Kommunikatoren sind für die Digitalisierung noch nicht ausreichend gerüstet (c) Thinkstock/mladensky
Kommunikatoren sind für die Digitalisierung noch nicht ausreichend gerüstet (c) Thinkstock/mladensky
Digital-Fitness-Studie 2017

Wie fit ist die Kommunikation?

Kommunikationsabteilungen und Kommunikatoren haben noch Nachholbedarf im Bereich Digitalisierung. Das zeigt die Digital-Fitness-Studie 2017 von Lautenbach Sass und der PRCC Personalberatung.
Judit Cech

Mit der Digital-Fitness-Studie 2017 stellen Lautenbach Sass und die PRCC-Personalberatung zum zweiten Mal die Frage: „Ist die Unternehmenskommunikation fit genug für die Digitalisierung?“ Dafür wurden im August 236 Kommunikatoren befragt. Den Reifegrad von Unternehmenskommunikation und Kommunikatoren in Bezug auf die Digitalisierung beschreiben die Autoren mithilfe des eigens entwickelten Digital-Fitness-Modells. Sie unterscheiden damit zwischen den vier Entwicklungsstufen „Beginnern“, „Followern“, „Experten“ und „Enablern“.

(c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Das Digital-Fitness-Modell (c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Die Hälfte der befragten Kommunikatoren hält ihre eigene Abteilung für fit. Die Studie kommt allerdings in Hinblick auf die fünf Handlungsfelder – Strategie, Struktur, Prozesse, Ressourcen und Technologie – zu einem anderen Ergebnis: 44 Prozent der befragten Kommunikationsabteilungen befinden sich demnach auf der zweiten Stufe der Follower. Das heißt, sie orientieren sich an anderen und haben selbst bisher vereinzelte Veränderungen angestoßen. 33 Prozent der Abteilungen sind Beginner, die noch wenig Erfahrung mit der Digitalisierung haben. 

Knapp ein Fünftel (21 Prozent) zählen zu den Experten. Sie haben ihre eigene Abteilung auf die Digitalisierung eingestellt und eine Vielzahl von Veränderungen umgesetzt. Zu der höchsten Stufe, den Enablern, gehören nur drei Prozent der Befragten. Sie treiben die Digitalisierung im gesamten Unternehmen voran und sind ein Vorbild für andere.

(c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Die Digital-Fitness der Unternehmenskommunikation (c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Am besten schneiden die Abteilungen bei ihren Prozessen ab. In diesem Handlungsfeld werden 34 Prozent als Experten eingestuft. Das heißt, sie haben die Prozesse der digitalen und klassischen Kommunikation integriert und den Austausch mit anderen Organisationsbereichen etabliert. 

Am geringsten ausgeprägt ist die digitale Fitness beim Einsatz neuer Technologien. Mehr als die Hälfte der Abteilungen (57 Prozent) schafft es hier nur auf die Beginner-Stufe. Sie arbeiten ohne digitale Tools und Plattformen. Auch im Handlungsfeld Strategie gibt es großen Nachholbedarf: 42 Prozent der Abteilungen zählen nur zu den Beginnern, ein weiteres Drittel sind Follower. 

Interessant ist, wie stark die Abteilungen die Evaluation ihrer digitalen Kommunikation vernachlässigen. So messen 46 Prozent ihren Erfolg nur für einzelne digitale Medien und Kanäle und führen keine weitergehenden Analysen durch. Dagegen führen nur 18 Prozent umfassende Analysen durch. 

Gefragt nach den Prioritäten für die kommenden zwölf Monate, schreiben die Kommunikatoren fast allen Aspekten der digitalen Transformation eine noch höhere Priorität als im Vorjahr zu. Die Entwicklung einer Digitalstrategie zählt für die Studienteilnehmer zu den wichtigsten Projekten. Den größten Bedeutungszuwachs im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen die Einführung von internen Collaboration-Tools und die Entwicklung der Governance für digitale Aktivitäten. Die geringste Priorität haben die Einführung agiler Arbeitsmethoden und das Einstellen neuer Mitarbeiter mit Expertenwissen. 

(c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Prioritäten für die kommenden zwölf Monate (c) Lautenbach Sass/PRCC 2017

Die ausführliche Studie steht hier zum Download zur Verfügung.

 

 
 

Kommentare

Die Studie liefert hoch interessante Zahlen. Ich war mir bewusst, dass es in Sachen Kommunikation und vor allem bezüglich digitaler Kommunikation Nachholbedarf gibt. Das aber ein Großteil auf der Beginnerstufe steht, überrascht mich. Hier besteht also Handlungsbedarf, nicht nur bei den Unternehmen sondern auch bei der Politik, um den digitalen Wandel bzw. die Digitalisierung zu fördern. Digitale Kommunikation bietet viele Vorteile und führt Prozesse zusammen. Außerdem können Prozesse effektiver gestaltet werden. Der erste Schritt ist sicherlich die Umstellung auf VoIP Technik. Wir haben dies erst vor ein paar Monaten vollzogen, mit einer virtuellen Anlage von pascom. Natürlich gibt es noch andere Lösungen am Markt. Die größte Hürde ist die Umstellung und Einarbeitung in die Technologie. Hier sind auch wieder Unternehmen und Politik gefragt um die Umstellung zu förden.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Digitale Zusammenarbeit und Homeoffice werden nach Einschätzung vieler Kommunikator:innen 2021 weiter zunehmen. (c) Getty Images/RossHelen
Foto: Getty Images/RossHelen
Lesezeit 2 Min.
Studie

Kommunikationsprofis erwarten 2021 mehr Homeoffice

Die Stimmung von Mitarbeiter:innen in Homeoffice-Zeiten hochzuhalten, wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt in der Unternehmenskommunikation sein. Das und mehr zeigt eine Umfrage unter Medien- und Kommunikationsprofis. »weiterlesen
 
Raphael Brinkert und seine gleichnamige Agentur sollen die Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf 2021 beraten. (c) picture alliance/dpa | Axel Heimken
Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken
Lesezeit 5 Min.
Porträt

Mit der SPD in den Bundestagswahlkampf

Raphael Brinkert ist ein vielfach ausgezeichneter Werber. Der Spezialist für Sportmarketing entwickelt mit seiner Agentur die Kampagne der SPD zur Bundestagswahl 2021. »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Foto: Picture Alliance/Newscom/Kevin Dietsch
Kommentar

Jeglichen Anstand vermissen lassen

Die Redaktion des US-Magazins "Forbes" will Informationen, die sie künftig von ehemaliger Mitarbeitenden der Presseabteilung von Donald Trump erhält, besonders genau prüfen. Ihre Glaubwürdigkeit hätten die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren verspielt. »weiterlesen
 
Wolfgang Ainetter (l.) bei einer Pressekonferenz von Andreas Scheuer (r.). (c) picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Ainetter ist nicht mehr Sprecher von Scheuer

Das Verhältnis von Kommunikationschef Wolfgang Ainetter und Minister Andreas Scheuer soll "zerrüttet" sein. »weiterlesen
 
Newsrooms wie hier bei der Lufthansa haben sich in der Coronakrise bewährt. Das Foto wurde vor der Coronakrise aufgenommen. (c) Lufthansa
Foto: Lufthansa
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Newsrooms remote

Unternehmen müssen in der Coronakrise noch flexibler auf tagesaktuelle Entwicklungen reagieren als sonst. Das Konzept „Newsroom“ kann hier seine Stärken voll ausspielen. »weiterlesen
 
Ein Flugzeug von Lufthansa und eines von Easyjet landeten am Eröffnungstag als erste am BER. (c) Thomas Trutschel/Phototek
Foto: Thomas Trutschel/Phototek
Lesezeit 6 Min.
Interview

Bloß nicht wieder enttäuschen

Mit dem Flughafen BER hat Berlin den Spott der Welt auf sich gezogen. Ausgerechnet während der Coronakrise musste der Flughafen eröffnen – etwa neun Jahre verspätet, ohne große Feierlichkeiten. Ein Interview mit Kommunikationschef Hannes Hönemann über die Öffentlichkeitsarbeit für ein Krisenprojekt, das seinesgleichen sucht. »weiterlesen