Industrie 4.0 bringt Mensch und Maschine zusammen. Für die Kommunikation heißt das: Sie muss den Menschen mitnehmen. (c) SmartFactoryKL/ C. Arnoldi
Industrie 4.0 bringt Mensch und Maschine zusammen. Für die Kommunikation heißt das: Sie muss den Menschen mitnehmen. (c) SmartFactoryKL/ C. Arnoldi
Digitale Transformation

Wie wir Industrie 4.0 kommunizieren sollten

Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz werden einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel mit sich bringen. Wie muss die Kommunikation darüber aussehen? Haike Frank von der Technologie-Initiative Smartfactory Kaiserslautern plädiert für eine verantwortungsvolle Strategie.
Haike Frank

Aus Sicht der Industrie gibt es derzeit kaum ein Thema, das so breit über alle Branchen hinweg im Fokus steht wie „Industrie 4.0“. Die vierte industrielle Revolution bezeichnet aus technischer Sicht die Vernetzung aller Daten zugunsten einer modularen, flexiblen Produktion. Sie ermöglicht, dass Produkte individuell konfiguriert, per Mausklick bestellt und durch die Herstellung vor Ort zügig geliefert werden können.

Doch Industrie 4.0 ist auch zu einem Modewort avanciert. Es wird häufig als Synonym für „technisch innovativ“ eingesetzt. Über 40 Millionen Treffer erhält der Suchbegriff aktuell bei Google. Das Suffix „4.0“ wurde inzwischen zum Selbstläufer und steht für „modern, innovativ, zukunftsweisend“ – denken wir nur an Begriffe wie Arbeit 4.0 oder Mobilität 4.0.

Relevanz schaffen in der Kommunikation

Es ist für jeden Akteur eine große Herausforderung, in diesem Informationsdschungel nicht nur wahrgenommen zu werden, sondern auch Relevanz zu erzeugen. Aus Sicht der Smartfactory Kaiserslautern, einer Plattform, die Unternehmen und Forschung in einem Netzwerk zu Industrie 4.0 zusammenbringt, bedeutet das: Die Kommunikation ist dann relevant, wenn sie die Fortschritte und Potenziale von Industrie 4.0 verdeutlicht, und dies nicht nur auf technischer Ebene. Besonders auch die gesellschaftliche Dimension sollte stets berücksichtigt werden. Denn nur wenn wir die Menschen bei diesem großen Thema mitnehmen, haben wir Chance auf Erfolg.

Deshalb lautet unser strategischer Ansatz: Die Eigenschaften, die Industrie 4.0 erfolgreich machen, sind für die Kommunikation darüber ebenso relevant. Erfolgreiche Industrie 4.0-Kommunikation ist daher für uns: 

1. herstellerübergreifend
Industrie 4.0 gelingt nur in der Zusammenarbeit von Industrie und Forschung – über Unternehmens- und Institutsgrenzen hinweg. Hier kommt der Kommunikation eine Rolle als Vermittler und Moderator zu; sie wird somit zum Treiber der Vision.

2. auf Augenhöhe
Industrie 4.0 gelingt nur im Dialog. Da Industrie 4.0 alle Player von Politik über Industrie und Wissenschaft bis hin zur Gesellschaft betrifft, ist Dialog-Kommunikation ein wesentlicher Treiber von Bekanntheit und Akzeptanz der Vision.

3. am Puls der Zeit
Industrie 4.0 gelingt, wenn angewandte Forschung und Unternehmen die aktuellen Fragen der Industrie gemeinsam lösen. Durch aktuelle Kommunikation profitiert die Wirtschaft schnell und unmittelbar von den neuen Erkenntnissen.

4. visionär
Industrie 4.0 gelingt, wenn wir die Fragen von morgen heute andenken. Industrie 4.0 als Vision muss es gelingen, neue technische Entwicklungen mit Markttrends zusammenzubringen. Dazu gehört auch, alle Möglichkeiten der digitalen, vernetzen Kommunikation zu nutzen. Form und Inhalt der Kommunikation sollten beide gleichermaßen „modern“ sein.

5. kritisch
Industrie 4.0 gelingt, wenn wir uns Fehlern und Ängsten offen stellen. Es gilt, im Netzwerk gemeinsam an Fehlern zu wachsen und durch permanentes Lernen weiterzukommen. Ängste in der Gesellschaft müssen offen adressiert und diskutiert werden.

6. menschenzentriert
Industrie 4.0 gelingt, wenn sie die Menschen mitnimmt. Eine menschenleere Fabrik wird es nicht geben – auch in Zukunft werden menschliche und künstliche Intelligenz nur gemeinsam erfolgreich sein. Diesen Aspekt gilt es, in der Kommunikation rund um Industrie 4.0 klar herauszuarbeiten.

7. international
Industrie 4.0 gelingt, wenn wir die Erkenntnisse aus Deutschland in die Welt tragen. In unserer globalisierten Welt hat unsere Kommunikation die Chance, die Stärken unseres Landes international zu vermitteln und Brücken zur Zusammenarbeit zu bauen. Gleichzeitig können wir auch so von den Stärken anderer, zum Beispiel aus Silicon Valley, lernen.

Die Ängste ernst nehmen

Vor allem der kritische und der menschenzentrierte Aspekt haben sich in unserer Arbeit als wichtig erwiesen. Kommunikation zu Industrie 4.0 wird besonders dann von den Adressaten ernst genommen, wenn sie offen bereits gemachte Rückschläge aufzeigt.

Ein Beispiel dafür ist die computerbasierte Automatisierung (Computer-integrated Manufacturing „CIM“), die ihren Beginn in den 1980er-Jahren nahm. Einer der großen Irrtümer dieser Zeit war es, die menschenleere Fabrik zu propagieren. Weder technisch noch gesellschaftlich ist dies eingetreten. Es gehört nun zu unserer Verantwortung, diese Entwicklungen zu erklären und gleichzeitig die Ängste der Menschen vor zunehmender Technisierung ernst zu nehmen und offen anzusprechen – und das auf verschiedenen Kanälen.

In einem Streitgespräch, das von den Veranstaltern der Industriemesse Hannover Messe live auf Facebook übertragen wurde, haben wir uns der Kritik gestellt. Es diskutierten Professor Detlef Zühlke, Initiator und Vorstandsvorsitzender der Smartfactory Kaiserslautern, und Professor Andreas Syska, ein Industrie 4.0-Kritiker, darüber, ob Industrie 4.0 der Weg in eine vielversprechende Zukunft oder doch nur aktionistischer Hype sei. Dabei nahmen sie auch Bezug auf die Fehler, die im Rahmen der computerbasierten Automatisierung gemacht wurden, und worauf es bei Industrie 4.0 heute ankommt.  

Künftig werden wir auch die persönlichen Geschichten von Menschen erzählen, deren Arbeitsalltag sich durch Augmented Reality, Machine Learning und künstliche Intelligenz verändern wird. Denn Industrie 4.0 verfolgt den Ansatz, dass der Mensch in der intelligenten Fabrik der Zukunft einen festen Arbeitsplatz haben wird. Dies wird eine höhere Qualifikation erfordern – sowohl von der heute schon berufstätigen Bevölkerung als auch von heranwachsenden Generationen. Diese Geschichten gilt es zu erzählen, um sowohl Emotionen und Identifikation zu erzeugen, aber auch fachliche Inhalte rund um den Themenkomplex „Mensch und Technik“ zu transportieren.

Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz haben eine unaufhaltsame Entwicklung in Gang getreten, die einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel mit sich bringen wird. Es ist unsere Aufgabe als Kommunikatoren von Industrie 4.0, diese Entwicklung verantwortungsvoll zu begleiten.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Daniel Klose und Ilka Klingenberg von der Agentur La Red. (c) Laurin Schmid / Quadriga Media
Foto: Laurin Schmid / Quadriga Media
Lesezeit 2 Min.
Interview

„Sag’s mir ins Gesicht“: Wenn der Wutbürger anruft

Für ihre Kampagne „Sag’s mir ins Gesicht“ gewannen ARD-Aktuell und die Agentur La Red den Branchen-dpok 2018 in der Kategorie „Unterhaltung und Kultur“. »weiterlesen
 
Nicht nur die Erstellung von Inhalten sollte strategisch ausgerichtet sein, sondern auch deren Verteilung. (c) Getty Images/Tiden
Foto: Getty Images/Tiden
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Auf zu neuen Ufern

Häufig liegt der Fokus auf der Erstellung von Inhalten. Dabei gerät die Frage, wie Inhalte strategisch am besten gestreut werden, in den Hintergrund. Gastautor Matthias Weber plädiert für einen neuen Ansatz: Content Dispatching. »weiterlesen
 
Machtspiele haben einen miserablen Ruf. Dabei müssen sie keineswegs immer unmoralisch und böse sein. (c) Getty Images/SvetaZ
Foto: Getty Images/SvetaZ
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Machtspiele erkennen und gewinnen

Wo Macht ist, sind Machtspiele nicht fern. Wie Sie sie erkennen, deuten und gewinnen können.   »weiterlesen
Russland ist das größte Land der Welt, die Medienvielfalt ist allerdings gering. (c) Getty Images/dorian2013
Foto: Getty Images/dorian2013
Gastbeitrag

Public Relations auf Russisch

Die Fußball-Weltmeisterschaft beschert Russland in den kommenden Wochen weltweite Aufmerksamkeit. Zeit, zu schauen, wie Öffentlichkeitsarbeit und Media Relations im flächenmäßig größten Land der Welt funktionieren. Zwei Russland-Experten geben Einblicke und Tipps. »weiterlesen
 
Falsch gesetzt, können Anführungszeichen zu Missverständnissen führen. (c) Getty Images/mattjeacock
Foto: Getty Images/mattjeacock
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Risiko Anführungszeichen

Anführungszeichen, liebevoll auch Gänsefüßchen genannt, sind elementare Satzzeichen. Das heißt aber nicht, dass man ständig von ihnen Gebrauch machen sollte. Zumal sie, falsch gesetzt, für Missverständnisse sorgen können. Unsere Kolumnistin klärt auf. »weiterlesen
 
Foto: Getty Images/estherpoon
Foto: Getty Images/estherpoon
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Olympia, was nun?

Selbst die geschliffene Rhetorik professioneller Menschenfänger vermag nicht mehr zu kaschieren, dass Olympia seiner Leichtigkeit beraubt ist.   »weiterlesen