So reagieren Firmen auf die Corona-Krise. (c) Getty Images / Ca-ssis
So reagieren Firmen auf die Corona-Krise. (c) Getty Images / Ca-ssis
Von Bayer bis Tesla

Wie Firmen auf die Corona-Krise reagieren

Die Corona-Pandemie lässt Unternehmen um ihre Existenz bangen. Einige bringen jedoch die Kraft auf, beim Kampf gegen das Virus zu helfen.
Toni Spangenberg
Katrina Geske

In Zeiten von Corona gehen die Börsen weltweit auf Talfahrt. Der DAX erlebt die größten Verluste seiner Geschichte. Für viele Unternehmen geht es ums Überleben. Jüngst meldete die Restaurantkette Vapiano Insolvenz an. Daher will der deutsche Staat mit Milliarden Euro helfen. Doch auch die Firmen selbst werden aktiv. Einige planen, ihre Produktion umzustellen und beispielsweise Beatmungsgeräte oder Desinfektionsmittel herzustellen, um Krankenhäuser im Kampf gegen die Seuche zu unterstützen. Unsere Stichprobe zeigt, wie einzelne Firmen mit Corona umgehen. 


BMW, Daimler und Co. – eine Branche geht auf Standby

Bei den Autobauern stehen die Bänder still. VW kündigte an, in den kommenden zwei Wochen in den Werken in Wolfsburg, Emden und Zwickau kein Auto mehr zu produzieren. Solange die Produktion ausgesetzt ist, wolle man Kurzarbeitergeld beantragen. Konzernchef Herbert Diess warnt. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen.“ Daimler ergreift dieselben Maßnahmen. Auch die VW-Tochter Audi fährt die Produktion bis Ende dieser Woche herunter. Ab Montag solle sie stillstehen. Betroffen seien neben den Werken in Europa auch die in Mexiko. 

Bei Opel in Rüsselsheim wird seit dem 17. März kein Auto mehr produziert. Davon betroffen sind auch die Standorte in Eisenach und Kaiserslautern. Geschlossen werden sollen auch die Werke in Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und der Slowakei. Die Schließungen sind zunächst bis zum 27. März geplant. 

Später als andere Hersteller gab auch BMW am Mittwoch bekannt, die Produktion ruhen zu lassen. „Die Produktionsunterbrechung wird voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse in München. Neben den europäischen Werken ist auch das Werk Rosslyn in Südafrika betroffen. Demzufolge müssen sich auch BMW-Mitarbeiter auf Kurzarbeit einstellen. Aufgrund betrieblicher Vereinbarungen fallen die Einbußen allerdings vergleichsweise gering aus. Das Nettoeinkommen eines Tarifmitarbeiters solle mindestens 93 Prozent des üblichen Niveaus betragen.

Wird Tesla zum Hersteller von Beatmungsgeräten?

Beim US-Hersteller Tesla stehen im Werk Fremont in Kalifornien die Bänder still. Tesla-Chef Elon Musk hat auf Twitter jedoch in Aussicht gestellt, die Produktion wieder hochzufahren. Allerdings sollten dann keine Autos, sondern Beatmungsgeräte vom Band rollen. „Wenn es einen Mangel gibt, werden wir Beatmungsgeräte produzieren“, schreibt Musk auf Twitter. Allerdings bräuchte es etwas Zeit, die Produktion umzustellen, auch wenn sie „nicht schwer herzustellen“ seien. Die USA verfügen über 200.000 Beatmungsgeräte. Laut der Gesellschaft für Critical Care Medicine könnten aufgrund von Covid-19 bald 960.000 benötigt werden.

Mit Bildungsfernsehen dem Unterrichtsausfall begegnen

Öffentlich-rechtliche Sender reagieren auf die Schulschließungen mit Anpassungen des Fernsehprogramms. Der SWR sendet beispielsweise ein „Tigerenten Club spezial“ mit Serien und Dokus. Daneben nimmt der Sender „Planet Schule“ und „Planet Wissen“, in denen er Natur, Umwelt, Wissenschaft, Technik, Sprachen, Geschichte und Gesellschaft thematisiert, ins Programm. Die Sendestrecke wird auch im Livestream übertragen. 

Der WDR wiederum strahlt „Die Sendung mit der Maus“ in höherer Frequenz aus. Statt wie üblich einmal die Woche ist der Sender zu einer täglichen Ausstrahlung übergegangen. Sämtliche Folgen sollen darüber hinaus auch in der Mediathek und der App abrufbar sein.

Auch der Bayerische Rundfunk reagiert mit Programmanpassungen auf die Schulausfälle. Das Programm „Schule daheim“ soll montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr Lernformate auf ARD-alpha senden. 

Sky entlastet Kneipenbesitzer

Besonders Gastronom:innen werden von der Coronakrise hart getroffen. Der Pay-TV-Sender Sky hat sich nun entschlossen, dieser Branche zu helfen. Sky wolle den Gastronom:innen die Abokosten für den März zur Hälfte erstatten, im April sollen sie ganz erlassen werden, wie RP-online berichtet. Auch Privatkund:innen kommt das Unternehmen entgegen, und macht sein Unterhaltungs-Angebot Sky Entertainment und Sky Cinema mit Serien und Filmen allen zugänglich. 

McDonald’s verleiht Mitarbeiter:innen an Aldi

Auch McDonald’s ist von Einschränkungen betroffen, sodass viele Mitarbeiter:innen derzeit wenig zu tun haben. Anders sieht die Situation im Einzelhandel aus. Viele Märkte sehen sich einem Kund:innenansturm gegenüber. Daher gehen McDonalds’ und Aldi nun eine Personalpartnerschaft ein. Der Fastfood-Riese vermittelt demnach Mitarbeiter:innen an den Discounter. Sie würden dort zu den bei Aldi üblichen Konditionen zeitlich befristet eingestellt und könnten nach dem Einsatz wieder zu McDonald’s zurückkehren.

Scoolio verschenkt Werbeplätze

Da Veranstaltungen wie Messen derzeit überall abgesagt sind, haben Unternehmen Probleme sich bei potenziellen Bewerbern vorzustellen. Hier will die Schüler-App Scoolio Abhilfe schaffen und bietet Firmen auf der Suche nach Azubis kostenfreie Werbekampagnen. „Wir möchten betonen, dass es sich hierbei nicht um eine Marketingaktion handelt, sondern eine Herzensangelegenheit zur Unterstützung in einer Ausnahmesituation“, sagt Geschäftsführer Danny Roller. Man wolle ein Zeichen dafür setzen, „dass diese Herausforderungen nur gemeinsam zu bewältigen sind“.

Netflix und Youtube entlasten das Internet

Dank der Corona-Krise findet das Leben der meisten Menschen derzeit fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden statt. Ob Video-Streaming, Online-Gaming oder Videokonferenzen mit den Kollegen aus dem Homeoffice – das Internet ist an der Belastungsgrenze. EU-Industriekommissar Thierry Breton hat daher die Streaming-Giganten Netflix und Youtube dazu gedrängt, die Qualität ihrer Streams zu verringern, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden. 

Dieser Bitte sind die beiden Unternehmen nun nachgekommen: Netflix verkündete, aufgrund der „außerordentlichen Herausforderungen durch das Corona-Virus“ die Bitraten seiner Videos reduzieren zu wollen – zunächst für 30 Tage. Die Kunden sollten dennoch eine „gute Qualität“ bekommen, so das Versprechen. Auch Youtube will „vorübergehend alle Übertragungen in der EU auf Standardauflösung schalten“. 

Parfüm ist out, Desinfektionsmittel in

Unter den Unternehmen, die beim Kampf gegen das Virus helfen wollen, sind auch solche, denen man es vielleicht gar nicht zugetraut hätte. So zum Beispiel der Luxuskonzern LVMH, zu dem unter anderem die Marken Dior und Givenchy gehören: In drei seiner größten Fabriken sollen ab sofort statt Parfüm oder Kosmetik große Mengen an Desinfektionsmitteln über die Fließbänder rollen. Diese sollen kostenlos an französische Gesundheitseinrichtungen ausgeliefert werden.

„Mit dieser Initiative will LVMH dazu beitragen, das Risiko eines Produktmangels in Frankreich zu verringern. Einer großen Anzahl von Menschen soll es möglich sein, weiterhin die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen“, begründet das Unternehmen sein Vorgehen in einer Pressemitteilung. In der ersten Woche will man zwölf Tonnen des Desinfektionsmittels produzieren, so die Schätzung. Das Engagement wolle man so lange wie nötig aufrechterhalten.

Nur ein kleiner Schritt: vom Schnaps zum Desinfektionsmittel

Noch eine weitere Branche will ihre Produktion großflächig umstellen – vom Trink- zum desinfizierenden Alkohol ist es schließlich nicht weit: So will sich beispielsweise eine Reihe kleiner Schnapsproduzenten aus Großbritannien an der Hilfsaktion beteiligen. Der Craft-Bierbrauer Brewdog hat zum Beispiel ein Handdesinfektionsmittel mit 60 Prozent Alkoholgehalt entwickelt; der Schnapshersteller Verdant Spirits aus dem schottischen Dundee will 400 Liter Desinfektionsmittel beisteuern.

Auch Pernod Ricard, zum dem unter anderem die Marken Absolut Vodka und Havana Club gehören, kündigt Unterstützung an: Dem Laboratoire Cooper, einem der führenden Hersteller für Desinfektionsgels in Frankreich, sollen 70.000 Liter reiner Alkohol zur Verfügung gestellt werden.

Passagierflieger: vielseitig verwendbar

Strenge Reisebeschränkungen haben die Luftfahrtbranche weltweit in die Krise gestürzt. Viele fürchten um ihre Existenz und mussten um staatliche Hilfe bitten. Die Lufthansa hat ihren Passagierflugplan stark zurückgefahren, ebenso die Billigfluggesellschaft Ryanair und der Ferienflieger Condor.

Passagiere werden die Airlines in naher Zukunft also nicht mehr im großen Stil transportieren – dafür steigt der Bedarf an Warentransporten. Wie einige Medien berichten, prüft die Lufthansa derzeit, mit ihren Boeing-747-Maschinen reine Frachtflüge durchzuführen – normalerweise fliegt rund die Hälfte der von Lufthansa Cargo beförderten Fracht auf normalen Linienflügen in Passagier-Jets des Mutterkonzerns mit.

„Lufthansa wird alles dafür tun, um auch die Lieferketten für die Versorgung der deutschen Bevölkerung aus der Luft aufrechtzuerhalten“, kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr an. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Luftbrücke für ganz Deutschland“. In der Krise komme der Logistik und damit auch der Luftfracht eine besondere Bedeutung für viele Tausende Betriebe, die auf Zulieferungen angewiesen sind, zu.

Bayer setzt auf Malariamittel

Bei der Bekämpfung des Virus setzt der Leverkusener Pharmakonzern Bayer auf das Malariamittel Chloroquin (Resochin) – ein seit den 40er Jahren zugelassenes Medikament, das im Laufe der Zeit durch andere Wirkstoffe verdrängt wurde. Verkauft und herstellt wird es heute hauptsächlich in Pakistan.

Zwar gibt es bisher noch keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit des Mittels gegen das Corona-Virus beweisen. Dennoch hat Bayer nun bekanntgegeben, die US-Regierung mit einer Spende von 3 Millionen Resochin-Tabletten beim Kampf gegen das Virus unterstützen zu wollen. Zugelassen ist das Medikament in den USA zurzeit nicht – laut Bayer arbeite man mit Hochdruck daran, das zu ändern. Auch die deutsche Regierung habe bereits große Mengen des Mittels bei Bayer reserviert, so Gesundheitsminister Jens Spahn.

 

 
 


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