Jens Schreiber kommuniziert immer wieder für denselben CEO.   (c) Thinkstock/arthobbit;privat;Andy Ridder
Jens Schreiber kommuniziert immer wieder für denselben CEO. (c) Thinkstock/arthobbit;privat;Andy Ridder
Sprecher berichten

Warum ich meinem Chef die Treue halte

Stefanie Hansen kommuniziert seit mehr als 18 Jahren für denselben Arbeitgeber, Jens Schreiber immer wieder für denselben CEO. Wieso, erklären sie in diesem Zweiteiler.
Aus der Redaktion

Er ist seinem Chef treu: Jens Schreiber arbeitet bereits seit Mitte der neunziger Jahre mit Frank Mastiaux zusammen immer wieder bei verschiedenen Unternehmen. Was die berufliche Beziehung der beiden prägt, erzählt der EnBW-Kommunikationschef hier.

„Die gute Nachricht für Jens Schreiber ist: Der CEO interessiert sich für Kommunikation. Die schlechte Nachricht für ihn ist: Der CEO interessiert sich für Kommunikation.“ Originalton Frank Mastiaux auf dem jüngsten Kommunikationskongress in Berlin. Damit ist eigentlich schon alles gesagt − über die Kommunikation bei EnBW, wie der CEO sie sieht und über die Freuden und Leiden des Kommunikationschefs.

Ja, bei EnBW kümmert sich der CEO gerne und höchstpersönlich ums Kommunizieren. Weil Kommunikation bei einem tiefgreifenden Unternehmensumbau Chefsache ist. Und wenn CEO und Kommunikationschef genau diese Einsicht teilen, wenn Vertrauen, Sympathie und gesunder Humor dazukommen, dagegen persönliche Eitelkeiten und Profilierungsgelüste außen vor bleiben, dann kann die Zusammenarbeit nicht nur produktiv, sondern auch lustvoll sein.

Frank Mastiaux und ich kennen uns beruflich seit mehr als 20 Jahren, allerdings mit langen Pausen zwischendurch. Aber gut genug, um bei EnBW ohne große Anlaufzeit schnell auf Touren zu kommen. Das war beim Beginn des Umbaus 2013 extrem wichtig, denn wenn man beim Umbau eins nicht hat, dann ist das viel Zeit. Da ist es übrigens ein Glücksfall, wenn beide ein ähnliches kommunikatives Temperament haben, heißt: wenn keiner den anderen zum Jagen tragen muss.

„Führung und Kommunikation sind zwei Seiten einer Medaille“

Führung und Kommunikation sind gerade bei Veränderungsprozessen zwei Seiten einer Medaille. Entsprechend sollten CEO und Kommunikationschef wie die linke und rechte Gehirnhälfte arbeiten, mit Standleitung dazwischen. Aufeinander hören, sich intensiv austauschen, miteinander und voneinander lernen, und das ohne große Eitelkeiten, Rechthaberei und zeitfressende „Ja, aber“- und „Man müsste mal“-Diskussionen − das zeichnet unsere Zusammenarbeit bis heute aus.

Der CEO ist bei Umbauprozessen à la EnBW der wichtigste Botschafter und die wichtigste Botschaft zugleich. Diese kommunikative Hauptrolle muss er inhaltlich überzeugend und im persönlichen Auftritt glaubwürdig wahrnehmen. Das kostet viel Zeit und Kraft, davon kann Frank Mastiaux ein langes Lied singen.

Der Kommunikationschef sollte dabei mit gebotener Hartnäckigkeit motivieren, mit allen Kräften helfen, über die jeweils richtige Bühne nachdenken und eher hinter den Kulissen Regie führen – eine Regie, die man am besten nicht merkt. Keine aufgeblähten Drehbücher, keine künstlichen Rollen und leeren Sprechblasen. Da müssen sich CEO und Kommunikationschef einig sein. Kommunikation, die wirken will, braucht aber Wiederholung. Gegen die natürliche „Das haben wir doch hundertmal schon gesagt“-Ungeduld eines CEO muss der Kommunikationschef standhaft bleiben.

Eine klare, einfache und ehrliche Kommunikation, „die auch ein elfjähriger Schäferhund verstehen kann“ (wieder Originalton Mastiaux), das ist „Philosophie“ bei EnBW. Und auch wenn es wie ein Widerspruch klingt, es ist keiner: Kommunikation wird bei EnBW gut vorbereitet. Nicht um abzulesen, sondern um zu wissen, worauf man sich eventuell einstellen muss. Vorbereitung dient der Beweglichkeit im Kopf. Auch deshalb interessiert sich bei EnBW der CEO mit großer Hilfsbereitschaft für Kommunikation. Davon kann wiederum der Kommunikationschef ein fröhliches Lied singen.

Ein gutes Verhältnis zwischen CEO und Kommunikationschef ist kein bequemer Selbstzweck. Und es ist erst dann wirklich gut, wenn Sätze wie „Das sehe ich nicht so“, „Das sollten wir anders machen“ oder „Da habe ich einen Fehler gemacht“ ohne Herzrasen ausgesprochen werden können − und anschließend ein gutes Gespräch auslösen. Wenn bei allem gegenseitigen Verständnis die professionelle Sicht auf die Dinge nie verstellt ist und Wertschätzung für die Sicht, Meinung und Person des anderen nie fehlt. Das sage ich nicht, weil es gut klingt, sondern weil es bei EnBW so ist.

Protokolliert von Jens Hungermann

 

Lesen Sie hier, warum Stefanie Hansen, Leiterin Presse und Externe Kommunikation bei BP Europa, ihrem Arbeitgeber seit mehr als 18 Jahren die Treue hält.

 

 
 


randbemerkung

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