Ralf Köttker, Mediendirektor des DFB, bei seinem Vortrag auf dem Kommunikationskongress 2015 (c) Laurin Schmid
Ralf Köttker, Mediendirektor des DFB, bei seinem Vortrag auf dem Kommunikationskongress 2015 (c) Laurin Schmid
Fußball-PR

Weltmeister im Netz

Der DFB setzt in der Online-Kommunikation auf Information, Interaktion, Internationalisierung und Service. Vor welchen Herausforderungen das Online-Team dabei steht, verrät der Mediendirektor Ralf Köttker im Interview.
Nicolas Ebert

Herr Köttker, Sie bespielen insgesamt 41 Social Media Kanäle auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. Sind das nicht zu viele, um den Überblick zu behalten?

Ralf Köttker: Das ist eine Frage, die wir uns auch regelmäßig stellen. Masse muss nicht gleich Klasse sein. Von daher muss man sich kritisch hinterfragen und überlegen, sollten wir das vielleicht nicht konzentrierter machen? Wir haben uns für eine andere Vorgehensweise entschieden und zielgruppenspezifische Kanäle eingerichtet. Jeder kann ganz gezielt auf einen Kanal gehen und bekommt das, was er erwartet. Wir haben festgestellt, dass die Frustration eher größer ist, wenn man sich für die dritte Liga interessiert und dann permanent Nachrichten aus der Frauen-Bundesliga bekommt – oder umgekehrt.

Holen Sie sich für das Bespielen der Kanäle auch Unterstützung von außerhalb des Online-Teams?

Ja, wir beziehen den ganzen DFB mit ein. Wenn ein Kollege zur Vorbesichtigung oder für die Medienorganisation bei einem Pokalspiel ist, dann ist er dazu angehalten, uns entsprechende Bilder in die Redaktion zu schicken. Der CvD für Social Media entscheidet dann, ob er es braucht, wie er es einsetzt und auf die unterschiedlichen Plattformen verteilt. Wir beschränken uns nicht nur auf unsere Online-Redakteure, die den Content produzieren. Viele, die für den DFB unterwegs sind, machen das auch. Wenn ich mit Wolfgang Niersbach, dem DFB-Präsidenten, auf einem Uefa-Kongress oder einer anderen Veranstaltung bin, dann ist es für mich selbstverständlich, dass ich ein Foto mache und das an die Online-Redaktion schicke. So handhaben wir das in allen Bereichen.

Was ist dabei die größte Herausforderung?

Das ist sicherlich die besondere Emotionalität des Fußballs und der Umgang damit. Gerade im Social-Media-Bereich kann bei dem einen oderen anderen schon mal die Ratio aussetzen, wenn die Enttäuschung groß ist. Und auch müssen wir permanent aufpassen, beim Blick hinter die Kulissen nicht zu weit zu gehen. Wir sind mit unseren Online- und Social-Media-Redakteuren nah an den Mannschaften, dort drehen wir unsere Beiträge für DFB-TV. Die Kamera nimmt kaum noch jemand wahr. Da muss man sensibel genug sein nichts rauszugeben, das die sportlichen Abläufe stören könnte. Es gibt immer noch Zonen, wo wir wegbleiben und nur selten Fotos posten, wie in den Kabinen oder im medizinischen Bereich.

Die internationale Fan-Base auf Facebook ist riesig. Wie arbeiten Sie daran, dass die Zahl internationaler Anhänger weiter steigt?

Die beste Werbemaßnahme sind nicht die Posts oder unsere Aktionen, sondern die Nationalmannschaft vor Ort. Das stellt alles andere in den Schatten. Es ist diese unglaubliche Strahlkraft der A-Mannschaft, die es an manchen Stellen für uns einfacher macht. Auf der anderen Seite sind wir im Social Media Bereich schon in Richtung Frankreich aktiv, weil wir natürlich auch für Unterstützung bei der EM 2016 werben wollen. Ähnlich haben wir es in Brasilien gemacht, wo wir beispielsweise Anzeigen mit: Wir freuen uns auf euch geschaltet haben. Das machen wir, um unseren Besuch schon mal vorzubereiten und um die positive Grundstimmung zu verstärken.

Gibt es PR-Aktivitäten in den sozialen Netzwerken, die bei den deutschen Fans funktionieren und bei den ausländischen Fans nicht?

Da habe ich ehrlich gesagt bisher keinen großen Unterschied festgestellt. Fußball ist international. Was man rund um die Mannschaft macht, klappt überall. Wir machen nichts Spezielles für China oder Frankreich. Alles ist übertragbar und funktioniert wahrscheinlich in der Konsequenz auch nur im Sport so.

Geben Sie den Spieler Tipps beim Posting?

Jeder Spieler hat ein gutes Gespür dafür, was er posten kann und was nicht. Ich habe eine Maxime, die ich den Kollegen mit auf den Weg gebe: Im Zweifel mal einen Tweet weniger machen. Ich verzichte lieber auf ein paar Klicks, als das irgendetwas rausgeht, was uns und den Teamgeist vor große Probleme stellen könnte.

Was ist ihr schönstes Erlebnis aus dem Online- und Social-Media-Bereich?

Das WM-Spiel im Maracana war sicherlich ein Highlight. Bastian Schweinsteiger mit der Deutschland-Fahne und den WM-Pokal tanzen zu sehen und das Ganze auf den DFB-Kanälen posten zu können. Es gab aber auch 2010 in Südafrika schon Highlights. Wir waren im WM-Quartier und Arne Friedrich kam in unser Medienbüro. Ich sagte ihm, dass ich mich bei den 10.000 Followern bei Twitter bedanken möchte. Mit einem Edding-Stift habe ich die Zahl 10.000 auf einen Zettel geschrieben und ihm das Blatt gegeben. Nach dem Foto stiegen die Zahlen im Verlauf des Turniers weiter an, so dass wir relativ schnell 15.000 hatten. Ich habe auf dem alten Zettel die 10.000 durchgestrichen und eine 15.000 daraus gemacht. Das haben wir so weitergemacht und am Schluss waren nur noch durchgestrichene Zahlen und die neue Follower-Zahl darauf. Der Zettel ist bei unseren „Twitter-Fans“ Kult geworden. Nach dem Turnier wurde er eingerahmt, unter den Followern verlost und bei einem Länderspiel in Köln auf dem Rasen übergeben. Das war eine schöne Aktion.

Holger Badstuber hält die neue Follower-Zahl in die Kamera (c) DFB

Holger Badstuber mit dem Gruß an alle 27.000 "Twitter-Fans" (c) DFB

 

 
Ralf Köttker (c) DFB
Ralf Köttker
Deutscher Fußball-Bund
Mediendirektor

Seit 2011 ist Ralf Köttker für die gesamte Kommunikation des DFB verantwortlich. Daneben verantwortet er als Geschäftsführer der DFB Online GmbH alle Online- und Social-Media-Auftritte des Verbandes. Zuvor arbeitete er als Fußballchef bei der Zeitungsgruppe "Die Welt", "Welt am Sonntag" und "Berliner Morgenpost".

 


randbemerkung

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