Welcher Spitzen-Manager redet am verständlichsten? (c) Thinkstock/kasto80
Welcher Spitzen-Manager redet am verständlichsten? (c) Thinkstock/kasto80
Klartext, bitte!

Welchen CEO versteht man am besten?

Mit Wortungetümen  wie  "Betriebsunterbrechungsversicherungen“ machen es CEOs ihrern Zuhörern schwer. Glücklicherweise bemühen sich Spitzen-Manager zunehmend, verständliche Reden zu halten. Das ergab eine Zwischenbilanz der Uni Hohenheim, die noch bis Ende Mai die CEO-Reden der DAX 30 auf Verständlichkeit untersucht.
Felicitas Ernst

Deutschlands Spitzen-Manager bemühen sich zunehmend, verständliche Reden auf ihren Hauptversammlungen zu halten. Dies ergab eine Zwischenbilanz der Universität Hohenheim, die noch bis Ende Mai die CEO-Reden aller Dax-30-Unternehmen auf formale Verständlichkeit untersucht. Auf einer Skala von 0 (Minimalwert) bis 20 (Maximalwert) lag der Wert zur Halbzeitbilanz 2014 bei 13,1 Punkten. Vor drei Jahren hatte er noch bei 9,8 gelegen. Basis des Rankings ist der Hohenheimer Verständlichkeits-Index, die der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, Professor an der Universität Hohenheim, entwickelte.

Zur Halbzeit führen gleich zwei Redner das Ranking an: VW-Chef Winterkorn und der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, mit jeweils 17,2 Punkte auf dem Index. Vor allem Winterkorn (Vorjahreswert 13,0) hat sich damit wesentlich verbessert. Insgesamt haben sich die meisten Redner der ersten Halbzeit im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Ausnahmen sind Peter Terium (RWE), der weniger verständlich ist als im letzten Jahr, Elmar Degenhart (Continental) und Nikolaus von Bomhard (Münchener Rück). Lufthansa-Chef Spohr erreicht bei seiner ersten Rede als Vorstandsvorsitzender der Lufthansa 13 Punkte.

Ranking zur Verständlichkeit von CEO-Reden 2015

Die formale Verständlichkeit von CEO-Reden zur Halbzeit der Hauptversammlung (c) Universität Hohenheim

(Zur Vergrößerung Diagramm bitte anklicken)

 

Die wesentlichen Verständlichkeits-Hürden sind:

  • Bandwurmsätze: „Wir sind bei der Installation der HGÜ-Plattformen in der Nordsee deutlich vorangekommen und konnten die gemachten Erfahrungen dazu nutzen, Neuaufträge mit deutlich verbesserten Rahmenbedingungen zu landen, beispielsweise bei Borwin 3 mit einem Auftragsvolumen von fast 1 Milliarde Euro für das Konsortium, an dem Siemens beteiligt ist.“ (46 Wörter) (Siemens, Kaeser)
  • Schachtelsätze: „In Berlin hat ERGO ein Digital-Lab eingerichtet, in dem fernab der allzu kühne Ideen oft behindernden Büroumgebung neue digitale Anwendungen für unsere Kunden entwickelt werden.“ (Münchener Rück, von Bomhard)
  • Passivsätze: „Zusätzliches Geschäft soll durch Wachstum in verwandten Märkten, wie etwa im Bahn-Catering oder bei der Versorgung von Bildungseinrichtungen generiert werden.“ (Lufthansa, Spohr)
  • Nicht erklärte Fachbegriffe, zusammengesetzte/ lange Wörter: Betriebsunterbrechungsversicherungen (Münchener Rück, von Bomhard), Effizienzsteigerungsmaßnahmen (ThyssenKrupp, Hiesinger), Fixed Index Annuities (Allianz, Diekmann), disruptive Technologien (Merck, Kley)

Einige Grundregeln für verständliche Reden

  • kurze Sätze
  • gebräuchliche Begriffe verwenden
  • Fachbegriffe übersetzen/ erklären
  • zusammengesetzte Wörter (Wortungetüme!) möglichst vermeiden

Positiv-Beispiele:

  • „Mehr als 280.000 Geräte betreuen und optimieren wir über sicheres Internet mit unseren Remote-Services, also der Fernwartung für unsere Kunden.“ (Siemens, Kaeser)
  • „Die Schaden-Kosten-Quote, also das Verhältnis zwischen Aufwendungen für Schäden und Kosten zu den Prämieneinnahmen, konnten wir bei sehr guten 94,3 Prozent halten.“ (Allianz, Diekmann)
  • „Wir nennen das “Corporate Memory”. Das bedeutet, unser gesamtes Wissen allen im Haus transparent zu machen und im Unternehmen umfassend anzuwenden.“ (Siemens, Kaeser)
  • „Dass uns dies gelingt, zeigt der Erfolg unserer UB-FFS-Technologie (Ultra-Brightness Fringe Field Switching). Das ist ein neuer Schaltmodus, mit dem die Lichtdurchlässigkeit von Displays um 15 Prozent erhöht wird.“ (Merck, Kley)

 

 
 

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