Die PR-Beraterin Sylvia Pietzko gibt zehn Tipps für die zwischenmenschliche Kommunikation am Arbeitsplatz (c) Thinkstock/Wavebreakmedia Ltd
Die PR-Beraterin Sylvia Pietzko gibt zehn Tipps für die zwischenmenschliche Kommunikation am Arbeitsplatz (c) Thinkstock/Wavebreakmedia Ltd
Tipps für empathische Kommunikation

Wenn es im Projekt knirscht

Interne kommunikative Konflikte haben einen negativen Einfluss auf die gemeinsame Projektarbeit – und die Lebensqualität. PR-Beraterin Sylvia Pietzko gibt zehn Tipps für empathische Kommunikation, mit denen sich zwischenmenschliche Beziehungen am Arbeitsplatz verbessern lassen.
Sylvia Pietzko
 

PR-Berater und Pressesprecher sind die Helden, die gerne mal bis in die Nacht hinein arbeiten, geniale Ideen und die besten Kontakte haben. Sie sind textstark, gebildet und versiert im Auftreten. Regelmäßig retten sie Kunden und Arbeitgeber. Kurz: Sie sind Kommunikationsprofis. Aber was ist mit der Kommunikation in den eigenen Reihen?

Den Kollegen anpampen, schlecht über ihn denken, unterstellte Mitarbeiter überheblich behandeln – solche Dinge sind schnell mal passiert und hinterlassen auch ohne böse Absicht häufig Narben. Und was zeigt der Blick nach Innen? Wie reden wir eigentlich in einer ruhigen Minute mit uns selbst, speziell nach einem vermeintlichen Fehler? Was passiert, wenn wir den Kunden unsympathisch finden? Welche Rolle spielt Kommunikation für unseren Unternehmenserfolg? Ich möchte es vorwegnehmen – wir, die Kommunikatoren, müssen uns selbst vor der häufig mangelnden Lebensqualität im Job retten, beziehungsweise ihr vorbeugen.

Was Kommunikation mit Lebensqualität zu tun hat

Kommunikation soll eine Botschaft von A nach B tragen. Die Crux: Sinn und Verständnis generiert der Empfänger vor seinem spezifischen Erfahrungs- und Erwartungshorizont. Erfahrungen und Erwartungen bedingen sich dabei gegenseitig. Sie bilden Gefühle (angenehm/unangenehm) sowie Bedürfnisse (erfüllt/nicht erfüllt) aus und werden von ihnen genährt. Interpretation und Bewertung des Gehörten – dessen, was es emotional „mit uns macht“ – sorgen jedoch leicht für Missverständnisse, vor allem bei Kritik oder in Stresssituationen. In diesen Momenten entstehen Konflikte, denn wichtige Bedürfnisse, zum Beispiel nach Anerkennung, bleiben unerfüllt. Dauerhaft führt dies zu unangenehmen Gefühlen wie Unzufriedenheit. Gefühle im Business gelten häufig noch als verpönt, obwohl die moderne Hirnforschung längst bewiesen hat, dass wir emotional gesteuerte Wesen sind. Probleme mit einer kommunikativ-menschlichen Dimension sind deshalb meiner Erfahrung nach häufig der Grund für Ärger in Projekten, Abwanderung guter Mitarbeiter und gescheiterte Kundenbeziehungen. Kurzum, für einen Arbeitsplatz, an dem wir quer durch alle Hierarchiestufen Dauerfrust schieben und uns nicht wohl fühlen. Die Art und Weise wie wir miteinander sprechen, hat deshalb großen Einfluss auf unsere Lebensqualität.

Beziehungen besser managen

Unsere Ausbildung zu professionellen PR-Beratern, Redakteuren oder Marketing-Managern schützt uns leider nicht davor, in der zwischenmenschlichen Kommunikation – privat wie im Arbeitsalltag – zu versagen. Erfolgreiche zwischenmenschliche Kommunikation ist im Curriculum der Hochschulen und Institute meines Wissens nach (noch) nicht enthalten. Wir müssen uns daher bewusst machen, dass unsere erlernte Alltagssprache von einem erstaunlich hohen Maß an Manipulation und Gewalt geprägt ist. Sie fördert Stress, Druck und Angst, und lässt den kritischen Faktor Mensch, der über Erfolg oder Misserfolg jeglicher Unternehmung entscheidet, den Bach runter gehen. Speziell für die Kommunikations- und Medienwirtschaft sehe ich das Thema Menschlichkeit am Arbeitsplatz als Herausforderung: Gerade dort geht es praktisch nur um Köpfe, nicht um Maschinen, Produkte oder Patente. PR ist darüber hinaus Dialog- und Beziehungsmanagement, doch oft haben hier die Schuster die schlechtesten Leisten was Kunden oder Team anbelangt. Es wird vergessen, dass wir alle Führungskräfte sind – wir müssen unseren Arbeitsalltag und unsere eigene Kommunikation führen!

Zehn Tipps für empathische Kommunikation

Was Sie tun können, um Menschen anzuziehen und zu halten:

1. Übernehmen Sie Eigenverantwortung: für Ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen. Ihr Gegenüber ist nicht schuld daran, wie es Ihnen geht!

2. Üben Sie, neutral zu beobachten: „Tina kam diese Woche drei Mal nach dem vereinbarten Termin“ statt „Tina ist dauernd unpünktlich!“.

3. Hören Sie in sich hinein, was die Beobachtung in Ihnen auslöst.

4. Finden Sie heraus, was Sie brauchen oder nicht brauchen.

5. Formulieren Sie Bitten statt Forderungen, um zu bekommen, was Sie brauchen oder um abzustellen, was Sie stört.

6. Überlegen Sie, welches Bedürfnis den anderen Menschen in seinem Handeln wohl antreibt.

7. Erarbeiten Sie, was benötigt wird, damit Sie und die anderen Menschen in Ihrem Unternehmen aufblühen (und dadurch Erfolg haben).

8. Behandeln Sie andere Menschen so, wie Sie auch selbst behandelt werden wollen. Ein Klassiker, den man nicht oft genug wiederholen kann.

9. Seien Sie großzügig zu sich selbst! Sie machen keine Fehler, Sie nehmen Chancen wahr, dazuzulernen!

10. Scheuen Sie sich nicht vor professioneller Unterstützung durch Coaches oder Trainer.

 

Kommentare

Liebe Frau Pietzko, vielen Dank für den Beitrag und Ihr flammendes Statement für mehr Empathie in der persönlichen Kommunikation. Sie schreiben: "Unsere Ausbildung zu professionellen PR-Beratern, Redakteuren oder Marketing-Managern schützt uns leider nicht davor, in der zwischenmenschlichen Kommunikation – privat wie im Arbeitsalltag – zu versagen. Erfolgreiche zwischenmenschliche Kommunikation ist im Curriculum der Hochschulen und Institute meines Wissens nach (noch) nicht enthalten." Dem ersten Satz stimme ich zu. Auch Kommunikationsprofis sind Menschen und "im Falle eigener Betroffenheit sind selbst Experten häufig Idioten" (das ist übrigens ein Ausspruch des von mir sehr geschätzten Dr. Friedemann Schulz von Thun. Seine Vorlesungsreihen, Seminare und Ausbildungen kann ich jedem Kommunikator, der sich selbst auf dem Gebiet der zwischenmenschlichen Kommunikation nachhaltig weiterbilden möchte, wärmstens ans Herz legen. Und eine Ergänzung von mir an dieser Stelle - ebenfalls aus eigener Erfahrung: an der Donau-Uni in Krems ist zwischenmenschliche Kommunikation durchaus im Curriculum enthalten. Jedenfalls trifft dieses auf das Master-Studium "integrierte Kommunikation & PR" zu. Herzliche Grüße aus Hamburg, Harriet Lemcke

Guten Morgen Frau Lemcke, danke für Ihren Beitrag! Genau, wir alle sind Menschen und wo Menschen sind, da "menschelt's" eben auch. Es wäre schlimm, wenn es anders wäre, dann würden wir tatsächlich "täglich roboten gehen", wie die Toten Hosen singen. Es freut mich zu hören, dass der Aspekt in Krems beinhaltet ist - umso mehr, als ich ausbildungstechnisch aus dem Hause PR-Plus komme, die meiner Erinnerung nach dieses Studium ja damals ins Leben gerufen haben?! Herzliche Grüße, Sylvia Pietzko


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