Vorwerk zieht seine missglückte Vertriebsaktion zurück./ Vorwerk Wuppertal: (c) Andreas Fischer / Vorwerk & Co. KG
Vorwerk zieht seine missglückte Vertriebsaktion zurück./ Vorwerk Wuppertal: (c) Andreas Fischer / Vorwerk & Co. KG
Unternehmen entschuldigt sich

Vorwerk plante Corona-Prämie fürs Klinkenputzen

Vorwerk fällt in der Corona-Krise negativ auf. Das Unternehmen bot Mitarbeiter:innen eine Prämie, wenn sie weiterhin Kund:innen besuchten.
Toni Spangenberg

Vorwerk macht in der Corona-Krise Negativschlagzeilen. In einem internen Papier heißt es, Mitarbeiter:innen, die trotz Pandemie weiterhin Klinken putzen gehen und dabei einen Staubsauger der Modelle VK, VT und VB verkaufen, bekämen eine Sonderprämie von 50 Euro. Die Aktion sollte vom 13. bis 29 März gelten. Unterzeichnet wurde das Schreiben von Martin Eckert, Deutschland-Chef der Staubsaugersparte von Vorwerk. Nun rudert das Traditionsunternehmen zurück.

Vorwerk räumt Fehler ein

Vorwerk spricht von einer „Fehleinschätzung in dieser für uns alle schwierigen und herausfordernden Lage“. Man bitte um Entschuldigung und verspreche, den Vorgang „schnellstmöglich und lückenlos“ aufzuarbeiten. Auch Vorwerk wolle dazu beitragen, die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu stoppen. Dazu passe man den Vertrieb an die aktuelle Lage an. Dieser solle auf den persönlichen Kontakt verzichten und derzeit über „alternative Kanäle wie Telefon, E-Mail oder die Online-Shops erfolgen.“

Der Konzern distanziere sich „in aller Form von den Inhalten“ des Schreibens, welches am Freitag an die Kundenberater:innen verschickt wurde, die sich um den Vertrieb der Kobold-Staubsauger des Unternehmens kümmern. Dieses ermutigte Vertriebsmitarbeiter:innen zunächst mit lobenden Worten, weiterzumachen. „Die Verbreitung des Coronavirus beschäftigt aktuell viele Menschen. Auch wenn der Direktvertrieb im Vergleich zum öffentlichen Raum einen sehr sicheren Verkaufskanal darstellt, sind uns die besonderen Umstände, unter denen Sie ihr tägliches Geschäft derzeit vorantreiben, bewusst. Hochachtung für Ihre Leistung in den letzten Wochen!“, heißt es in dem Schreiben.

Entsetzte Mitarbeiter:innen und Social Media User:innen

Mitarbeiter:innern reagieren laut Business Insider, das zuerst über die missglückte Aktion berichtete, entsetzt. 50 Euro für dieses Risiko seien „unfassbar“. Immerhin zählen insbesondere ältere Menschen, eine der Corona-Risikogruppen, zu den Kund:innen, die sich häufig von Kundenberatern zu Hause besuchen lassen und die Produkte kaufen.

User:innen auf Twitter zeigten sich empört. SPD-Vorsitzende Saskia Esken sprach von einem „absolut verantwortungslosen“ Vorgehen und forderte den Direktvertrieb behördlich zu untersagen, sollte das Unternehmen die Aktion nicht selbst zurückziehen. Vorwerk reagierte direkt auf die vielen Beschwerden und antwortete via Twitter. 

So heißt es: „Wir wollten eine Unterstützung für unseren Außendienst anbieten. Es tut uns leid, falls ein falsches Signal gesendet wurde. Dass sich die Situation so schnell verändert hat, hat uns selbst getroffen. Wir haben direkt reagiert und arbeiten an einer Lösung für unsere Kundenberater.“ Weiterhin twittert das Presseteam von Vorwerk: „Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Inhalten dieses Schreibens. Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle!“

 

 
 


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