Empathie und Selbstironie sollen die Strategie von VW prägen. / Jochen Sengpiehl: (c) Volkswagen
Empathie und Selbstironie sollen die Strategie von VW prägen. / Jochen Sengpiehl: (c) Volkswagen
Neues Logo, neue Strategie

VW will menschlich werden

VW präsentiert ein neues Logo und nutzt den neuen Markenauftritt für Veränderungen in der Kommunikation. Der Konzern will emphatischer werden.
Toni Spangenberg

In den letzten Jahren haben wir kühl gewirkt. Jetzt muss Empathie in den Vordergrund rücken", sagt Jochen Sengpiehl, Chief Marketing Officer der Marke Volkswagen, bei der Vorstellung der neuen Markenstrategie des Unternehmens in Berlin. „Der Mensch muss in den Mittelpunkt unserer Ansprache." Dabei hat der Konzern vor allem Jüngere im Blick. Denn die Kampagne für die neuen vollelektrischen Volkswagen zielt auf die „Early Adopter", Kunden, die ein neues Produkt sofort haben wollen. Das erste Modell, der ID.3, soll zusammen mit dem neuen Logo auf der IAA vom 12. bis 22. September in Frankfurt präsentiert werden.

Selbstironie in der Kommunikation

Zur neuen Ansprache gehört auch, dass der Konzern künftig „über sich selbst schmunzeln will. Selbstironie gehört zur DNA der Marke", so Sengpiehl. Bisher sucht man Humor in der Volkswagen-Kommunikation vergeblich. Warum sich der Konzern verändern muss? Weil mit der E-Mobilität und Digitalisierung einer der größten Umbrüche der Unternehmensgeschichte anstehe. Großes Vorbild der Wolfsburger ist der E-Pionier Tesla. „Elon Musk hat einen tollen Job gemacht. Unsere Aufgabe muss es nun sein, E-Mobilität allen Menschen zugänglich zu machen." Vollständig emissionsfrei will die Marke allerdings nicht vor 2050 werden. Wann der letzte Verbrenner vom Band rollen wird? Unklar.

In seiner Strategie folgt der Konzern der Prämisse „digital first". „Wir dürfen uns aber nicht in der digitalen Kleinteiligkeit verlieren. Die Außenwerbung wird eine Renaissance erleben", sagt Sengpiehl.

2D statt 3D

Für den Sprung in die nächste Epoche verpasst sich VW ein neues, minimalistisches Logo. „Ein 3-D-Logo verliert in der digitalen Zeit an Nutzung, daher ist es künftig zweidimensional", so Sengpiehl. Ähnlich wie Adidas und Nike sehe VW das neue Logo nicht statisch. Je nach Kontext könne beispielsweise die Farbe variieren. Dass es dem Logo auf den Trikots des VfB Wolfsburg und der amerikanischen Fußballnationalmannschaft ähnelt, ist kein Zufall. Dort sehen die Zuschauer einen Zwischenschritt. Das finale Logo wird ab der IAA international ausgerollt. Weltweit müssen mehr als 70.000 alte VW-Embleme in rund 8000 Filialen ausgetauscht werden.

Im Zuge der Neuerungen verschwindet der bekannte Slogan „Das Auto". Aus „aus Liebe zum Automobil" wird „moving people forward." Den männlichen Sprecher tauscht VW durch eine weibliche Sprecherin aus. Der Startschuss zum Rebranding fiel bereits 2015, dem Jahr des Dieselbetrugs. Seit einem Jahr ist das neue Branddesign fertig, auf dem Weg dorthin habe es mehr als 1200 Logo-Vorschläge gegeben.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Erstmals zählen mehr Frauen als Männer zu den einflussreichsten Kommunikator:innen der Welt. (c) Getty Images/belchonock
Foto: Getty Images/belchonock
Lesezeit 1 Min.
Studie

Top-100-PR-Profis: Erstmals 54 Prozent Frauen

Außerdem schaffen es acht deutschsprachige Kommunikationsprofis auf die Liste der 100 wichtigsten Kommunikator:innen der Welt. »weiterlesen
 
Wechselt nach rund 20 Jahren in Führungspositionen bei Hering Schuppener auf die Position der Chairwoman: Tina Mentner. (c) Hering Schuppener
Foto: Hering Schuppener
Lesezeit 3 Min.
Meldung

Mentner wird Chairwoman, Bertram Managing Partner

Christoph Bertram folgt Tina Mentner in der Geschäftsleitung. Er ist seit 2010 bei Hering Schuppener und verantwortet seit 2018 den Berliner Standort der Firma. »weiterlesen
 
Onarans neues Buch erklärt, wie man sich positioniert und ein authentisches Thema findet. (c) Goldmann Verlag
Cover: Goldmann Verlag
Lesezeit 2 Min.
Rezension

Auftauchen statt Untergehen

In ihrem neuen Buch plädiert Tijen Onaran dafür, sich selbst zu reflektieren und sichtbar zu werden. Als Personal Brand könnten sich vor allem berufliche Vorteile ergeben. »weiterlesen
 
Bei Bundesligaspielen war das App-Logo auf den Eckfahnen zu sehen. Zuschauer im Stadion waren keine. (c) picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Foto: picture alliance/dpa/Swen Pförtner
Lesezeit 4 Min.
Meldung

Kleine Erfolgsgeschichte

Die Bundesregierung gab bisher 7,8 Millionen Euro für Werbung und PR rund um die Corona-Warn-App aus. Trotz 18 Millionen Downloads ist von der Anfangseuphorie wenig geblieben. »weiterlesen
 
Firmensitz von BMW in München. (c) www.stadlerphoto.com, BMW Group
Foto: www.stadlerphoto.com, BMW Group
Lesezeit 5 Min.
Meldung

Genug von schlechter Presse

Die BMW Group baut ein Corporate Media House auf. Die Münchener wollen damit ihre Position stärker über ihre eigenen digitalen Kanäle vermitteln. »weiterlesen
 
Recherchieren ist wie Puzzeln – am Ende passt vieles zusammen. (c) Getty Images/Elizaveta Elesina
Foto: Getty Images/Elizaveta Elesina
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Am Anfang aller guten Texte steht die Recherche

Unser Kolumnist hält ein Loblied auf die Recherche. Denn ohne sie könne ein Text selten gut werden. »weiterlesen