Mit souveränem Auftreten lässt man die Konkurrenz schnell hinter sich. (c) Thinkstock/uzenzen
Mit souveränem Auftreten lässt man die Konkurrenz schnell hinter sich. (c) Thinkstock/uzenzen
Onlinekommunikation

Was es bringt, Inhalte der Konkurrenz zu teilen

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber wohl kaum die eigene Followerschaft in den Sozialen Medien? Falsch. Wer den Wettbewerber zum Teil seiner Social-Media-Strategie macht, kann die Interaktionen seiner User befördern, die eigene Reichweite steigern und die Followerschaft erhöhen. 
Gero Pflüger

Die Arbeit mit Sozialen Medien kann mitunter frustrierend sein. Unternehmen klagen, sie wüssten nicht, was sie posten sollten, denn es gäbe nichts über sie zu berichten. Zum einen stimmt das nicht – über jedes Unternehmen gibt es viel zu erzählen. Zum anderen stellt sich dieses scheinbare Problem erst gar nicht.

Denn angenommen, ein Unternehmen auf Twitter oder Facebook würde nur über sich sprechen. Derartige Accounts können gewöhnlich nicht mit einer reichlichen Entlohnung rechnen – und im Social Web heißt die Währung Interaktion. Selbst wenn ein Unternehmen viele zehntausend oder gar Millionen Follower aufweist, bleiben die Interaktionen – also Kommentare, Likes, Shares oder artverwandtes Engagement – bei dieser Social-Media-Strategie oft deutlich hinter den Möglichkeiten zurück.

Doch es gibt eine einfache Methode, die eigenen Social-Media-Profile aufzulockern und damit interessanter für die Zielgruppe zu machen: Statt das Prinzip Selbstbeweihräucherung zu pflegen, teilen Sie einfach Inhalte Ihrer Konkurrenz.

In 5-3-2 zu besserem Content

Nicht umsonst ist die wohl bekannteste Faustregel für eine gute Social-Media-Strategie die „5-3-2-Regel“. Diese besagt Folgendes:

  • Zwei von zehn Beiträgen auf Ihrem Account sind persönlicher Natur. Das kann etwa ein Video vom Bürohund sein oder ein Selfie vom Social-Media-Team, das sich gerade in der Sommerhitze ein Eis gönnt.
  • Drei von zehn Beiträgen stammen aus dem Unternehmen selbst. Stellen Sie einen Mitarbeiter – oder einen Lieferanten – vor, zeigen Sie betriebliche Abläufe und auch mal ein Produkt oder eines seiner Merkmale. Aber Achtung: Die Verwendung des ®-Zeichens ist ein sicherer Indikator für Irrelevanz.
  • Fünf der zehn Beiträge und damit satt die Hälfte aller Ihrer Postings kommen hingegen aus einer fremden Quelle, die Ihre Follower und Fans über den Tellerrand des Unternehmens hinausblicken lassen. Zum Beispiel könnte es sich dabei um Presseartikel zum Thema handeln, um allgemeine Erkenntnisse zu Ihrer Branche, aber auch Unterhaltsames, das Ihre Gefolgschaft interessieren könnte.

Es gibt noch andere Faustregeln, etwa die „4-1-1-Regel“, die besonders gut bei Twitter funktioniert (vier fremde Beiträge, ein eigener Beitrag, ein Retweet). Aber immer sind fremde Beiträge Teil des Plans. Und besonders smarte Unternehmen teilen Beiträge ihrer direkten Mitbewerber.

Dabei geht es natürlich nicht um werbliche Beiträge des Konkurrenten. Wenn ein Mitbewerber aber einen interessanten Beitrag ins soziale Netz spielt, der beispielsweise die gesamte Branche betrifft, dann können Sie diesen Beitrag problemlos teilen und gerne noch mit einem eigenen Gedanken zum Thema versehen.

Wird der Mitbewerber dafür im Gegenzug Ihre Beiträge teilen? Vermutlich nicht. Das ist aber egal. Denn die Vorteile, seine Beiträge zu teilen, wiegen jeden möglichen Nachteil auf. Mal abgesehen davon, dass alles, was Sie im Netz tun, sich immer um Ihre Gefolgschaft drehen sollte – und niemals um Sie.

Was sind die Vorteile, Inhalte der Konkurrenz zu teilen?

Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe, beim Teilen von Inhalten die Beiträge Ihrer Wettbewerber nicht auszuklammern.

1. Expertenstatus

Wenn Sie Inhalte teilen, tun Sie das nicht willkürlich. Sie haben sie zuvor recherchiert, quergelesen und ihre Relevanz bewertet. Das nennt sich Kuratieren von Inhalten. Mit kuratierten Beiträgen zeigen Sie, dass Sie sich mit den aktuellen Entwicklungen der Branche gut auskennen und stets auf Ballhöhe agieren. Sie zeigen Überblick und belegen Ihre Fachkenntnis durch die Einordnung in ein Gesamtbild.

Ihren eigenen Thesen, die Sie zum Beispiel in Ihrem Blog veröffentlichen, verhelfen Sie durch die Untermauerung durch eine ähnliche Meinung eines Mitbewerbers zu mehr Relevanz. Weil Sie dadurch bei Ihren Followern und Fans als herausragende Quelle für Brancheninformationen gelten, werden Sie als Experte wahrgenommen. Und nebenbei fördern Sie Ihren guten Ruf, auch Reputation genannt. Das ist unmittelbar positiv für das Image Ihres Unternehmens.

2. Reichweite und Bekanntheit

Facebook verlangt, dass ein Beitrag eine „sinnvolle Konversation“ zwischen den Fans Ihrer Seite hervorrufen muss, damit er organisch in den Newsfeed anderer Personen ausgespielt wird. Nur so können Sie bei Facebook aktuell noch unbezahlte Reichweite erhalten.

Je interessanter Ihr Social-Media-Kanal sich für Ihre Gefolgschaft darstellt, desto aktiver wird sie, desto mehr interagiert sie mit Ihren Inhalten und desto mehr wird ein Beitrag an die Fans ausgespielt. Durch diese Interaktion erhöhen Sie folglich Ihre Sichtbarkeit im entsprechenden Kanal. Und je sichtbarer Sie sind, desto bekannter werden Sie. Bekanntheit hat wiederum Auswirkungen auf das Geschäft – Unternehmen mit größerer Bekanntheit traut ein Kunde eher als unbekannten Unternehmen.

3. SEO-Unterstützung

Wenn Sie die Artikel in Ihrem Corporate Blog mit Quellen zu anderen Seiten – auch zu Mitbewerbern – unterfüttern, sorgen Sie dafür, dass Ihre Webseite besser gefunden wird und im Google-Ranking aufsteigt. Das Verlinken auf themengleiche Seiten Dritter ist allerdings nur einer von vielen Ranking-Faktoren. Sorgen Sie daher unbedingt für eine das ganze Unternehmen umfassende SEO-Strategie.

4. Social-Web-Kompetenz

Nehmen wir mal Facebook: 31 Millionen Menschen in Deutschland sind monatlich aktiv auf Mark Zuckerbergs Plattform unterwegs. Diesen Leuten – zu denen garantiert auch Ihre Kunden zählen – wollen Sie zeigen, dass Ihr Unternehmen auf Augenhöhe mit ihnen agiert. Wer Inhalte seines Wettbewerbs teilt, belegt deutlich: Ich habe das Social Web verstanden. Ich stehe über den Dingen und erkenne auch die Kompetenz meiner Mitbewerber an.

5. Zeitersparnis

Für Ihr Unternehmen selbst bedeutet das Kuratieren fremder Inhalte sogar Zeitersparnis. Was im ersten Moment vielleicht widersinnig erscheint, ist es auf den zweiten Blick aber gar nicht: Wenn Sie fremde Inhalte verlinken oder teilen, müssen Sie diese Inhalte nicht mehr selbst formulieren. Sie müssen sich lediglich die Mühe machen, Ihrer Gefolgschaft zu sagen, warum ein verlinkter oder geteilter Beitrag lesenswert ist – eine knappe Zusammenfassung ist daher hilfreich.

Fazit

Teilen Sie auch Inhalte Ihrer Mitbewerber in den Sozialen Medien. Denn das Verlinken von Beiträgen und das kollektive Zusammentragen von Wissen gehört zum Garn, das das Netz zusammenhält. Und zu diesem Garn können – und sollten – Sie beitragen.

 

 
 


randbemerkung

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