Können CEOs wirklich etwas von Donald Trump - hier bei einer Rede im Jahr 2015 - lernen? (c) Wikimedia Commons / Gage Skidmore/ CC BY-SA 3.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
Können CEOs wirklich etwas von Donald Trump - hier bei einer Rede im Jahr 2015 - lernen? (c) Wikimedia Commons / Gage Skidmore/ CC BY-SA 3.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
CEO-Positionierung

Was sich von Donald Trump lernen lässt

Konflikte statt Konsens: Mit seiner aggressiven Art zu kommunizieren, prägt und entfacht der US-Präsident Debatten. Sehen wir in ihm möglicherweise einen Typus CEO der Zukunft?
Jens Hungermann

Ursprünglich, sagt Torsten Oltmanns, habe er seine Keynote mit einem Loriot-Beispiel beginnen wollen. Der Kosakenzipfel. Das Bild hängt schief. Oder Herr Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner in der Badewanne. Selbst bei den jüngeren Zuhörern im Plenum hätte das sicherlich Assoziationen ausgelöst. Im Grunde alle Loriot-Sketche spielten in einer Zeit, so Oltmanns, „in der Menschen versuchten, den Konventionen zu genügen“.

Und heute? Heute schert sich selbst mancher Staatsmann wenig bis gar nicht um Konventionen. Bestes, schlechtes Beispiel: Donald Trump. Das ist einerseits befremdlich. Andererseits aber irgendwie auch faszinierend zu beobachten, folgt man Oltmanns, Partner bei Roland Berger und Forschungsprofessor an der Quadriga Hochschule Berlin.

Den Präsidenten der Vereinigten Staaten in dessen ureigenem, brachialem Kommunikationsverhalten zu beobachten, bedeute demnach, möglicherweise einen Typus Führungspersönlichkeit zu erleben, dem die Zukunft gehört. „Wir Kommunikatoren sagen immer, es gehe um Emotionen. Die meisten CEOs aber suchen das Gegenteil“, meint Oltmanns. Sie scheuen politische Meinungsäußerungen, erkämpfen nicht die Deutungshoheit. „Ein Thema in einen Konfliktraum zu stellen, in dem man auch verlieren kann, ist bei den meisten CEOs eine ungewöhnliche Idee.“

Anders Trump, der als Staatschef in seinem Handlungsmuster einem CEO ähnelt. „Die Authentizität ist eine der Dynamiken hinter seinem Erfolg.“ Jedenfalls habe der US-Präsident ein Motto verinnerlicht, das Oltmanns auf der ersten Tagung CEO-Kommunikation in Berlin am Mittwoch so verdichtete: „Ohne Konflikt keine Aufmerksamkeit.“ Und wenn es keinen Konflikt gibt, wird eben einer inszeniert für die Öffentlichkeit oder für Teilgruppen der Öffentlichkeit.

Trump führt meinungsstark und offensiv

Trump versuche gar nicht erst, konsensual zu agieren oder Rollenerwartungen zu genügen. „Auf eine sehr elegante“ – hier korrigierte Oltmanns sich schmunzelnd – „nein, besser: durchdachte Art“ erreicht er seine kommunikativen Ziele. Twitter ist sein wichtigstes Werkzeug. Mithilfe des Kurznachrichtendienstes zwinge er dazu, seine Themen anzunehmen.

Auf Vorwürfe reagiere Trump mit Gegenangriffen, „oder er lanciert bereits den Gegenangriff, bevor der Vorwurf überhaupt da ist“. Es sei schwierig, sich dieser Form der Aggression zu entziehen.

Sichtbar wird am Beispiel Trump, wie er – zumindest bei seinen Anhängern − ein Grundbedürfnis befriedigt: das nach Orientierung. „Mit diesem werden CEOs ganz stark in Verbindung gebracht. CEOs können sich nicht länger hinter Zahlen und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten verstecken. CEOs müssten Sinn geben, erklären, müssten stärker die Stimme erheben und sichtbarer sein, als sie es aktuell sind“, appelliert Oltmanns.

Ein Problem, gerade für Kommunikatoren, die ihren Chef positionieren wollen (oder müssen): Eigentlich wollen sich die meisten CEOs aus dieser Rolle zurückziehen. Sie wollen Manager sein, aber keine öffentlich mit starker eigener Meinung wahrnehmbare Führungsfiguren. Oltmanns Mahnung lautet drum: „Die CEO-Kommunikation ist heute viel politischer als noch vor 20 Jahren. Sie müssen heute in Mehrheiten denken, nicht mehr in Konsensen.“

Die Bonner Konsensrepublik ist tot − es lebe die Berliner Konfliktrepublik?

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Einige Dax- und Mdax-CEOs haben 2020 an Medienpräsenz und Reputation verloren, andere gewonnen. (c) Getty Images/seb_ra
Foto: Getty Images/seb_ra
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Spohr und Rorsted verlieren, Bruch gewinnt

Die Chefs von Lufthansa und Adidas waren im vergangenen Jahr stärker in den Medien präsent, haben aber an Reputation eingebüßt. Zu den Aufsteigern im Medienpräsenz-Ranking von Keynote gehört der Chef von Siemens Energy. »weiterlesen
 
BMW bündelt seine Unternehmens- und Markenkommunikation in einer neu geschaffenen Agentur. (c) Getty Images/scaliger
Foto: Getty Images/scaliger
Lesezeit 1 Min.
Meldung

BMW bündelt Kommunikation in Exklusiv-Agentur

Der BMW-Konzern richtet seine Unternehmens- und Marketingkommunikation für die Marke BMW neu aus: Eine maßgeschneiderte Agentur soll die Bereiche enger verzahnen. PR und Social Media kommen künftig aus London. »weiterlesen
 
In der Corona-Krise erhielt die Bundesregierung einen enormen Vertrauenszuwachs in der Bevölkerung. (c) Getty Images/ EnricoAgostoni
Foto: Getty Images/ EnricoAgostoni
Lesezeit 2 Min.
Studie

Corona-Krise: Regierung gewinnt an Vertrauen

Das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Regierung ist infolge der Corona-Krise stark gestiegen, zeigt eine Studie. Aber auch Wirtschaft, Medien und NGOs haben profitiert. »weiterlesen
 
Ilka Brecht moderiert „Frontal21“ seit 2014. Ein Jahr später wurde sie Redaktionsleiterin. (c) Svea Pietschmann/ZDF
Foto: Svea Pietschmann/ZDF
Lesezeit 7 Min.
Interview

Das Format für unangenehme Fragen

„Frontal21“-Redaktionsleiterin Ilka Brecht über die Recherchepraxis der Politmagazine von ARD und ZDF und den Vorwurf der Voreingenommenheit. »weiterlesen
 
Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe hält den persönlichen Kontakt zu Kolleg:innen und Journalist:innen für unabdingbar. Auch das Büro wird seiner Ansicht nach wieder an Bedeutung gewinnen. (c) Gerald Starke
Foto: Gerald Starke
Lesezeit 8 Min.
Interview

„Nichts ist wichtiger als persönliche Kontakte“

Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe spricht im Interview über Lehren aus der Coronakrise, digitale Formate und negative Entwicklungen in den Medien. »weiterlesen
 
Inklusion heißt, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung einzugehen. (c) Getty Images/Zinkevych
Foto: Getty Images/Zinkevych
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Inklusion ist Führungssache

Zahlreiche Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt, inklusiv zu sein und ihre Arbeitsplätze und -abläufe behindertengerecht zu gestalten. Wie können Vorgesetzte diesen Prozess unterstützen? »weiterlesen