Hard Skills kann man lernen, entscheidend sind die Soft Skills. (c) Thinkstock/Besjunior
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Umfrage

Welches Rüstzeug hat der ideale PR-Volontär?

Wege in die Kommunikationsbranche gibt es viele, Qualifikationen dafür ebenso. Doch sind manche Bewerbereigenschaften für eine erfolgreiche Ausbildung entscheidender als formale Voraussetzungen, wie unsere Umfrage zeigt. 
Jens Hungermann

Dem Volontär ist nichts zu schwer? / Ach, wenn es doch so einfach wär‘ …

Zugegeben, das selbst erfundene Gedicht ist an dieser Stelle bereits zu Ende. Wie in anderen Branchen auch gilt für die Kommunikationsbranche: Begehrt als Bewerber sind motivierte junge Menschen, die sich für ihre Aufgaben nicht nur begeistern, sondern diese mithilfe fachlicher Anleitung rasch selbstständig und pflichtbewusst meistern. Ein blendender Studienabschluss sagt über derlei Eigenschaften in der Regel wenig aus. Zwischen Theorie und Praxis, das lehrt die Erfahrung, klafft eben oft eine missliche Lücke.

Rund zwei Drittel der Berufseinsteiger sind Quereinsteiger. Gerade für sie ist ein PR-Volontariat relevant und interessant. Wichtiger als formale Voraussetzungen wie der absolvierte Studiengang sind oftmals andere. Welche, das hat der pressesprecher fünf Kommunikationsexperten gefragt.

Die Frage lautete:

Stellen wir uns den idealen PR-Volontär vor: Welches Rüstzeug bringt er/sie Ihrer Vorstellung nach mit?

Michael Helbig

Michael Helbig (c) KfW Bank

„Der ideale PR-Volontär im Unternehmen bringt dreierlei mit: Zum einen hat er oder sie ein gutes allgemeines ökonomisches Grundverständnis, gekoppelt mit einer journalistischen oder kommunikationsbezogenen Ausbildung. Drittens hat er ein Gefühl für Prozesse und Systemlogiken eines Unternehmens.“

Michael Helbig ist Direktor Kommunikation bei der KfW-Bankengruppe.

 

Oliver Schumacher

Oliver Schumacher (c) Deutsche Bahn AG

„Wir begrüßen regelmäßig Volontäre an Bord der DB. Am liebsten Langstreckenläufer, die auch mal sprinten können. Elementar sind Spaß und Neugier am Kommunikationsberuf, Leistungsbereitschaft und Ausdauer. Das betone ich, damit junge Leute nicht mit falschen Vorstellungen in die Kommunikationsbranche gehen – egal ob sie im Agenturbereich groß werden wollen oder im Unternehmen.

Wer in der Kommunikation der Bahn starten will, den erwartet ein breites Spektrum an Aufgaben und Stationen. Wir trainieren sowohl das klassische PR-Geschäft als auch das Einmaleins des Marketings. Zu uns kommen junge, engagierte Köpfe mit einem ersten Studienabschluss und einer gewissen Portion Erfahrung – zum Beispiel durch Praktika oder erste Jobs. Mindestens genauso wichtig sind für uns Bodenhaftung und das Interesse der Volontäre für die Welt ‚draußen‘. Es ist gerade für einen Kommunikationsprofi unabdingbar, dass sie/er das Ohr an den Menschen hat. Sicheres Texten sowie Erfahrung im Videodreh oder der Bildbearbeitung kann man lernen – Neugier nicht.

Ein Kommunikationsstudium ist für einen PR-Volontär sicherlich hilfreich, aus meiner Sicht aber nicht zwingend erforderlich. Es kann auch ein Politikstudium sein oder auch ein Wirtschafts- oder Umweltstudium.“

Oliver Schumacher ist Leiter Kommunikation und Marketing bei der Deutschen Bahn.

 

Thomas Mickeleit

Thomas Mickeleit (c) privat

„Abgesehen von den üblichen Softskills wie Neugier, Begeisterungs- und Teamfähigkeit etc. braucht ein Volontär die Bereitschaft, sich auf das Unternehmen einzulassen und lernen zu wollen. Wir suchen ja nicht nach Uni-Absolventen in der Erwartung, die würden schon alles können. Das Volontariat ist geradezu ideal, um in einer ‚geschützten Zone‘ Dinge auszuprobieren, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen und dabei schnell eigene Verantwortung zu übernehmen.“

Thomas Mickeleit ist Mitglied der Geschäftsleitung und Director of Communications bei Microsoft Germany.

 

Ulrich Kirsch

Ulrich Kirsch (c) privat

„Jeder PR-Volontär, jede Volontärin muss Lust auf Menschen haben. Er oder sie sollte fasziniert sein von Geschichten und selbst gut Geschichten erzählen können. Als absolute Kernkompetenz sehe ich, dass jemand zu schreiben versteht. Das klingt vielleicht banal, ist es aber keineswegs. Wir Kommunikatoren schreiben keine wissenschaftlichen Texte, sondern wir schreiben nützliche Texte, manchmal werbliche Texte, vielfach Texte, die unverständliches Expertenwissen für ein Laienpublikum verständlich machen, und Texte, die ein Unternehmen ins rechte Licht rücken − mit seinen Menschen, seinen Leistungen, seiner Strategie und seiner Besonderheit.

Und ein PR-Volontär sollte reden können, Reden beurteilen können, Reden so schreiben können, dass man sie vortragen, am besten sogar am Ende frei sprechen kann.

Ein idealer Volontär ist von seiner Persönlichkeit her so angelegt, dass er keine Angst vor Hierarchien und Chefs hat, dass er in die Rolle hineinwachsen kann, später als der engste Berater der Chefs ‚auf Augenhöhe‘ sprechen kann. Dazu muss er nicht nur sein kommunikatives Handwerk beherrschen, sondern wissen, was entscheidend, was existenziell ist für seinen Arbeitgeber. Er muss Zusammenhänge begreifen und sich in die Rolle des Chef oder der Chefin versetzen können, für den oder die er spricht. Dazu gehört zweifelsohne eine erhebliche Portion Mut. Ohne Mut wird man am Ende nur Servicekraft bleiben, nicht aber vordringen in Bereiche wie Themenmanagement, Beratung und Coaching, die zur Profession der verantwortlichen Kommunikatoren aber unabdingbar dazugehören.“

Ulrich Kirsch ist Geschäftsführer Kommunikation und Presse des Arbeitgeberverbandes Hessenmetall und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sowie Bildungsbeauftragter im Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP).

 

Annika Schach

Annika Schach (c) Katrin Probst Photography

„Der ideale PR-Volontär bringt ein grundlegendes Verständnis von Kommunikation und Reflexionsfähigkeit mit und besitzt gute kommunikative Fähigkeiten. Sehr wichtig sind eine hohe Text- und Sprachkompetenz und strategisches Verständnis. Aber nicht zuletzt sind auch Quereinsteiger mit interessanten Lebensläufen gefragt, aus denen die Leidenschaft für ein bestimmtes Thema ersichtlich wird. Es geht um eine stringente, aber nicht unbedingt lineare Vita. Entscheidungsgrundlage ist oftmals die menschliche Passung zur Organisation.“

Annika Schach ist Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover.

 

Kurz und knapp: Das PR-Volontariat

Die Wege in die Welt der PR und des professionellen Kommunikationsmanagements sind nach wie vor sehr verschieden. Ein Pfad, der in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat, ist das PR-Volontariat. Es richtet sich zuvorderst an Hochschulabsolventen. Das Volontariat ist praxisorientiert und für gewöhnlich auf eine Dauer von zwölf bis 24 Monaten begrenzt und mit einem – mal mehr, mal weniger − strukturierten Ausbildungsplan hinterlegt. Laut einer Umfrage des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) bevorzugen Unternehmen solche Hochschulabsolventen, die berufsbedingt studiert haben – beispielsweise Medien- und Kommunikationswissenschaften. 

 

 
 

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