Employer branding: Wir brauchen Jobtitel, die begeistern (c) Getty Images/iStockphoto/kowalska-art
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Storytelling im Employer Branding

Wir brauchen Jobtitel, die begeistern

Storytelling fängt beim Jobtitel an, findet Kommentator Jan C. Weilbacher. Und fordert mehr Bedeutung für Stellenprofile.
Jan C. Weilbacher

Sicherlich gehen Sie auch ab und an mal die Stellenbörsen durch, schauen, was es so im Angebot gibt, oder? Klar, wir suchen alle keinen neuen Job, also nicht explizit. Aber man ist halt neugierig, was es so gäbe, falls man sich doch eines Tages zu einem Wechsel entschließen sollte. Schaut man sich allerdings im Kommunikationsbereich um, scheint es insgesamt nur eine Handvoll unterschiedliche Stellen zu geben – zumindest wenn man nach den Jobtiteln geht. Eigentlich sind es nur drei: PR Manager, Pressereferent und Pressesprecher. Die richtig exzentrischen Unternehmen schreiben auch schon mal PR-Referent oder Manager PR. Okay, ich übertreibe etwas. Diese drei machen jedoch meiner Beobachtung nach den Großteil der Jobs in den Stellenbörsen aus. Ich bin jetzt kein Experte für den Arbeitsmarkt bei den Kommunikationsmenschen, aber spannend und kreativ klingen die Titel nicht. Sollte ein Stellenangebot nicht auch neugierig machen und die Neugierde gleich durch den Jobtitel geweckt werden?
Warum muss es eigentlich so häufig die Bezeichnung „Referent“ oder „PR-Manager“ sein? Im Personalbereich sind die Referenten ja gang und gäbe. Gut, ist halt Human Resources. Aber auch im Kommunikationsbereich wimmelt es von Referenten. Intern kann man diese Bezeichnung von mir aus benutzen, aber begeistere ich nach außen so junge Menschen, die bei der Jobwahl vor allem den Wunsch nach Sinnstiftung haben? Die etwas Großes erreichen und sich mit ihrem Beruf identifizieren wollen?
Ein Referent in der privaten Wirtschaft ist laut Wikipedia „eine Bezeichnung für einen höheren Sachbearbeiter, meist mit absolviertem Studium“. Das klingt nach administrativer Tätigkeit und bloß nicht über den Tellerrand schauen. Null Individualität – Referenten gibt es viele. Storytelling fängt aber beim Jobtitel an. Allein wenn der Titel lauten würde „PR Manager mit Empathie“ oder „Presse­referent mit Affinität zu Zahlen“ würde man sich von der grauen Masse absetzen.
Gerade im Kommunikationsbereich, wo so viele sprachbegabte Menschen arbeiten, könnte man doch denken, werden Kandidaten gelockt und umworben – mit kreativen Texten und einer interessanten Geschichte. Sowohl die Jobtitel als auch der gesamte Text der meisten Anzeigen sehen leider nicht danach aus. Das klingt alles so austauschbar, da kommt keinerlei Begeisterung auf. Ein paar Spiegelstriche unter Aufgaben: Verantworten von PR-Projekten, Verfassen von Pressetexten, Kontaktpflege zu Journalisten, irgendwas mit Social Media. Und ein paar Spiegel­striche unter Anforderungen: Sprachkompetenz, Berufserfahrung im Kommunikationsbereich, flexibel, hohes Maß an Eigeninitiative. Fertig ist die Stellenanzeige. Ich möchte, dass der Arbeitgeber wirklich erlebbar wird und ich als Individuum angesprochen werde. Ich möchte ernstgenommen und unterhalten werden. Und ich will mich nicht mit standardisierten Textbausteinen abspeisen lassen.  
Wo ist die Fantasie? Wir alle wollen doch etwas Besonderes machen, was Bedeutendes. Die meisten Stellenprofile lesen sich so uninspiriert, als ginge es nicht darum, Individuen mit Persönlichkeit einzustellen, sondern das Organigramm hinten links einfach aufzufüllen. Dabei sollte doch klar sein: Jeder Mitarbeiter, der neu dazukommt, trägt das Potenzial in sich, mit seinen Ideen das Unternehmen erfolgreich zu machen. Die meisten Kandidaten haben zumindest diesen ­Anspruch. Begeistern Sie sie.

 
 

Kommentare

Noch vor 6 Jahren war der Tenor ganz anders: Da schrie man förmlich nach einer Vereinheitlichung von Jobtiteln. Nicht, weil man der Monotonie entgegenstreben wollte. Sondern weil man auf Jobbörsen gefunden werden wollte! Denn stelle sich mal einer den jungen Absolventen der - beispielsweise - Medienwissenschaften vor, Schwerpunkt "irgendwie Kommunikation". Nach was sollte er damals suchen? Damals ging die Spanne von "Kommunikation" oder "Communication(s)", "Öffentlichkeitsarbeit" über "Public Relations" bis hin zu "Referent für X/Y". Durchschnittlich etwa 5 Stichworte musste man absuchen, um überhaupt einen Überblick zu bekommen, welche Stellen auf dem Markt eigentlich verfügbar waren. Natürlich sind die Job-Titel nicht kreativ geworden. Aber auffindbar. Und wenn man sich betrachtet, wer überhaupt für die Stellenausschreibungen zuständig ist, braucht man doch auch nicht lange nach einer Antwort auf die Frage suchen, warum diese Ausschreibungen so langweilig sind. Aber seien wir doch auch ehrlich: Ein toller Job-Titel ist zwar ganz nett - aber wenn die Aufgaben nachher nicht die Erwartungen erfüllen, die der Titel in uns geweckt hat - dann brauche ich auch keinen tollen Job-Titel mehr.


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