Was Pressesprecher in Sachen Körpersprache von Donald Trump lernen können – und was sie sich besser nicht abschauen sollten. (c) Wikimedia Commons / Gage Skidmore/ CC BY-SA 3.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
Was Pressesprecher in Sachen Körpersprache von Donald Trump lernen können – und was sie sich besser nicht abschauen sollten. (c) Wikimedia Commons / Gage Skidmore/ CC BY-SA 3.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
Körpersprache

Was PRler sich von Donald Trump abschauen können

Die Macht der Körpersprache: Was Pressesprecher vom US-Präsidenten lernen können – und was sie sich besser nicht abschauen.
Monika Matschnig

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird? Nein? Dann sind Sie in guter Gesellschaft, denn angeblich glaubte er, genauso wie ein Großteil der Weltöffentlichkeit, nicht einmal selbst daran. Trotzdem wählten die Amerikaner Trump zu ihrem 45. Präsidenten. Einen Mann, der lieber twittert als spricht, der eher trennt als vereint, der gerne Wahrheit in Lüge umkehrt, der brüllt und droht, der torpediert statt kooperiert.

Trumps Chancen stehen gut, dass eine zweite Amtszeit folgen wird. Bereits jetzt ist er im Wahlkampfmodus und mobilisiert erneut seine Anhänger. Mit einfachen Parolen und extrem wenigen Gesten hat er seine Zuhörer im Griff. Über die Art und Weise lässt sich streiten, doch seine Bühnenperformance zeigt Wirkung – nicht nur in Amerika.

Bei aller Distanz, eines muss man Trump zugestehen: Bei seinen öffentlichen Auftritten beherrscht er die Inszenierung nahezu perfekt und macht in Sachen Körpersprache vieles richtig. Er lässt Gesten stehen, setzt Gesten vor dem Wort. Das wirkt. Gesten haben eine enorme Macht.

Die Amerikanerin Vanessa van Edwards, Expertin für Körpersprache, hat sich sinngemäß die Frage gestellt: „Warum sind manche Redner sehr erfolgreich?“ Sie forschte und machte die faszinierende Entdeckung: Gesten, der Einsatz der Armbewegungen, sind ein entscheidender Punkt.

Donald Trump verwendet binnen 70 Minuten 651 Gesten. Barack Obama „nur“ 612. Van Edwards ist der Meinung, dass Worte durch den korrekten Einsatz von Gesten um das Zwölffache verstärkt werden.

Das Geheimnis hinter wirkungsvollen Gesten

Warum sind Gesten so mächtig? Weil sie den Unterschied ausmachen zwischen einer Rede und einer echten Performance. Wir können mit Gesten unsere Botschaft verstärken, Worte ersetzen, Gefühle zeigen, der Stimme Dynamik verleihen und flexibler denken. Gesten geben dem Zuhörer das Zeichen „Achtung! Zuhören! Es wird jetzt wichtig.“ Und so steigt automatisch die Aufmerksamkeit.

Machtvoll wirken Gesten besonders dann, wenn sie gezielt eingesetzt und in Ruhe ausgeführt werden. Sparsame Gestik verfängt mehr. Sie wirkt glaubwürdig und vermittelt Stärke. Menschen suchen und folgen gerne solchen „Anführern“, die ihnen den Weg weisen.

Genau wie seine Reden es sind, ist auch Trumps Körpersprache klar und einfach. Sein Repertoire umfasst im Grunde lediglich vier Gesten. Dieses minimalistische Feuerwerk setzt er für seine Zielgruppe sehr häufig passend, überzeugend und auf den Punkt genau ein. Was das betrifft, können sich Kommunikatoren von Trump einiges abschauen

Die Präzisionsgeste

Zeigefinger und Daumen werden zu einem gestischen „O“ geformt. Verwenden Führungskräfte diese Geste, wollen sie sagen, dass alles penibel und akkurat getestet beziehungsweise erarbeitet wurde. Sehr effektiv zum Beispiel, wenn Sie darauf hinweisen wollen, wie präzise Sie an einem Plan, einer neuen Strategie oder Idee gearbeitet haben. Diese Geste können Sie auch verwenden, wenn Sie einen Experten zitieren, auf Statistiken oder wissenschaftliche Erkenntnisse hinweisen.

Der Belehrungsfinger

Wollen Sie, dass Ihnen jemand zuhört, dann strecken Sie den Zeigefinger senkrecht nach oben. Der Zeigefinger erregt Aufmerksamkeit. Alles blickt auf diesen einen Punkt: „Hören Sie mir zu! Ich habe etwas Wichtiges zu sagen.“ Nutzen Sie die Geste zum Beispiel, wenn Sie gezielt Aufmerksamkeit erzeugen möchten, den Fokus auf eine essenzielle Botschaft richten oder gehört werden wollen. Aber bitte nur, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben.

Die Pistole

Den nach vorne ausgestreckten Zeigefinger verwenden Menschen, wenn sie jemandem drohen oder ihre Macht demonstrieren wollen. Aber Achtung: Andere anwesende Personen reagieren eher negativ darauf. Sprechen Sie jedoch über eine „dritte Person“ oder eine „Sache“, dann kann diese Geste äußerst stark wirken. Werden Sie unfair angegriffen, dann kann diese Geste überzeugend wirken.

Die Wischbewegung

Wenn Donald Trump eine Rede hält – viele hoffen, dass er sie vollständig abliest –, hat man häufig den Eindruck, dass er eine unsichtbare Fensterscheibe sauberwischt. Was diese Geste bedeutet? Nichts. Sie ist einfach eine Macke, möglicherweise sein Konzentrationsmechanismus. Eine Nachahmung empfiehlt sich hier nicht.


Eine deutlich effektivere Alternative, um Menschen – bildlich gesprochen – mitzunehmen, ist die einladende „Willkommen- Geste“. Hier streckt man mit einer Hand oder beiden Händen den oder die Arme nach vorne, die Handinnenflächen sind nach oben gerichtet. Denken Sie einfach an die Zeiten, als Thomas Gottschalk noch „Wetten, dass …?“ moderierte, dann wissen Sie genau, welche Geste ich meine. Diese Bewegung wird immer positiv wahrgenommen, da man den Anschein erweckt, etwas zu geben – auch wenn man in Wirklichkeit vielleicht eine schwierige Botschaft platzieren muss.

Pressesprecher sind Aushängeschilder eines Unternehmens. Sie stehen oft im Rampenlicht und haben die Aufgabe, das Unternehmen ins rechte Licht zu rücken. Sie müssen je nach Botschaft die gewünschte Atmosphäre hinterlassen – bei den Medien, den Zuschauern, den Mitarbeitern und so weiter. Sprecher sind somit Inszenierungsmeister des Unternehmens und ihre Wirkung hinterlässt Spuren. Sprecher wirken immer und überall. Die Frage ist nur wie?

 

 

 
 


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