Andreas Winiarski, Global Head of Public Relations bei Rocket Internet, über sein geplantes PR-Kompetenzzentrum für den Nachwuchs (c) Julia Nimke
Andreas Winiarski, Global Head of Public Relations bei Rocket Internet, über sein geplantes PR-Kompetenzzentrum für den Nachwuchs (c) Julia Nimke

„Wir brauchen PR-Rockstars“

Andreas Winiarski, Global Head of Public Relations bei Rocket Internet, über sein geplantes PR-Kompetenzzentrum für den Nachwuchs – und warum Kästchendenken à la Agentur in der Start-up-Kommunikation fehl am Platz ist.
Felicitas Ernst

Herr Winiarski, Der Inkubator Rocket Internet arbeitet an einem PR-Kompetenzzentrum für Start-ups. Was hat es damit auf sich?
Andreas Winiarski: Wir gehen davon aus, dass Kommunikation für den Start-up-Bereich eine immer größere Rolle spielen wird. Deshalb wollen wir die 50 PR-Kräfte, die wir  allein hier in Berlin haben, mehr und mehr schulen. Denn wir haben festgestellt, dass wir für unsere Bedürfnisse beispielsweise bei Agenturen nur wenige passende Leute abwerben können und auch Hochschulabsolventen nicht immer das richtige Skillset mitbringen. Kästchendenken à la Agentur ist bei uns fehl am Platz. Wir brauchen kommunikative Allrounder oder wie wir es nennen: PR-Rockstars.

Und das heißt?
In einem Start-up gibt es anfangs ein oder zwei Personen, die sich um sämtliche Kommunika­tionsmaßnahmen kümmern: von Media Relations über Marketing, Social Media bis hin zum eigenen Online-Magazin. Dementsprechend braucht es ein ganz anderes Ownership, ein punktuelles Helfen. Start-up-Kommunikation ist bereichsübergreifend und man ist wirklich für die gesamte Kommunikation des Unternehmens verantwortlich. Also das, wofür die Kollegen in der „old economy“ kämpfen, nämlich Konsistenz über alle Kanäle hinweg. Aber  wie wir alle wissen: Wenn es an die Marketing-Kommunikation geht, macht der Marketing-Vorstand doch, was er möchte. Marketing und PR sind nicht wirklich verzahnt. In der Start-up-Kommunikation ist das allerdings so – aufgrund der Budget- und Zeitrestriktionen.

Also integrierte Kommunikation total.
Ganz genau. Beste Voraussetzung für Kommunikatoren, die für ihre Sache brennen und gestalten wollen ohne täglichen Abstimmungsmarathon.

Zurück zum Kompetenzzentrum. Sie bilden also die Leute, die Sie bereits haben, weiter?
Ja, wir institutionalisieren eine Weiterbildungsakademie, wo man sich ein- bis zweimal im Monat mit Leuten innerhalb und außerhalb der Branche zusammensetzt.

Ein Beispiel, bitte.
Wir waren kürzlich bei KircherBurkhardt, für mich die mit Abstand beste Content-Agentur in Deutschland. Hier hat uns Lukas Kircher erzählt, wie er Content-Marketing versteht. Im Januar waren wir beim Interview-Magazin, weil uns als weltweit führendem Online-Fa­shion-Händler der gesamte Life-Style-Appeal sehr wichtig ist.

Was gibt es noch?
Wir haben virtuelle Lern-Tools, über die wir Wissen teilen. Rocket ist immerhin in über 50 Märkten rund um den Globus aktiv. Es ist mit das Wichtigste unserer Kultur, Learnings aus den verschiedensten Märkten zu teilen. Damit beugen wir dem Brain Drain vor, schließlich haben wir eine hohe Fluktuationsrate, viele Leute von uns gehen in neue Ventures. Der Mehrwert besteht im Zusammenbringen von Menschen. Dadurch können sich die Einzelnen über ihre rasanten Learnings austauschen. Kompetenzzentrum meint also nichts Statisches. Es ist kein Ort, den wir für viel Geld bauen. Wir investieren lieber in die Köpfe.

Das heißt, Sie suchen keine Trainees, die sich auf ein Programm bewerben können.
Na ja, auf der Suche sind wir immer! Allein jetzt halte ich nach fünf PR-Chefs und sechs festangestellten jungen PR-Leuten Ausschau. Aber das sind Menschen, die ich für ein Unternehmen suche, nicht für irgendein Programm.

Unter „Kompetenzzentrum“ hätte man sich klassischerweise etwas anderes vorgestellt.
Ja, in einem Großunternehmen hätte man für so etwas ein Logo entworfen und einen Raum geblockt. Das, was aber wirklich relevant ist, sind die Prozesse, die dahinterstehen, und vor allem die Menschen. Wir setzen nicht auf Erfahrung, wir setzen auf Intelligenz. Und wenn Mitarbeiter beweisen, dass sie intelligent sind, dass sie den Willen haben, Sachen zu bewegen, dann müssen sie sofort an die entscheidenden Stellen. Wir halten den Nachwuchs nicht jahrelang hin.

Sie schauen also nicht so sehr darauf, was auf dem Papier steht, sondern was jemand kann.
Richtig. Wir stellen Menschen ein, keine Abschlüsse.  

 

 
Andreas Winiarski, Global Head of Public Relations beo Rocket Internet (c) Julia Nimke
Andreas Winiarski
Rocket Internet
Global Head of Public Relations

Andreas Winiarski ist seit 2012 Global Head of Public Relations bei Rocket Internet. Zuvor war er bei Axel Springer in der Unternehmenskommunikation und für die „Bild“-Chefredaktion tätig.

 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Der BdP veröffentlicht einen Leitfaden zur tariflichen Einordnung von Kommunikatoren im öffentlichen Dienst. (c) Getty Images / sunnychicka
Foto: Getty Images / sunnychicka
Meldung

BdP veröffentlicht Leitfaden zur PR-Bezahlung

Die Anforderungen an Kommunikatoren im öffentlichen Dienst wachsen – die tarifliche Eingruppierungspraxis bildet die Vielfalt an Aufgaben jedoch nur unzureichend ab. Der BdP reagiert nun auf diesen Umstand und veröffentlicht einen Leitfaden zur tariflichen Eingruppierung von Kommunikatoren. »weiterlesen
 
So werden Bilanzpressekonferenzen zum Event. (c) Getty Images / Andrii Atanov
Foto: Getty Images / Andrii Atanov
Gastbeitrag

Geschäftszahlen mit Pep

Bilanzpressekonferenzen waren für Unternehmen lange Zeit Pflichtveranstaltungen – und eine sichere Sache. Die wichtigsten Journalisten kamen jedes Jahr. Das hat sich geändert. Wie Bilanz-PKs zu einem Event werden, zeigen Otto und Bosch. »weiterlesen
 
Der FC Bayern recycelt in ihrer Pressemitteilung zur Entlassung von Niko Kovač eine Floskel. (c) Getty Images / ah_fotobox
Foto: Getty Images / ah_fotobox
Meldung

Peinliche PR-Panne beim FC Bayern München

Die Entlassung von Trainer Nico Kovač 2019 wird vom FC Bayern mit den gleichen Worten kommentiert wie die Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti 2017. »weiterlesen
 
Ein Filmverleih nimmt Einfluss auf die Pressefreiheit./ Freie Presse: (c) Getty Images/ spukkato
Pressefreiheit. Foto: (c) Getty Images/ spukkato
Meldung

Little Dream Entertainment gegen die freie Presse

Der Filmverleih Little Dream Entertainment schließt eine Journalistin von Pressevorführungen aus. Ihm passen ihre Berichte nicht. »weiterlesen
 
Hans-Christian Strach, Ex-FPÖ-Chef, ist auf der Suche nach einem Job. / Symbolbild: (c) Getty Images/Marcus Millo
Foto: Getty Images/Marcus Millo
Meldung

Ex-FPÖ-Chef Hans-Christian Strache wird PR-Berater

Wird Hans-Christian Strache PR-Berater? Der Ex-FPÖ-Chef und Ex-Vizekanzler Österreichs ist auf der Suche nach einem neuen Job. »weiterlesen
 
Das sind die wichtigsten Krisenauslöser in der PR. (c) Getty Images / RomoloTavani
Foto: Getty Images / RomoloTavani
Meldung

Die gefährlichsten PR-Krisenauslöser

Das Vertuschen von Fehlern ist laut einer aktuellen Umfrage der häufigste Auslöser von Kommunikationskrisen. »weiterlesen