Die relevanten Stakeholder liegen womöglich eh gerade mit einem guten Buch am Strand (c) Thinkstock/STILLFX
Die relevanten Stakeholder liegen womöglich eh gerade mit einem guten Buch am Strand (c) Thinkstock/STILLFX

Vorsicht! Nicht ins Sommerloch fallen

Den Redaktionsplan während der Sommermonate kreativ aufpeppen? Auf jeden Fall, ist  Leonie Walters Meinung in einem pressesprecher-Gastbeitrag. Bloß nicht, lautet Jochen Leufens Reaktion. Er ist Gründer von HeadlineAffairs und plädiert dafür, den Redaktionsplan nicht extra "aufzumotzen". Die relevanten Stakeholder liegen womöglich eh gerade mit einem guten Buch am Strand.
Jochen Leufen

Ein Kommentar zu Leonie Walters Gastbeitrag Nie wieder Sommerloch! Sieben Tipps für die PR-Themensuche:

In den einschlägigen PR-Foren, bei Twitter und überhaupt in der gesamten Branchenkommunikation werden wir täglich mit fünf - oder gerne auch mal zehn – Tipps für „wirklich“ funktionierende Pressearbeit überschüttet. Immer nach dem Motto: sei erfinderisch, verbinde Dein Thema mit aktuellen Trends oder berichte auch mal „Nutzwertiges für die Leser“. Gerade in der Sommerpause fehlt es nicht an Empfehlungen, wie man diese nachrichtenarme Zeit mit schöpferischer Kreativität befüllen kann.

Pressearbeit light

Ich möchte hier gerne die gegenteilige Position vertreten, denn ich denke, dass sich die Zunft der Presseverantwortlichen keinen Gefallen tut, wenn man sich an diesen Ergebnissen einer Pressearbeit „light“ messen lassen will. Ich sehe es vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Wertbeitrag der PR zum Unternehmenserfolg als kritisch und eben nicht förderlich an, wenn Pressestellen kreativ werden bei der Kommunikation von Nicht- oder Pseudoereignissen. Ist das nicht die Art von Pressemeldung gegen die Journalisten zu Recht seit Jahrzehnten zu Felde ziehen?

Klar, in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie ist der Druck gestiegen, den Mehrwert von PR für die Reputation, die Positionierung, das neue Produkt oder den neuen Service zu zeigen. Das unternehmerische Redaktionsmanagement überprüft dazu die „Qualität“ der eigenen Nachrichten und Stories anhand der einschlägigen Nachrichtenfaktoren und entscheidet sich dann für den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Kanal. Unwichtigere Themen oder Ereignisse aus dem unternehmerischen Umfeld  sollten dann aber über Twitter, die eigene Webseite, den Blog oder den Newsletter kommuniziert werden. Sie für die aktive Pressearbeit aufzumotzen halte ich nicht für sinnvoll – auch nicht in der Sommerpause.  Denn hier gilt wie immer erst die genaue Analyse und dann die maßgeschneiderte Strategie. Kommunikation sollte kein Selbstzweck sein.

Wenn es nichts zu melden gibt, ist das eben so

Vielleicht wäre der gegenteilige Rat richtiger: Wenn es nichts zu melden gibt, dann ist es eben … Sommerpause. Sic tacuisset. Im schlimmsten Fall taucht nämlich die kreative (vom Praktikanten geschriebene) Presseinformation  als „Negativ“-Beispiel in einem Journalisten-Workshop auf.

Und außerdem: Sommerliche Pressearbeit nach dem Motto „keep it simple“ oder „PR für Dummies“ darzustellen ist verführerisch. Nützlich ist es nicht. Denn ein wichtiger Erfolgstreiber heute ist ja der Impact – also die Viralität, die Aktivierung der Stakeholder und deren Einbindung. Was aber, wenn diese sich gerade von einem guten Buch am Strand  inspirieren lassen? Wer kann es ihnen verdenken bei so vielen überflüssigen Sommer-News. Übrigens: Wahrscheinlich erscheint auch dieser Kommentar im Sommerloch.

 

 
 

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