DPOK-Jurymitglied Dominik Kupilas im Interview. (c) SV Werder Bremen
DPOK-Jurymitglied Dominik Kupilas im Interview. (c) SV Werder Bremen
DPOK-Jurymitglied Dominik Kupilas

Werder Bremen: „Wir haben über 40 eigene Kanäle“

Was verbindet Neu-Jurymitglied Dominik Kupilas mit dem DPOK? Und womit können Bewerber ihn beeindrucken?
Katrina Geske

Die PR darf Emotionen transportieren – das ist ihr großer Vorteil gegenüber dem Journalismus, meint Dominik Kupilas, Head of Content and Digital beim SV Werder Bremen und Mitglied der diesjährigen DPOK-Jury. Im Interview erzählt er unter anderem, was ihm an seinem Job als Kommunikator für einen Fußballverein besonders gefällt und erklärt, warum Podcasts ihren Zenit noch lange nicht überschritten haben.

Herr Kupilas, sie kommen ursprünglich aus dem Journalismus, betreiben nun aber Kommunikationsarbeit. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Dominik Kupilas: Ich habe als freier Journalist für kleinere Lokalzeitungen begonnen. Dort habe ich sozusagen den klassischen Weg genommen, den früher viele junge Journalisten oder Redakteure gegangen sind. Als es für mich in Richtung Studium und Berufsorientierung ging, wurde aber klar: Für mich muss es nicht der klassische Journalismus sein, sondern mit den Grundinstrumenten, die ich dort an die Hand bekommen habe, fühle ich mich auch im Bereich PR oder Kommunikationsarbeit wohl. Diesen Weg habe ich dann eingeschlagen – wie üblich über Praktika – und damit bin ich auch sehr glücklich.

Wie haben Sie die Unterschiede zwischen Journalismus und PR erlebt?

Ich möchte das gar nicht werten, da ich glaube, dass beides eine absolute Daseinsberechtigung hat und bedeutend für die Gesellschaft ist. Aus meiner Sicht ist es so: Als Kommunikator für einen Fußballverein ist man Teil der Gemeinschaft, Teil der Emotionen, der Gestaltung des ganzen Themas. Als vermeintlich externer Journalist, der neutral darüber sprechen oder schreiben muss, ist das nicht der Fall. Unser großer Vorteil ist es, dass wir die Emotionen, die in diesem Sport zweifelsohne stecken, auch transportieren dürfen. Die Neutralität und Unabhängigkeit der Journalisten verbietet das beziehungsweise grenzt es ein.

Kommunikation für den SV Werder Bremen zu machen – war das Ihr Wunschjob oder eher Zufall?

Mein Leben besteht schon immer zum großen Teil aus Fußball. Seit ich ein Kind war, spielte ich selbst, sogar relativ hochklassig. Mir war immer klar: Wenn ich die Möglichkeit erhalte, beruflich im Sport zu wirken, würde ich sie unbedingt ergreifen. Im Rahmen eines Praktikums bei Werder Bremen durfte ich sechs Monate lang praktische Erfahrungen im Bereich PR und Kommunikation sammeln – das hat mir extrem gut gefallen. Ein bisschen Glück kommt natürlich auch immer dazu.

Was macht Ihnen in Ihrem Job am meisten Spaß?

Natürlich zunächst die unbändigen Emotionen, die man hier erlebt. Gerade mein Feld, der digitale Innovationsbereich, ist aber auch sehr dynamisch. Man sagt dem Fußballalltag nach, er sei sehr schnelllebig. Das kann ich nur bestätigen – hier ist kein Tag wie der andere. Man lernt spannende Personen kennen – Profifußballer, Entscheider, Journalisten, Innovatoren, kreative Köpfe – viele inspirierende Kontakte, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit knüpfen durfte.

Umgekehrt gefragt: Was sind die größten Herausforderungen an Ihrem Job?

Emotionen und Schnelllebigkeit können positiv, aber auch negativ sein – insbesondere die Schnelllebigkeit. Es ist schon herausfordernd, unter solchen Bedingungen nachhaltige Strategien zu entwickeln und sich nicht zu sehr vom Tagesgeschäft leiten zu lassen. Darüber hinaus liegt sicher auch eine sehr große Aufmerksamkeit auf dem, was wir hier machen, es wird von vielen Seiten bewertet.

Bereits seit 2010 sind Sie für die Social-Media-Kanäle des Vereins zuständig. Wie haben Sie die zahlreichen Veränderungen erlebt, die der Bereich in diesen zehn Jahren durchlaufen hat?

Als ich 2010 zu Werder Bremen gekommen bin, hatte ich den Auftrag, dem Verein in den sozialen Medien zu implementieren. Damals ging es zunächst nur um Facebook – das waren die Anfänge. Seitdem ist gefühlt jedes Jahr ein anderer Kanal hinzugekommen – ob Instagram, die Stories als zusätzliches Feature, Snapchat, Google Plus, das mittlerweile wieder weg ist, oder jetzt Tiktok. Das hier so viel passiert, ist zwar einerseits spannend, andererseits aber eine Herausforderung.

Wie beeinflussen die Veränderungen Ihren Job im Speziellen?

Mein Team beschäftigt sich weiterhin mit der Content-Produktion und –Distribution über die vielfältigen vereinseigenen Kanäle. Das sind inzwischen mehr als 40: Social Media, unsere Webseiten und Apps, das TV-Angebot, die Print-Produkte, die wir noch haben, und den Audiobereich. Darüber hinaus habe ich aber auch das große Glück, sehr viel im digitalen Bereich mit zu entwickeln und bin außerdem für den E-Sport zuständig.

Unter anderem sind Sie auch für den Podcast des Vereins verantwortlich. Von einigen Seiten heißt es mittlerweile, das Format hätte seinen Zenit schon überschritten. Was sagen Sie dazu?

Das sehe ich gar nicht so. Er hatte ihn schon einmal überschritten – seit zwei, drei Jahren sind Podcasts aber wieder total im Kommen. Durch die verbesserte Struktur durch Smartphones, mobiles Internet und dergleichen, sind weitere Anbieter auf den Markt gekommen, der Konsum von Podcasts wird immer einfacher und entsprechend natürlich auch mehr genutzt. Man sollte nur darauf achten, dass es nicht irgendwann zu viele Podcasts gibt und die Informationsflut dadurch zu extrem wird.

Warum passt der Podcast als Format zu Werder Bremen?

Für uns als Fußballverein ist das ein sehr spannendes Medium. Dadurch haben wir die Möglichkeit, Leute zu erreichen, die nicht gerade das Handy in der Hand oder den Laptop auf dem Schoß haben und es ist somit ein weiterer Weg, unseren Fans emotionalen Content zu bieten. Vielleicht sitzen sie im Auto oder im Bus – und sind perfekterweise gerade auf dem Weg zu einem Werder-Spiel.

Wird der Audiobereich Ihrer Meinung nach weiter an Bedeutung gewinnen?

Das glaube ich schon – im Sport, aber auch allgemein. Außerdem werden weitere Technologien hinzukommen: VR, AR, all solche Sachen, durch die man die Kommunikation noch einmal auf ein anderes Level heben und Fans und Kunden noch enger an sich binden kann.

Sie sitzen in diesem Jahr zum ersten Mal in der DPOK-Jury. Was reizt sie besonders an der Tätigkeit als Juror?

2013 waren wir selbst Preisträger – damals wurden wir als „Twitterkanal des Jahres“ ausgezeichnet, da sieht man mal, wie lange das her sein muss (lacht). Damals durfte ich das Ganze also aus Teilnehmersicht erleben. Ich habe noch genau vor Augen, wie die Jury damals vor uns saß und wir ihnen unseren Pitch präsentieren durften. Mich reizt es sehr, nun auf der anderen Seite zu stehen, selbst die Einsendungen zu sehen und zu bewerten, die aus den unterschiedlichsten Richtungen kommen. Mit ist es sehr wichtig, mich ständig weiterzuentwickeln, auch über den Tellerrand der eigenen Branche hinauszublicken, dazu habe ich nun sehr konzentriert die Möglichkeit.

Worauf legen Sie bei der Bewertung besonderen Wert – wie können DPOK-Bewerber Sie beeindrucken?

Da möchte ich mir gar nicht zu sehr in die Karten schauen lassen. Aber was mir wirklich sehr imponiert ist, wenn jemand einen Ansatz wählt, der noch nicht hundertmal da war. Wenn jemand vielleicht in einer Branche, von der man es nicht erwartet, mit vorhandenen Technologien, Netzwerken und Kommunikationswegen einen neuen Weg beschreitet und diese vielleicht sogar miteinander kombiniert – das finde ich schon immer sehr gut.

 

 

 

 
 


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