Was hat die PR davon, wenn alle Geräte miteinander kommunizieren? (c) Thinkstock/Chesky_W
Was hat die PR davon, wenn alle Geräte miteinander kommunizieren? (c) Thinkstock/Chesky_W
Internet of Things (IoT)

Was das Internet der Dinge mit PR zu tun hat

Warum sollten sich PR-Profis mit dem Internet der Dinge beschäftigen? Unser Medientrend-Kolumnist gibt Antworten. 
Michael Schwertel

Sie sind längst unter uns, die Fitnesstracker, I-Watches, Alexas und Siris – sie messen und überwachen uns nicht nur, sie steuern auch Rollläden, Lampen und Heizungen. Zwar besitzen diese tragbaren Computer nicht das Siegel „Internet of Things“. Doch sie sind eindeutig ein Teil davon. Was das mit Kommunikation oder PR zu tun hat? Sehr viel.

Was ist das Internet der Dinge?

Grundlegend meint das Internet der Dinge beziehungsweise Internet of Things die Vernetzung von Gegenständen, Personen und Orten, die Daten in der Kommunikation mit anderen Gegenständen austauschen. Die echte Welt und die virtuelle Welt vermengen sich damit immer mehr.

So kann eine Heizungsanlage mit dem Internet verbunden werden, die dann über eine Software oder App steuerbar wird. Gibt der Nutzer seine Aufenthaltsstunden im jeweiligen Raum ein, ist es möglich, die Heizwärme zu regulieren. Mit der Zeit lernt die Software dazu: Sie kann beispielsweise in der Kommunikation mit dem Smartphone erkennen, dass sich der Nutzer auf einer Geschäftsreise im Ausland befindet und deshalb kein geheiztes Büro benötigt. Darüber hinaus werden Heizzyklen mit Wetterstationen, Wetterberichten, Feiertagen und so weiter abgeglichen. Mit weiteren Auswertungen der gesamten Nutzer kommen zusätzliche Erfahrungswerte hinzu. Zum Beispiel lernt das System, dass auch wenn der Aschermittwoch ein normaler Werktag ist, das Büro an diesem Tag weniger genutzt wird als an anderen Werktagen im Jahr.

Was ist der Reiz dabei für die Kommunikation?

Eindeutig das riesige Aufkommen von Datenmengen, die sich zur Optimierung von Kampagnen nutzen lassen. Wenn durch Big Data sichtbar wird, wann die Zielgruppe beispielsweise im Büro ist, können E-Mails zur richtigen Zeit verschickt werden.

Die Nutzung dieser Daten ist natürlich immer mit ethischen Fragestellungen verbunden. Einerseits. Andererseits stellen sie lediglich einen Service dar, der für frühere Generationen selbstverständlich war und den wir nun zurückerobern können.

Denken wir nur zurück an den klassischen Tante-Emma-Laden: Der Verkäufer empfahl seinen Kunden immer zusätzliche Produkte. Warum? Weil er seine Kundschaft persönlich kannte.

Beispiel: Ein Kunde kam in den Laden, um ein Stück Wurst zu kaufen. Die Vermutung lag nahe, dass der Kunde auch ein Laib Brot benötigen würde. Und weil der Verkäufer seinen Kunden am Wochenende mit dessen Tochter beim Spazierengehen gesehen hatte, konnte er zudem darauf schließen, dass auch eine Puppe für den Kunden ein interessantes Produkt sein könnte.

Mit den Discountern ist dieses Wissen um die Kunden verloren gegangen. Doch mit dem Internet der Dinge kann es wieder zurückgeholt werden. Jemand, der mit dem Fitnesstracker viel auf Spielplätzen unterwegs ist und sich jeden Tag mit dem Handy in der Kita einloggt, wird wohl auch mit Kindern zu tun haben.

Welche Vorteile bringt IoT der Kommunikation?

Die Anwendungen sind so vielfältig, wie es Dinge auf der Welt gibt. Ein weit verbreitetes Tool sind die bereits genannten Wearables. Fitnesstracker zählen Schritte und geben passend dazu Tipps, wie man seine Bewegung optimieren kann. Die mit dem Internet verbundene Waage lässt wiederum Rückschlüsse darauf zu, wie erfolgreich das empfohlene Workout zu Ernährung und Gewicht passt.

Die daraus resultierenden Daten sind so umfangreich, dass heute niemand absehen kann, wie weitreichend eine Auswertung dieser Daten für die Kommunikation sein wird. Langzeitstudien, die ein so genaues Bewegungsmuster bewertet hätten, gibt es bislang nicht. Mit Big Data erhält man nicht nur Antworten auf Fragen, die man stellt. Es wird auch Fragen aufwerfen, die man stellen sollte, um Lösungen zu erhalten. Und das ist eindeutig ein Grund, warum die Kommunikation sich mit dieser Thematik näher befassen sollte. Dazu ist es aber nötig, die gängigen Wege zu verlassen und sich weiter in Analysetools, Statistik, Big Data und dergleichen zu schulen.

Die Vorteile für die Kommunikation liegen auf der Hand. So kann die Ansprache der Nutzer personalisiert werden, da Verhaltensweisen und Profile viel genauer sind. Damit gibt es eine persönlichere Kommunikation und eine direktere Ansprache. Das bedeutet dann vielleicht den Tod der mit sehr viel Streuung verbundenen riesigen Kampagnen. Doch es ist der Beginn von individualisierten Services, die dem Kunden Erleichterung bringen und Verbesserungen, die er wirklich braucht und gerne bezahlt.

Vorteile von Internet of Things für die Kommunikation:

  • Personalisierung von Botschaften
  • Zielgruppendefinierung mit Datenanalyse durch Big Data
  • Schärfung des eigenen Profils durch direktes Feedback der Datenauswertung

An einer Standardisierung der Daten für den allgemeinen Gebrauch wird gerade mit Hochdruck gearbeitet. Es ist davon auszugehen, dass es in der nächsten Zeit Lösungen geben wird, die Daten von Industriemaschinen, Wearables, GPS-Trackern und vielem mehr in einem einheitlichen Format abbilden und dann in Softwarelösungen bewertbar machen werden. Der nächste Schritt wäre dann, diese Mengen an Big Data mit Künstlicher Intelligenz zu kombinieren.

In der Kommunikation versuchen wir, Aufmerksamkeit für Marken, Orte oder Menschen zu wecken. Wenn wir jede kleinste Bewegung unserer Kunden, alle Gewohnheiten, Nutzungen von Produkten, Lebensumstände, Nutzungsdauern und so weiter kennen, warum sollten wir als Kommunikatoren einen Bogen um diese tollen neuen Möglichkeiten machen?

 

 
 

ps/NEWS: Der Newsletter für PR-Profis

 

Ob wichtige Nachrichten, Hintergründe, Case Studies oder aktuelle Debatten: Mit den ps/NEWS erhalten Sie die wichtigsten Informationen der Kommunikationsbranche kostenlos in Ihre Mailbox.
 

Kommentare

Mit Verlaub, das ist nicht PR, das ist astreines Marketing.


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Im Berufsalltag für Heiko Kunert unverzichtbar: ein Computer mit Sprachausgabe und eine Braillezeile, die den Bildschirminhalt in Blindenschrift wiedergibt. (c) Guenther Schwering
Foto: Guenther Schwering
Lesezeit 5 Min.
Interview

„Alle haben ein Recht auf Inklusion“

Heiko Kunert ist ausgebildeter PR-Berater und blind. Ein Gespräch über Stereotype, Vorurteile und warum er möchte, dass Menschen mit Behinderung zu Fachthemen befragt werden. »weiterlesen
 
Das Gründungsteam der Initiative: PRCC-Geschäftsführer Thomas Lüdeke (l.) und Philip Müller (r.) mit Community-Managerin Katharina O’Sullivan. (c) PRCC
Foto: PRCC
Lesezeit 1 Min.
Meldung

PRCC startet „Modern-Leaders-Initiative“

Eine Initiative soll Führungskräften Raum für vertrauensvollen Austausch zu zeitgemäßer Führung und Kommunikation bieten. »weiterlesen
 
Biontech könnte als eines der ersten Unternehmen eine Zulassung für seinen Impfstoff gegen Covid-19 erhalten. (c) Picture Alliance/Laci Perenyi
Foto: Picture Alliance / Laci Perenyi
Lesezeit 5 Min.
Lesestoff

Wettlauf um den besten Impfstoff

Das Mainzer Unternehmen und Pfizer stehen vor der Zulassung ihres Covid-19-Impfstoffs. Die Kommunikation dürfte mit darüber entscheiden, welche der verschiedenen Impfstoffkandidaten als die besten angesehen werden. Biontech bietet jedenfalls eine gute Story. »weiterlesen
 
Geschlechtergerechte Sprache wird bei Microsoft Deutschland auch mithilfe des „Gendersternchens“ umgesetzt. (c) Getty Images/Syuzanna Guseynova
Foto: Getty Images/Syuzanna Guseynova
Lesezeit 2 Min.
Gastbeitrag

Inklusion mit Sternchen

Immer mehr Organisationen achten in ihrer Kommunikation auf eine geschlechtergerechte Sprache. Warum Microsoft Deutschland gendert und welche Erfahrungen das Unternehmen damit gemacht hat, berichtet Projektleiterin Paula Auksutat. »weiterlesen
 
Presse und Social Media sind zwei Bausteine in der Unternehmenskommunikation, die aber unterschiedliche Formate verlangen. (c) Getty Images/Gajus
Foto: Getty Images/Gajus
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Zwischen Pressearbeit und Social Media

Aus Presse- wurde im Laufe der Zeit Medienarbeit. Unser Kolumnist Claudius Kroker erläutert die Grundlagen zeitgemäßer Kommunikationsarbeit.
 
Streeck (l.) und NRW-Ministerpräsident Laschet: Die Präsentation der Zwischenergebnisse der Heinsberg-Studie brachte dem Virologen viel Kritik ein. (c) Picture alliance/dpa/Federico Gambarini
Foto: Picture alliance/dpa/Federico Gambarini
Lesezeit 4 Min.
Porträt

Kein Virologe der Herzen

Wolfram Winter berät den Virologen Hendrik Streeck bei dessen Medienarbeit. Nach dem Debakel rund um die Kommunikation zur Heinsberg-Studie versucht der Bonner Mediziner, sich ein klares Profil zu erarbeiten – als Pragmatiker. Damit eckt er an. »weiterlesen