Was erwarten Redakteure und Kommunikatoren voneinander? (c) Getty Images / BrianAJackson
Was erwarten Redakteure und Kommunikatoren voneinander? (c) Getty Images / BrianAJackson
Umfrage

Was Journalisten wollen

Beste Freunde oder Gegenspieler? Eine Umfrage unter Kommunikatoren und Redakteuren liefert Fingerzeige, was beide Seiten voneinander erwarten und erhoffen. Für die PR sind die Antworten lehrreich – jedoch nicht immer schmeichelhaft.
Jens Hungermann

Für alle Kommunikatoren, die regelmäßig mit Media Relations zu tun haben, gehört diese Frage zu den allzeit relevanten (und mitunter rätselhaften): Was wünschen sich Journalisten eigentlich von Pressesprechern? Oder, anders ausgedrückt: Wie wollen Medienvertreter in ihrer Arbeit von Unternehmen und Organisationen am liebsten unterstützt werden? Womit sind sie am zufriedensten?

Eine Umfrage der BdP-Landesgruppe Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland in Kooperation mit dem Frankfurter Presseclub ist den Fragen nachgegangen. Die Ergebnisse der Erhebung wurden kürzlich publiziert. Zwar ist die Datenbasis der Online-Umfrage nicht repräsentativ. Dennoch liefern die Antworten relevante Indizien und Fingerzeige für den Berufsalltag von Kommunikatoren.

Schnelle Zitate, konkrete Antworten

Folgende Motive ziehen sich wie ein roter Faden durch die Antworten der befragten Journalisten. Sie wünschen sich: Ehrlichkeit, Erreichbarkeit, Verständnis für ihre Arbeitsweise und ihre Fragen sowie relevante Informationen anstelle von Pressemitteilungen versendet nach dem Gießkannenprinzip.

Insbesondere das qualitative, offene und anonyme Feedback enthält manch schmerzhafte Wahrheit und Erkenntnis. „Vermittlung von Gesprächen mit den Verantwortlichen, schnelle Fakten, keine Verhinderungspolitik“ hätte ein Umfrageteilnehmer gern. „Lieber ein aufrichtiges ‚Kein Kommentar‘ als eine Lüge“, wünscht sich ein anderer. Einer fordert „schnelle Antworten auf meine Fragen, ohne im Nachgang zum Telefonat alles nochmal per Mail senden zu müssen. Schnelle Zitate, die konkrete Antworten geben, nicht das ewig weichgespülte Blabla nach Meeting-Marathon und laut offizieller Firmensprachregelung“.

Was das bevorzugte Kommunikationsmedium betrifft, unterscheiden sich Journalisten und Pressesprecher deutlich. Während Journalisten Informationen von Unternehmen oder Institutionen am liebsten im persönlichen Gespräch oder per Telefon erhalten möchten, ziehen Pressesprecher die schriftliche Mitteilung – also Pressemeldungen oder E-Mails – vor. Ein Grund für Letzteres dürfte sein, dass Sprecher in E-Mails eine Art Schutz vor Missverständnissen sehen – oder vor Missinterpretationen.

 

Bemerkenswert ist auch, für wie glaubwürdig beide Seiten einander halten. Auf einer Skala von 1 (sehr) bis 6 (überhaupt nicht) vergeben 64 Prozent der Pressesprecher für Redakteure eine 1 oder 2. Umgekehrt vergeben lediglich 24 Prozent der befragten Redakteure für Pressesprecher eine 1 oder 2. Hingegen wählen 45 Prozent die 3 als Antwort (siehe Infografik).

Die Frage im Titel der Umfrage scheint sich damit vorerst von selbst zu beantworten. Sie lautet: „Beste Freunde?“


Zur gesamten Dokumentation der Umfrage-Ergebnisse geht es hier:

 

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Neben Microsoft will eine Vielzahl weiterer Firmen CO2-neutral werden. / Klimaneutralität: (c) Getty Images/angkhan
Klimaneutralität: (c) Getty Images/angkhan
Analyse

Microsofts Klimaziele – andere sind weiter

Vergangene Woche verkündete Microsoft den Start seiner Klima-Initiative. Welche Unternehmen haben sich noch in Sachen Klimaneutralität positioniert? »weiterlesen
 
Um sich von dem ultrakonservativen TV-Sender Fox News zu distanzieren, hat Disney zwei seiner Filmstudios umbenannt. (c) Getty Images / Byrdyak
Foto: Getty Images / Byrdyak
Meldung

Wegen Fox News: 20th Century Fox künftig ohne Fox

Disney will nicht mehr mit dem konservativen TV-Sender Fox News in Verbindung gebracht werden – und streicht zwei seiner Filmstudios kurzerhand das „Fox“. »weiterlesen
 
Chinas Versuch, das Image hierzulande aufzupolieren, scheiterte – bislang. / China: (c) Getty Images/Rawf8
China: (c) Getty Images/Rawf8
Meldung

Chinesische PR auf Kosten deutscher Firmen

China will sein Image hierzulande mit einem eigenen Newsportal aufpolieren. Dafür bezahlen sollen deutsche Konzerne. »weiterlesen
 
Change erschüttert unsere Grundbedürfnisse. So kann die interne Kommunikation Unterstützung bieten. (c) Getty Images / andy0man
Foto: Getty Images / andy0man
Kolumne

Wenn Change die Grundbedürfnisse erschüttert

Im Change sind die meisten unserer Grundbedürfnisse erschüttert. Wie kann die interne Kommunikation Mitarbeiter in solchen Situationen unterstützen? »weiterlesen
 
Dürfen Kommunikatoren das Instrument der Lüge nutzen? / Symbolbild: (c) Getty Images/serazetdinov/SIphotography
Foto: Getty Images/serazetdinov/SIphotography
Analyse

Ist es legitim, Kampagnen auf Lügen aufzubauen?

Sommarøy zeigt, wie „Lügen“ eine Kampagne krachend scheitern lassen, "Zitrön" beweist das Gegenteil. Wie genau sollte es die PR mit der Wahrheit nehmen? »weiterlesen
 
Christof Schmid ist neuer Head of Communications bei Twitter Deutschland. (c) Twitter
Foto: Twitter
Meldung

Christof Schmid übernimmt Twitter-Kommunikation

Twitter hat einen neuen Kommunikationschef für Deutschland ernannt.