Wie macht man, trotz stetiger negativer Berichterstattung, PR für den Wolf? (c) NABU/Heiko Anders
Wie macht man, trotz stetiger negativer Berichterstattung, PR für den Wolf? (c) NABU/Heiko Anders
PR für den Wolf

Wie kommuniziert man eigentlich ... den Wolf?

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo in Deutschland schlecht über den Wolf berichtet wird. Trotzdem ist das Tier für Kommunikatoren ein dankbares Thema.
Kathrin Klinkusch

Der Wolf fasziniert und polarisiert. Er weckt Bewunderung und Ängste und ist seit seiner Rückkehr nach Deutschland Anfang der Jahrtausendwende ein Dauerbrenner in den Medien – ob reißerisch vom Boulevard in Szene gesetzt oder mit beeindruckenden Bildstrecken in Special-Interest-Titeln. Die Journalisten kommen von selber; Klinken putzen in den Redaktionen ist nicht nötig. Über kein heimisches Wildtier wird so emotional diskutiert, keines wird politisch so instrumentalisiert.

Aus Naturschutzsicht ist die selbstständige Rückkehr der Wölfe ein großer Erfolg. Galten sie Anfang der Jahrtausendwende noch als Sensation, gibt es mittlerweile in fast allen Bundesländern Wolfsnachweise. Damit werden auch die Stimmen der Gegner lauter. Die einen wollen den Wolf ins Jagdrecht nehmen, andere dessen Abschuss leichter erlauben oder beides.

Für ein Miteinander von Mensch und Wolf

Die Position des NABU ist klar: Es muss darum gehen, das Miteinander von Mensch und Wolf sicherzustellen. Der Wolf steht europaweit unter strengem Schutz. Dafür muss Herdenschutz etabliert werden, das heißt, die Weiden müssen mit entsprechenden Zäunen umgeben werden, Herdenschutzhunde sollten zum Einsatz kommen und bei Übergriffen sollte schnelle finanzielle Hilfe für Weidetierhalter greifen. Die Europäische Union hat den Weg dafür freigemacht: Nicht nur Investitions-, sondern auch Erhaltungs- und indirekte Kosten wie Tierarztkosten können zu 100 Prozent gefördert werden.

Seit 2005 setzt sich der NABU für den Wolf und für ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wildtier ein. Mit seiner Arbeit will der Naturschutzbund einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile, Unwissenheit und Ängste abzubauen, die einer gemeinsamen Zukunft von Mensch und Wolf im Weg stehen. Er begleitet die Rückkehr fachlich in verschiedenen Gremien und im Austausch mit Wissenschaft und Politik. Mit bundesweit 2000 Gruppen und rund 250 ehrenamtlichen Wolfsbotschaftern, die regional und lokal Ansprechpartner sind, ist der NABU direkt vor Ort, geht in Kindergärten und Schulen, engagiert sich in lokalen Ausschüssen und arbeitet mit Weidetierhaltern zusammen.

Dieses starke Engagement erzeugt Gegenwind. Teile der Jagd- und Bauernlobby werfen dem NABU seit der Rückkehr der Tiere vor, mit dem Wolf reines Marketing zu betreiben, das geht bei Wolfsgegnern hin bis zu „Fake news“-Vorwürfen über Internetforen, mit der Behauptung, Wölfe seien vom NABU im Kofferraum aus dem Ausland geholt und in Deutschland ausgesetzt worden. Dagegen hilft nur Aufklärung und Glaubwürdigkeit. Der NABU ist mit über 700.000 Mitgliedern und Förderern Deutschlands mitgliederstärkster Naturschutzverband. Selbstverständlich ist der Schutz von wildlebenden Arten zentral. Gerade die, die keine Lobby haben - neben Wolf auch Kormoran, Rabe, Krähe, Biber und Fischotter - brauchen Unterstützung.

Sorgen und Ängste ernst nehmen

Man könnte sagen, der Wolf hat ein Image-Problem. Wie macht man also trotz stetiger negativer Berichterstattung PR für dieses Tier? Indem man die Sorgen und Ängste ernst nimmt. Bevölkerung und Weidetierhalter müssen das Zusammenleben mit einem Tier, das vor über 150 Jahren vom Menschen ausgerottet wurde und nun zurück ist, erst wieder lernen. Indem man die Faszination, aber auch die Gewöhnlichkeit des Wolfes als Wildtier hervorhebt und Lösungen zeigt.

Das bedeutet jedoch auch, den Abschuss eines Einzeltieres mitzutragen, wenn ein für solche Fälle etablierter und anerkannter Expertenrat zu der Einschätzung kommt.  Beispielsweise, weil die Gefahr für einen Übergriff auf einen Menschen zu groß wäre oder das Tier empfohlene Schutzmaßnahmen bei Weidetieren überwindet. Damit bewegt man sich häufig am Rande der Krisen-PR und muss auch schon mal einen „Shitstorm“ in Kauf nehmen, weil Akteure in den sozialen Netzwerken, Mitglieder und Spender Entscheidungen möglicherweise anders einschätzen.

Ziel ist, die Art dauerhaft zu etablieren

Nach unserer Erfahrung werden Transparenz und Offenheit meist honoriert. Neben aktiver Pressearbeit helfen dabei umfassende FAQs und Community-Management, also den Unterstützerinnen und Unterstützern zu erklären, warum und wieso eine Entscheidung getroffen wurde. Es hilft nicht, für ein einzelnes Tier zu kämpfen, wenn der Rest der Population und dessen Akzeptanz dadurch gefährdet werden. Ziel muss es sein, die Art dauerhaft zu etablieren.

Genauso streitet der NABU heftig und mit aller Konsequenz für den Wolf, wenn ein Tier getötet werden soll, weil Behörden versagt haben, Schutzmaßnahmen nicht ausreichend angewendet wurden oder reines politisches Kalkül eine Rolle spielt. Wir lehnen die Verharmlosung von Wölfen ab, nutzen in unseren Printprodukten nur Bilder heimischer Tiere und setzen hierbei eben nicht auf übermäßig viele Welpenbilder. So bleibt der NABU als Verband glaubwürdig. Das ist das Fundament für eine erfolgreiche „Wolfs-PR“. 

Eine gute Gelegenheit dazu bietet jedes Jahr der 30. April, den der NABU zum „Tag des Wolfes“ ausgerufen hat. An diesem Datum endet aus wissenschaftlicher Sicht das Wolfsjahr. Im Mai wird der Wolfsnachwuchs geboren, es beginnt das neue „Monitoring-Jahr“, mit dem wissenschaftlich dokumentiert wird, wo und wie viele Tiere aktuell in Deutschland leben. Bundesweit bieten NABU-Aktive an diesem Tag Veranstaltungen rund um den Wolf an und informieren vielseitig über das Wildtier. Denn die beste PR für den Wolf ist ein Einblick in seine Lebens- und Verhaltensweise.


Vorurteile, Unwissenheit und Ängste in Bezug auf den Wolf abzubauen, ist auch das Ziel des Bildbandes „Das Leben unserer Wölfe“, der aus einer Kooperation des NABU mit dem Naturfotografen Heiko Anders und dem Haupt Verlag entstanden ist. Er gibt einen exklusiven Einblick in das Familienleben der Wölfe und zeigt faszinierende Aufnahmen der „wilden Heimkehrer“. 

 
 


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