Ein Blick in die Themenpläne von Redaktionen verrät, was die Medien interessiert. (c) Getty Images/artisteer
Ein Blick in die Themenpläne von Redaktionen verrät, was die Medien interessiert. (c) Getty Images/artisteer
Print-Journalismus

Was Redaktionen wollen

Die Themenpläne in deutschen Medienredaktionen haben sich seit 2015 deutlich verändert. Welche Themen sind Dauerbrenner? Wo gibt es Veränderungen? Welche Trends sind zu erkennen? Eine Analyse.
Fabian Gerstenberg

Eines fällt sofort auf: Wie auf diversen Social-Media-Kanälen einiger Influencer gewinnen Beautythemen auch für die klassischen Medien stark an Bedeutung. Bei den Zeitungen erhöhte sich der Anteil geplanter Redaktionsthemen seit 2015 sogar um 400 Prozent.

Außerdem ist Gesundheit Trend. Innerhalb der vergangenen vier Jahre steigt vor allem bei den Publikumszeitschriften und Zeitungen die Anzahl geplanter Gesundheitsthemen. Zeitungsredaktionen mögen das Thema vor allem im Frühjahr und gegen Ende eines Jahres. In den Wintermonaten bekommen die Konsumenten vermehrt Erkältungs-, Grippe-, Schnupfen und Hustenthemen mit entsprechenden Behandlungsempfehlungen präsentiert.

Die Berichterstattung über Themen wie Smart-Home und allgemeine Bauinhalte nimmt seit 2015 kontinuierlich zu. Insbesondere Zeitungen haben großes Interesse an entsprechenden Inhalten und setzen das erhöhte Produktangebot dieser Branche in den Fokus. Die Redaktionen animieren ihre Leserschaft, den eigenen Wohnraum mit Sicherheitstechnik aufzurüsten.

Bildungs- und Umweltthemen verlieren hingegen massiv an Bedeutung.

Sportberichterstattung

Olympia, WM und EM sorgen für mehr Sportinhalte in den Printmedien. Bei den Publikums- und Fachmedien hingegen machen sich die Sportveranstaltungen eher wenig bemerkbar. Zeitungen berichten dafür sehr ausführlich über die jeweiligen Events. Auffällig ist auch, dass in diesem Jahr neben der Fußball-WM vor allem für die Sommermonate vermehrt Tennis- und Golfsportinhalte geplant sind.

Beauty

Hautpflege, schöne Haare, Lippenstift, Nagellack: Beautythemen werden wie in den Vorjahren bei den Publikumsmedien verstärkt in der ersten Jahreshälfte aufgegriffen. Gegen Mitte/Ende des Jahres verringert sich die Anzahl kontinuierlich. Dann geht es wieder mit Plätzchenrezepten und Dekothemen los.


Redaktionen klassischer Medien planen die Inhalte zukünftiger Medienausgaben in Form von Redaktionsplänen. Aus diesen internen Dokumenten leiten sie Themenpläne ab, die entweder in den jeweiligen Mediadaten veröffentlicht oder interessierten Kommunikatoren auf Nachfrage zur Verfügung gestellt werden. Häufig bilden die Themenpläne oder Sonderthemenpläne die redaktionellen Inhalte eines gesamten Jahres ab und stehen ab Herbst/Winter des jeweiligen Vorjahres zur Verfügung. Für den aktuellen „Themenmonitor 2018“ wurden die geplanten Redaktionsthemen der Zeitungen, Publikums- und Fachmedien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für die Jahre 2015 bis 2018 analysiert.


Bau

Printmedien planen insbesondere für die Herbstmonate die meisten Bauthemen. Für Zeitungsredaktionen ist der Oktober ein „Baumonat“. Zu keinem anderen Zeitpunkt 2018 bekommen die Leser mehr Inhalte aus dem Bereich Bauen, Wohnen und Einrichten präsentiert.

Energie

Zu Hause soll es schön warm sein: Im April gibt es die meisten Energiethemen in den Printmedien. Bei Publikumszeitschriften sind auch für September relativ viele Solar- und Heizthemen geplant. Fachmedien berichten im gesamten Jahr gern und viel über Strom- und Heiztechnik.

Finanzen

Finanz-, Gastro- und Handelsinhalte werden kontinuierlich über das Jahr in den klassischen Medien gespielt. Der Anteil ist im Vergleich zu den anderen Branchenthemen allerdings relativ gering.

IT

Es gibt zahlreiche IT-Fachmedien. Entsprechend hoch ist der Anteil an Redaktionsthemen in dieser Mediengattung. Über die große Messe Cebit im Juni wird auch außerhalb der Fachmedien viel geschrieben. Publikumsmedien berichten jedoch vermehrt gegen Mitte/Ende des Jahres über Soft- und Hardware und Themen wie Datensicherheit und Cloud Computing.

Mobilität

Verwunderlich ist, dass 2018 Mobilitätsthemen für Zeitungen eine untergeordnete Rolle spielen. Obwohl die Industrie Themen wie Elektromobilität und autonomes Fahren bewirbt, werden diese Inhalte nur von Fachmedien aufgegriffen und eher wenig durch Publikumsmedien weiterverwertet. Einzig die IAA führt im September zu einer leicht erhöhten Berichterstattung über die Automobilbranche.

Reise

Deutsche Küste, Mittelmeer und Fernreisen: Die Deutschen, die Österreicher und die Schweizer sind gern unterwegs. Das spiegelt sich auch in redaktionellen Beiträgen wider. Vor allem für die Monate Mai, Juni und Juli sind relativ viele Reiseinhalte geplant.

Umwelt

Der Anteil geplanter Umweltthemen ist in den letzten Jahren rückläufig. Die meisten Inhalte sind bei den Publikumszeitschriften für Oktober und Dezember geplant. Zeitungen berichten im Februar und Juni über Natur und Umwelt.

Generell ist es so, dass Redaktionen und Verlage durch ihre Themenpläne zahlreiche Themen vorgeben. Das wahre Leben – insbesondere unerwartete Entwicklungen und Investitionen der Industrie – kann jedoch dazu führen, dass geplante Medienthemen zeitlich verschoben werden. Da sich allerdings weniger als 13 Prozent der geplanten Redaktionsthemen im Laufe eines Jahres ändern, kann behauptet werden, dass sich die klassischen Medien trotz äußerer Einflüsse ihre inhaltliche Autorität erhalten.

Wichtig für PR-Agenturen bleibt, den Redaktionen entsprechende Inhalte rechtzeitig und zielgenau zur Verfügung zu stellen. Wenn bekannt ist, dass ein Zielmedium zu einem bestimmten Zeitpunkt relevante Inhalte geplant hat, sollte die Agentur in der Lage sein, möglichst mehrere Monate im Voraus die benötigten Informationen wie Fachartikel oder Studienergebnisse an die Hand geben.

 

 
 

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Kommentare

Interessant wäre eine Analyse, warum Themen wie Bildung und Umwelt gegenüber Beauty, Smart Home, Zuhause generell und nachhaltig verlieren und welche Ursachen bzw. Untersuchungen der Themenplanung der Medien hierzu zugrunde liegen (Umfragen, Studien, Demografie, ...).


randbemerkung

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