Werden Sprecher mehr und mehr unsichitbar? (c) Thinkstock/ buchachon
Werden Sprecher mehr und mehr unsichitbar? (c) Thinkstock/ buchachon
Meinung

Von der zunehmenden Unsichtbarkeit des Pressesprechers

Ich spreche, also bin ich. Dies könnte in der Theorie als allgemeiner Leitsatz für die Funktion eines Pressesprechers bezeichnet werden. Aber wie sieht die Realität aus? Dürfen Pressesprecher ihrer eigentlichen Funktion nachgehen? Oder wird ihr Dasein zunehmend als Mittel zum Zweck genutzt, um den Fokus auf ganz andere Personen zu legen?
Deborah Klein

Pressestellen in Unternehmen sind das Sprachrohr und Bindeglied zur Außenwelt, vornehmlich der medialen Welt. Um gute Kontakte, eine positive Berichterstattungsbilanz und Präsenz zu wichtigen Anlässen geht es in der Kernaufgabe der Presseabteilung. Anfragen von Journalisten gehen ein oder Aussagen proaktiv raus, immerhin müssen neue Entwicklungen kommuniziert werden. Doch bei genauerem Hinsehen befindet sich der Pressesprecher eines Unternehmens zwischen den Stühlen.

Interviewanfragen sind meist an den Geschäftsführer adressiert oder werden intern als Chefsache erklärt. Was dem Pressesprecher bleibt, ist, zwischen beiden Seiten eine Verbindung herzustellen. So bringt er Journalisten mit der gewünschten Person telefonisch, persönlich oder über eigens verfasste Textpassagen zusammen, von ihm und seiner Person erfährt oder liest man nach außen hin selten etwas. Ähnlich verhält es sich bei Veranstaltungen mit Redneranteil. Auch hier wird einem selten das Gesicht des Pressesprechers geboten, allenfalls sein textliches Talent hinter dem Vorhang, welches sich von den Lippen der Führungsriege ablesen lässt. Der Pressesprecher schreibt, der Geschäftsführer spricht. Diese Entwicklung macht den Begriff „Pressesprecher“ zunehmend hinfällig. Es mag die Frage aufkommen, ob das je anders war.

Die Antwort lautet: Nein. Es wird nur immer seltener, dass die Ausnahmen die Regel bestätigen. Im Bereich der öffentlichen Profile wie in Politik oder Wissenschaft mag es sinnvoll sein, dass die Personen selbst das Mikrofon ergreifen und ihre Antworten geben. Vor allem in der Personal- und Celebritiy-PR wird auf den Airbag des Sprechers vertraut. Mag eine bekannte Persönlichkeit keinen Kommentar zu einer Angelegenheit abgeben, wird diese in der Regel vertrauensvoll dem Pressesprecher übergeben.

 

Sprachlicher Maßanzug für die Führungsebene

Zunehmend verdichtet sich der Eindruck, dass der Pressesprecher von heute mehr Dienender als Handelnder ist. Dem Geschäftsführer wird Wortanzug übergestreift. Die Lorbeeren heimst der PR-Mensch, wenn überhaupt, nur intern ein. Dabei würde es doch gegenüber dem Pressesprecher Vertrauen signalisieren, wenn die Geschäftsführung Kommentare, Interviews und Antworten konsequent ihrem Kommunikator überließe. Um das Vertrauensverhältnis zu bessern beziehungsweise aufzubauen, muss der Führungsperson bewusst sein, welchen Gewinn sie durch das Vertrauen in den Pressesprecher erlangt. Dieser wird schweigen, wenn es angemessen erscheint. Und er wird handeln und sprechen, wenn der Zeitpunkt richtig ist. Vor allem in Zeiten der Krisen-PR zahlt sich eine gute Beziehung zwischen Führungsperson und Pressesprecher aus. Dies kann nur gelingen, wenn die Unternehmensleitung dem Pressesprecher Rückendeckung gibt. Andersherum verhält es sich ähnlich: Auch der Pressesprecher zeigt in dunklen Zeiten, wie sehr er sich wirklich mit dem Unternehmen verbunden fühlt.

 
 

Kommentare

Eine erschreckende, aber leider oftmals zu bemerkende Tendenz. Viele Pressesprecher/Kommunikatoren nehmen zu oft die Rolle des Dienstleisters ein. Ihrer Funktion als Berater können sie immer seltener nachkommen. Hier sind die Verbände bzw. ist die Branche gefordert, gegenzusteuern, und auf die Bedeutung strategischer Kommunikation, von PR-Experten geplant und ausgeführt, hinzuweisen. Dieses habe ich auch in meinem Beitrag "Berater oder Dienstleister – Zum Selbstverständnis von Kommunikatoren" gefordert. http://kstrategie.com/2015/08/20/berater-oder-dienstleister-zum-selbstverstaendnis-von-kommunikatoren/


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Das Nachhaken sei aller Ehren wert, sagt der Redakteur Felix Müller. (c) Thinkstock/oguzdkn
Foto: Thinkstock/oguzdkn
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Nachhaken mit Haken

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Sie loben und lästern. Dieses Mal: Felix Müller, Leiter des Familienmagazins Leben und der Berliner Illustrierte Zeitung, dem Sonntagsmagazin der Berliner Morgenpost. »weiterlesen
 
Wie muss ich Texte schreiben und Kommunikation gestalten, damit die Empfänger sie verstehen? (c) Thinkstock/SIphotography
Wie muss ich Texte schreiben und Kommunikation gestalten, damit die Empfänger sie verstehen? (c) Thinkstock/SIphotography
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Sprecht die Sprache Eurer Leser!

Wie muss ich Texte schreiben und Kommunikation gestalten, damit die Empfänger sie verstehen? Der freie Journalist und Redenschreiber Claudius Kroker mit einer Kolumne über das Verständnis für die Sprache der Empfänger. »weiterlesen
 
Theresa May bei einer Rede nach der Wahl zum britischen Unterhaus im Juni 2017. (c) GOV.UK / Open Government Licence v3.0
Foto: GOV.UK / Open Government Licence v3.0
Lesezeit 3 Min.
Analyse

Was wir von Theresa May lernen können

Was schiefgehen kann, wird schiefgehen – das gilt auch für öffentliche Auftritte und Reden. Zuletzt musste das die britische Premierministerin Theresa May erfahren. Wie hat sie sich geschlagen? Eine Analyse. »weiterlesen
 
Sebastian Vettel und seine persönlicher Sprecherin Britta Roeske (c) Picture Alliance/Zwei Hoch
Sebastian Vettel und seine persönlicher Sprecherin Britta Roeske (c) Picture Alliance/Zwei Hoch
Lesezeit 4 Min.
Porträt

Die Frau im Schatten von Sebastian Vettel

Seit sieben Jahren ist Britta Roeske persönliche Sprecherin von Formel-1-Star Sebastian Vettel. Ein Job am Limit, fast ohne Verschnaufpause. »weiterlesen
 
"Ein falscher kommunikativer Schritt kann schwerwiegende Konsequenzen an den Märkten haben", sagt Christine Graeff im Interview. (c) Laurin Schmid
Foto: Laurin Schmid
Lesezeit 8 Min.
Interview

"Ein falscher Schritt kann ernste Folgen haben"

Seit 2013 ist die Deutschfranzösin Christine Graeff Kommunikationschefin der Europäischen Zentralbank – nach schweren Krisen und Vertrauensverlusten der vergangenen Jahre keine leichte Aufgabe. Im Interview spricht sie über ihren Umgang mit Verständnisproblemen, Kritikern und dem Brexit. »weiterlesen
 
(c) Quadriga Media/Laurin Schmid
Foto: Quadriga Media/Laurin Schmid
Lesezeit 3 Min.
Bericht

Von Sargnägeln und Totengräbern

Hat unabhängige und kritische Berichterstattung noch eine Zukunft? Macht Content Marketing alles kaputt? Eine kontroverse Diskussion über die Zukunft des Journalismus als eine Art Gegenpart zur PR verdeutlicht: Es muss sich etwas ändern. Nicht nur in den Köpfen. »weiterlesen