Mathias Aßmann verantwortet bei den Niedersächsischen Landesforsten unter anderem den Bereich Kommunikation. (c) Getty Images, Robin Wiedemann/EyeEm / Niedersächsische Landesforsten
Mathias Aßmann verantwortet bei den Niedersächsischen Landesforsten unter anderem den Bereich Kommunikation. (c) Getty Images, Robin Wiedemann/EyeEm / Niedersächsische Landesforsten
Kommunikation in der Forstwirtschaft

Wie kommuniziert man eigentlich ... den Wald?

Mit Mathias Aßmann, dem Unternehmenssprecher der Niedersächsischen Landesforsten, sprachen wir unter anderem über Herausforderungen der Forst-Kommunikation, Irrtümer und Vorurteile, die ihm im Rahmen seiner Arbeit begegnen, und über die Bedeutung der sozialen Medien in seinem Beruf.  
Katrina Geske

Herr Aßmann, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Mathias Aßmann: Bei uns ist das üblich: Von Haus aus bin ich Förster. Ich habe Forstwissenschaften studiert, im Anschluss das Referendariat gemacht und wurde anschließend bei den Niedersächsischen Landesforsten angestellt. Hier verantworte ich die Sachgebiete Waldbau, Zertifizierung, Jagd und eben auch die Unternehmenskommunikation. Dieser Bereich kam irgendwann dazu, aber speziell in der Kommunikation ausgebildet bin ich nicht. Ich habe lediglich Fortbildungen besucht.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus: Wie viel Zeit nimmt die Kommunikation in Anspruch?

Das ist ja immer die Frage: Wie ist so eine Stelle zugeschnitten? Tatsächlich nimmt die Kommunikation gerade im letzten Jahr – und auch zu Beginn dieses Jahres – wirklich große Stellenanteile ein. Das liegt einfach daran, dass der Wald in den Medien derzeit wirklich ein Thema ist. Wir haben also viele Anfragen von Journalisten, berichten aber auch selbst über viele Dinge.

Welche Themen sind da gerade besonders aktuell?

Was uns als Forstbetrieb am meisten beschäftigt, ist das Thema Klimawandel. Auch der Öffentlichkeit ist das wichtig. Vielleicht erinnern Sie sich: Im Januar 2018 gab es einen schweren Orkan, der unsere Wälder ganz schön zerzaust hat. Anschließend kam dann auch noch der Dürresommer – zwischen Ostern und Weihnachten des letzten Jahres hat es ja eigentlich kaum nennenswert geregnet. Das hat im Wald Spuren hinterlassen: Wegen des Windes haben wir viele Bäume verloren; danach haben sich schadhafte Insekten massenhaft vermehrt. Diese Dinge müssen wir eben auch kommunizieren, weil es für viele Leute wahrnehmbar und daher relevant ist. Die meisten kennen ja den Wald, insbesondere den vor ihrer Haustür. Und der Klimawandel ist als Thema sowieso ständig in aller Munde.

Gibt es Themen, die besonders schwierig zu kommunizieren sind? Wie sieht es beispielsweise mit dem Spannungsverhältnis zwischen Umweltschutz und wirtschaftlicher Nutzung des Waldes aus?

Wir Förster verstehen Nachhaltigkeit als Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Zwischen diesen Interessen zu vermitteln, ist unser Tagesgeschäft und natürlich auch immer Gegenstand unserer Unternehmenskommunikation. Wir haben all diese Interessen im Blick, während wir den Wald bewirtschaften – das deutlich zu machen, ist uns wichtig.

Wie wirken sich gesellschaftliche Entwicklungen auf Ihre Arbeit aus?

Besonders zu kämpfen haben wir mit der Urbanisierung. Es findet eine gewisse Entkoppelung statt zwischen der Urproduktion – für uns Förster das Holz, für Landwirte beispielsweise der Weizen – und dem Produkt, das hinterher dabei herauskommt.

Das heißt: Der Wald als solcher ist für Verbraucher zunächst einmal positiv belegt. Auch das Holzprodukt – der schöne Holztisch, das Brenn- oder Bauholz – wird positiv gesehen. Nur der Herstellungsprozess des Ganzen – die Ernte des Baumes, der Transport zum Sägewerk, die Aufarbeitung – ist zunehmend negativ behaftet.

Beobachten Sie eine solche Entkopplung auch in anderen Bereichen?

Man bezeichnet das auch als Schlachthaus-Paradoxon: Die Kuh auf der Weide ist etwas Schönes, das Schnitzel auf dem Teller auch, der Tiertransport und das Schlachthaus aber nicht. In der Forstwirtschaft funktioniert es ganz genauso: Eine Entkopplung zwischen Dingen, die eigentlich zusammengehören. Darauf aufmerksam zu machen, dem vielleicht sogar entgegenzuwirken, ist auch eine wichtige Aufgabe der Kommunikation im Forstbereich.

Wie unterscheidet sich Ihr Beruf als Kommunikator im Forstbereich von Kommunikationsberufen in anderen Branchen?

Tatsächlich kann ich das schlecht abschätzen, weil ich nur wenige Kollegen in der Branche kenne. Innerhalb der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit sind wir gut vernetzt. Darüber hinaus trifft man sich eher durch Zufall oder knüpft gezielt Kontakte.

Ich würde vermuten, dass die meisten Empfänger unserer Kommunikation – ob Endverbraucher oder Journalisten – unserem Thema gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt sind. Sie sind uns wohlgesonnen und interessiert. Das ist vielleicht nicht einzigartig, aber doch etwas Besonderes, denke ich.

Wie sieht es in Ihrer Kommunikation mit der Nutzung von Social Media aus?

Das ist zunehmend ein Thema. In Zukunft wollen wir uns damit auf jeden Fall verstärkt beschäftigen. Derzeit sind wir eher noch etwas traditioneller aufgestellt, was die Kommunikationswege angeht, arbeiten beispielsweise viel mit Pressemitteilungen.

Diese Arten von Kommunikation können in unserem Fall auch nicht komplett durch Social Media ersetzt werden. Auch diese Verbreitungswege unterliegen ja einer gewissen Veränderung – denken Sie nur an das Redaktionssterben.  Gerade Lokalzeitungen sind für uns aber sehr wichtig, da wir in ganz Niedersachsen verbreitet sind. Mit den klassischen Pressemitteilungen sind wir da sehr erfolgreich; sie werden nach wie vor einen großen Stellenwert haben.

Klar ist aber auch, dass die Probleme, die ich geschildert habe – Stichwort Schlachthausparadoxon – zukünftig eher zunehmen werden. Und diejenigen, die diesem Paradoxon aufgesessen sind, erreicht man natürlich überwiegend über die sozialen Medien.

Welche Irrtümer oder Vorurteile über die Forstwirtschaft möchten Sie in Ihrer Arbeit gerne geradestellen?

Im Prinzip ist es ja so: Erzählt man jemandem, man sei Förster, laufen bei dem Gegenüber erst einmal die Assoziationsketten an. Das fängt beim Forsthaus Falkenau an und endet beim Förster vom Silbersee. Viele verwechseln uns beispielsweise mit Jägern. Einige gehen auch davon aus, dass Förster nur kranke Bäume schlagen. Ihnen ist nicht bewusst, dass man aus ihnen beispielsweise gar keine Möbel bauen kann.

Es gibt also schon genügend Missverständnisse, die aufzuklären lohnt. Den Menschen unseren Job näherzubringen, ihnen zu erklären, womit wir uns tatsächlich beschäftigen – das ist für die Kommunikation im Forstbereich eine wichtige Aufgabe.

Noch eine letzte Frage: Sind Sie gerne Kommunikator?

Sehr gerne. Das liegt in erster Linie daran, dass ich es genieße, mit Leuten außerhalb des eigentlichen Berufsumfeldes zu tun zu haben. In meinen anderen Tätigkeiten – im Waldbau, der Zertifizierung, der Jagd – habe ich überwiegend mit Förstern zu tun. Auch das genieße ich – den fachlichen Austausch und die kollegiale Zusammenarbeit. Aber gerade der Kontakt mit Journalisten ist eben was ganz Anderes, da sie häufig ganz anders denken. Das führt dazu, dass man selbst ebenfalls anders über das, was man tut, nachdenkt. Außerdem habe ich nur sehr wenige schlechte Erfahrungen gemacht – die Leute reagieren meistens positiv. Das finde ich spannend und es macht mir großen Spaß.

 

 

 
 


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