Corporate Behaviour bezeichnet die Verhaltensweisen eines Unternehmens und das all seiner Mitarbeiter. (c) gettyimages/NiseriN
Corporate Behaviour bezeichnet die Verhaltensweisen eines Unternehmens und das all seiner Mitarbeiter. (c) gettyimages/NiseriN
Kolumne

Wie Corporate Behaviour das Image beeinflusst

Wir kommunizieren immer – auch mit dem, was wir tun und was wir unterlassen. Das gilt ebenso für das Verhalten von Unternehmen und das all seiner Mitarbeiter. Was das für Kommunikatoren bedeutet, erklärt unser Kolumnist Claudius Kroker.
Claudius Kroker

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ – sagt Paul Watzlawick. Wir kommunizieren immer – in dem, was wir sagen und was wir nicht sagen. Wir kommunizieren auch mit dem, was wir tun und was wir unterlassen. Corporate Behaviour nennt das der Kommunikationsexperte. Dazu gehören das Verhalten eines Unternehmens oder eines Verbandes und das all seiner Mitarbeiter und Mitglieder.

Wenn die Deutsche Bahn einen ICE mit 8 statt 16 Wagen auf die Strecke schickt und recht lapidar um Verständnis bittet, wenn sich 800 Reisende 400 Plätze teilen müssen, dann ist das unternehmerisches Verhalten (vielleicht ist es auch eine geschickte Strategie, aber das wäre noch schlimmer). Wenn gleichzeitig die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn fürs Nicht-Beseitigen solcher Miseren ein jährliches Millionen-Salär erhalten – warum auch immer – dann ist auch das Corporate Behaviour. Beide Verhaltensweisen sind Kommunikation, tragen also eine Botschaft in sich. Zum Beispiel „Ihr könnt uns mal“ oder so ähnlich. Alles in allem muss man dann wohl sagen: Liebe Deutsche Bahn, Du hast ein Kommunikationsproblem. Und damit bekanntlich auch ein Imageproblem.

Alkohol ist kein guter Kommunikations-Begleiter

Wenn der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure für seine Veranstaltung ein Berliner Hotel belegt – in dem dummerweise auch mein Zimmer liegt – und die Kontrolleure zu später Stunde insbesondere die Qualität alkoholischer Getränke kontrollieren und dem Ergebnis in Form einer mitternächtlichen Party Dezibel-stark Ausdruck verleihen – dann ist auch das Corporate Behaviour. Die alkoholische Gärung und die Gärung des Alkohols… – wir wissen aus der Feuerzangenbowle, wie solcherlei Kommunikation endet. Wobei man in diesem Fall leider nicht einmal sagen konnte, dass Corporate Behaviour „nonverbale“ Kommunikation sei.

Wie jede Form von Kommunikation wirkt auch Corporate Behaviour Image-prägend. Die Mitglieder des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure haben sich zum Beispiel mit ihren nächtlichen Eskapaden gefährlich nah an das Ansehen der Deutschen Bahn herangerappt. Gratulation! 

Aber auch das berühmte Victory-Zeichen von Josef Ackermann in der Gerichtsverhandlung gegen die Deutsche Bank, die Flug- und Dienstwagen-Affären zahlreicher Politiker nahezu jedweder Couleur oder IKEA-Rabatte für Ehefrauen von Ministerpräsidenten (der Fall Biedenkopf) sind Beispiele von Kommunikationspannen via Corporate Behaviour. Die Auswahl ist willkürlich, Beispiele gibt es zuhauf.

Beratung macht das Verhalten, Verhalten macht das Image

Was heißt das für Kommunikationsberater, Pressesprecher und PR-Agenturen? Sie müssen ihre Kunden, Vorstände und Chefs sensibilisieren. Gerade im Punkt Verhalten als Kommunikationsform zeigt sich, wie wichtig die Beratung ist. Und dass niemals der Blickwinkel des Senders für das Ergebnis von Kommunikation entscheidend ist, sondern die Wahrnehmung des Empfängers. Leider – ich schrieb es an dieser Stelle schon so manches Mal – ist die subjektive Beratungsresistenz oft größer als der objektive Beratungsbedarf. 

Hält die öffentliche oder veröffentlichte Meinung ein bestimmtes Verhalten für unangebracht, habe ich als Akteur das Nachsehen. Wer grüne Politik, Umweltschutz oder die Bewahrung der Schöpfung auf seine Fahnen schreibt, sollte den Gebrauch von Spritschluckern (hier ist tatsächlich das Benzin gemeint und nicht der Alkohol…) überdenken. Gleiches gilt übrigens, wenn man einen Hof mit zumindest nicht ganz unumstrittener Massentierhaltung betreibt und zugleich als Agrarministerin die eigene Stabsstelle Umweltkriminalität auflöst. Was immer man (oder frau) sich dabei gedacht haben mag: Klug war es jedenfalls nicht.

Die immer wieder neuen, unter dem Titel „Affäre“ durch die Medien geisternden Fehlgriffe in Sache Corporate Behaviour zeigen, dass hier noch reichlich Luft nach oben ist. Nicht nur bei der Bahn, aber da auch.

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Wer professionell Pressearbeit betreibt, sollte auch in geeignetes Bildmaterial investieren. (c) Getty Images / ArisSu
Pressearbeit erfordert geeignetes Bildmaterial. (c) Getty Images / ArisSu
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Erfolgreiche Pressearbeit braucht gute Fotos

Wer professionell Pressearbeit betreibt, sollte nicht nur Sinn für gute Texte, sondern auch in geeignetes Bildmaterial investieren. »weiterlesen
 
Pressearbeit heißt: die Presse über Neues zu informieren. Leider funktioniert das nicht immer. (c) Getty Images / Zerbor
Foto: Getty Images / Zerbor
Lesezeit 3 Min.
Kommentar

So schreibt man gute Pressemitteilungen

Eine Pressemittelung oder Presseinformation heißt so, weil PR-Leute und Pressesprecher damit die Presse informieren oder Wissen mit ihr teilen. Viel zu viele Pressemitteilungen geben aber gar nichts "Teilbares" her. Wie man es besser macht, weiß unser Kolumnist. »weiterlesen
 
Pausen sind beim Reden unverzichtbar. (c) Getty Images /  jakkaje808
Foto: Getty Images / jakkaje808
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Eine gute Rede halten? Machen Sie Pausen!

Warum sind Pausen beim Reden wichtig? Unser Kolumnist meint: Wer beim Reden keine Pause macht, hat keinen Bezug zu seinen Zuhörern – und kann demnach auch keine Botschaften transportieren. »weiterlesen
 
Oft quellen Zitate vor maßlosen Übertreibungen oder ausgeprägten Selbstdarstellungen der Zitatgeber über. (c) Getty Images / Martin Barraud
Foto: Getty Images / Martin Barraud
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wann Zitate einer Pressemitteilung schaden

Zitate, sogenannte O-Töne, sollen Pressemitteilungen die nötige Würze verleihen. Doch in der Realität sieht das oft anders aus, wie Kolumnist Claudius Kroker feststellt. »weiterlesen
 
Kolumnist Claudius Kroker weiß, woran es dem Journalismus derzeit fehlt. (c) Getty Images/Filip_Krstic
Bild: Getty Images/Filip_Krstic
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Wie machen wir den Journalismus besser?

Fehlende Sorgfalt, reißerische Berichterstattung und das Verschwimmen von Kommentar und Bericht – das Image des Journalismus ist momentan nicht das beste.   »weiterlesen
 
Wer erfolgreiche Pressearbeit machen will, muss wissen, wann Medien über was berichten – und was gerade aktuell ist. (c) Getty Images/eternalcreative
Foto: Getty Images/eternalcreative
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Timing ist alles

Mitunter entscheidet der Zeitpunkt, ob aus einer Pressemitteilung eine Nachricht wird – oder ein Fall für den Papierkorb.  »weiterlesen