass wir nominiert sind, haben wir gejubelt – und sind dann sofort in die Vorbereitung gegangen, haben aufgeteilt, wer welchen Part übernimmt. Wir tragen zu viert vor, Unternehmen und Agentur zusammen. Heute Morgen beim Frühstück haben wir die Präsentation zweimal durchgespielt: Wer spricht wann, wie spielen wir uns die Bälle zu? Vor allem haben wir uns aber gefragt: Wie sollen wir alle Inhalte in nur acht Minuten unterbringen?

Dann gab es für Sie heute ein frühes Erwachen?

Aufgestanden bin ich um 7.18 Uhr. Gestern Abend haben wir aber zusammen Berlin genossen und am Gendarmenmarkt eine Pizza gegessen. Dabei haben wir beobachtet, ob an den Nachbartischen möglicherweise auch Leute sitzen, die heute präsentieren ...

 

... nach der zweiten Präsentation, eine Stunde später, stoßen auch Thomas Bauer, Leiter Kommunikation bei OMV, Roland Mäusl, Geschäftsführer von 360°communications und Franziska Stich, Head of Campaign Management bei ambuzzador dazu. Sie haben gemeinsam mit Stephanie Ogulin präsentiert.

 

Wie ist es gelaufen?

Stephanie Ogulin: Sehr gut!

Thomas Bauer: Wir sind natürlich davon überzeugt, dass es top gelaufen ist.

Roland Mäusl: Im Vergleich zu heute morgen haben wir auch nochmal Feintuning betrieben und unser Timing optimieren können.

Konnten Sie aus den Gesichtern der Jurymitglieder etwas ablesen, oder hatten alle ein Pokerface?

Bauer: Teils teils. Wir haben insgesamt offene Blicke und freundliche Worte bekommen, aber das heißt natürlich noch nichts ...

Mäusl: Die bekommen ja auch den ganzen Tag tolle Präsentationen zu sehen, da ist bestimmt keine schlechte dabei. Entsprechend sind wir ein bisschen abgeklärt.

Was ist Ihr  Hauptargument dafür, dass Sie den Preis verdient haben?

Mäusl: Dass wir unter dem permanenten Druck einer möglichen Krise ein nachhaltiges Konzept entwickelt haben – und das mit einem kleinen Budget.

Bauer: Ich denke, wir haben einen Benchmark für die Industrie gesetzt.

Ogulin: Das finde ich auch, so ein Projekt hat es noch nie gegeben, das war eine Pionierleistung.

Sollten Sie einen Preis – oder beide – gewinnen, teilen sich Agentur und Unternehmen dann die Lorbeeren?

Bauer: Ganz einfach: Das war von Anfang an eine Teamleistung und die bleibt es auch. Der Preis würde dann natürlich ein Wanderpokal. Das Ganze ist ja auch keine Einzelveranstaltung, wir arbeiten als Team schließlich dauerhaft zusammen.

Wie verbringen Sie jetzt noch die Zeit bis zur Gala?

Franziska Stich: Wir werden uns noch ein bisschen mehr von Berlin anschauen – und dann müssen wir uns natürlich noch schön machen für heute Abend.

Bauer: Ich mach’s ganz einfach und entspanne mich.

Welche Trends im Bereich Krisenkommunikation und Strategie lassen sich von den Nominierungen ablesen?

Ogulin: Kommunikation und Strategie werden inzwischen ganzheitlicher gedacht. Sie sind vielfältiger, es geht nicht mehr darum, welcher Kanal einen anderen sticht, sondern mehr um eine 360-Grad-Ausrichtung. Und es gibt einen stärkeren Fokus auf die Dialoggruppe.

Mäusl: Die Präsentationen heute sind allerdings schwer vergleichbar. Sie sind alle in sich gut und stimmig, aber die Settings, die Aufgabenstellungen sind so unterschiedlich – das macht es für die Jury sicher nicht leicht.

 
 

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