Werbe-Wunder zur WM? (c) Getty Images/iStockphoto
Werbe-Wunder zur WM? (c) Getty Images/iStockphoto

Werbe-Wunder zur WM

Fußball-Outfits, Copacabana-Szenerien und Samba-Feeling - viele Unternehmen brechen derzeit bei ihren Kampagnen den WM-Bezug vom Zaun. Schlau? Nervig.
Hilkka Zebothsen

Herr Eichstädt, Faultiervideos in Endlosschleife, blutende Tierherzen in Kicker-Händen, Menschen, die an Flughäfen spontan ihre Business-Tickets zerreißen sollen – braucht jetzt jedes Unternehmen eine eigene WM-Kampagne?

Björn Eichstädt: An das mit den blutenden Herzen kann ich mich sogar erinnern. Nur: von wem war das noch mal? Vor ein paar Tagen hab ich die Kampagne gesehen, aber ich weiß nicht mehr, für wen oder was da kommuniziert wurde. Eine Organspende-Organisation? Das ist ein Grundproblem mit allen WM-Kampagnen: die eigene Story tritt ziemlich in den Hintergrund, die WM-Story stark in den Vordergrund. Vor allem mit den Promis – das hat ja schon immer eher den Promis als den werbenden Unternehmen geholfen in Sachen Wahrnehmung. Der Marke bringt sowas meistens nichts – außer sie hängt halt stark mit dem Thema Fußball zusammen. Also: adidas kann beispielsweise was Sinnvolles zur WM machen…. wobei ich jetzt gerade gegoogelt habe, dass die das mit dem Tierherz verantworten. War dann wohl auch nichts. 

Welche Kampagne rund um den Fußball gefällt Ihnen bisher?

So richtig eigentlich nichts. Aber ich bekomme davon einfach auch zu wenig mit. Das ist eben auch ein weiteres Problem der aktuellen Kampagnen: als ich 1986 (da hab ich mich noch für Fußball interessiert) das erste Mal bewusst WM gesehen habe – damals in Mexiko – gab es bei uns 3 Fernsehsender, einen wichtigen Regionalradiosender, die Tageszeitung, Fernsehzeitung und den Spiegel. Hat sich als Kind jedenfalls so angefühlt. Und Duplo und Hanuta hatten Sticker anlässlich der WM. Das war wahrscheinlich auch die beste Kampagne. Duplo und Hanuta. Und irgendwie passte das auch zur Marke: wer viel Sport macht, der kann sich auch mal so ein Duplo gönnen.

Wenn jemand eine Botschaft und eine Werbung zur WM hatte, dann hat das jeder mitbekommen. Heute in der versprengten medialen Welt ist das natürlich viel schwieriger. Ich hab eher zufällig wahrgenommen, dass überhaupt WM ist. Wir leben in unseren thematischen Facebook-Bubbles und haben gelernt, Werbung  auszublenden.  

Kann man also jetzt besser mit Fußball-Bashing WM-Muffel ködern?

Man kann sie wahrscheinlich wenigstens zum Liken auf Facebook bringen...Klickvieh für jeden, sogar die Muffel. 

Was tun Sie während der Spiele?

Ich bin im Familienurlaub in Japan und hoffe, da entgeht man dem Thema ein bisschen. Es gibt zwar starke Beziehungen zwischen Brasilien und Japan, aber dort steht eher Baseball ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

 

 
Björn Eichstädt
Storymaker
Managing Partner

Björn Eichstädt ist Managing Partner bei der PR-Agentur Storymaker mit Sitz in Tübingen, München und Peking.

 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.



randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Die Deutsche Bahn wirbt nicht mehr auf Journalistenwatch.com. / DB: (c) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Deutsche Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Meldung

Bahn setzt rechte Webseite auf "Blacklist"

Das rechtsextreme Journalistenwatch verliert Anzeigen. Die Deutsche Bahn, die Postbank, Sony, Aroundhome und Trendence distanzieren sich. »weiterlesen
 
Pressestellen könnten die ersen im Unternehmen sein, die KI einsetzen. / KI: (c) Getty Images/ sarayut
Artificial Intelligence. Foto: Getty Images/ sarayut
Gastbeitrag

Wie Pressestellen digitale Vorreiter werden

Durch Künstliche Intelligenz können Presseabteilungen zum digitalen „leading edge“ ihres Unternehmens werden – sie wissen es nur noch nicht. »weiterlesen
 
Nach Chefredakteur Jochen Kalka verlassen weitere Journalisten die Redaktion von W&V. / Jochen Kalka: (c) W&V/TH. Dashuber
Jochen Kalka verlässt W&V. Foto: W&V/TH. Dashuber
Meldung

Viele altgediente Redakteure verlassen W&V

Die W&V-Redaktion blutet weiter aus. Nach dem Abgang von Chefredakteur Jochen Kalka wurde bekannt, dass weitere Journalisten das Unternehmen verlassen haben. »weiterlesen
 
Ab kommenden Jahr übernimmt die Burda-Tochter BCN die Produktion von "Motorwelt". / "Motorwelt": (c) ADAC e.V.
Der ADAC ändert das Konzept der "Motorwelt". Foto: ADAC e.V.
Meldung

ADAC verliert MarCom-Chef vorm Motorwelt-Neustart

Umbruch beim ADAC: Die Motorwelt steht vor dem Neustart mit drastisch reduzierter Auflage. Kommunikations- und Marketingchef Garrels verlässt den Verein. »weiterlesen
 
Viktor Hertz entwirft ehrliche Firmenlogos./ ehrliches Logo: (c) Instagram/ David Hertz
So sehen ehrliche Logos aus. Foto: Instagram/ David Hertz
Meldung

Wenn Logos von Firmen ehrlich wären

Wie würden Firmenlogos aussehen, wenn sie zum jeweiligen Auftreten der Unternehmen passten? Viktor Hertz beantwortet die Frage, indem er ehrliche Logos kreiert. »weiterlesen
 
Das einzige Risiko bei einem Corporate-Influencer-Programm ist, dass es einschläft. / Klaus Eck: (c) raimund-verspohl-portraits.com
Klaus Eck betreut das Corporate-Influencer-Programm der LV1871. Foto: raimund-verspohl-portrais.com
Interview

„Corporate Influencer sind eine Riesenchance“

Wer Corporate Influencer sinnvoll einsetzt, kann sich die eigene Facebookseite sparen. Doch ihr Einsatz ist kein Selbstläufer, wie Klaus Eck erklärt. »weiterlesen