Warum ist das Verhältnis zwischen PRlern und Journalisten so ambivalent? (c) Getty Images / ivosar
Warum ist das Verhältnis zwischen PRlern und Journalisten so ambivalent? (c) Getty Images / ivosar
Zuckerbrot und Peitsche

Von der Hassliebe zwischen PRlern und Journalisten

In dieser Kolumne berichten Medienmacher hautnah von ihren Erfahrungen mit Kommunikatoren. Dieses Mal erklärt Michael Neudecker, Ressortleiter bei der Süddeutschen Zeitung, was Portiers und Klärwerke mit PR zu tun haben.
Michael Neudecker

Neulich war ein externer Blattkritiker aus der PR-Branche zu Gast in unserer Redaktion, ein erstaunlich unterhaltsamer Mann. Er hat bei der Gelegenheit einen wesentlichen Teil im Job des Pressesprechers mit einem Vergleich umschrieben, er benutzte dazu den Begriff „Klärwerk“.

Ich hatte da sofort Bilder im Kopf, Bilder von Dreck jeglicher Art, und eine Maschinerie, die dafür sorgt, dass der Dreck nicht nach drinnen gelangt – oder nach draußen, je nach Perspektive. Der PR-Mann hat damit ganz gut getroffen, warum das Verhältnis von Journalisten zu Pressesprechern so ambivalent ist. Warum man als Journalist die Pressesprecher gleichzeitig liebt und hasst; Menschen, die man braucht, deren Daseinsberechtigung man aber immer wieder durchaus kritisch hinterfragt. Andersherum ist es vermutlich genauso.

Damit das nicht falsch rüberkommt: Ich habe schon viele sehr fähige, hilfreiche und zugängliche Pressesprecher erlebt, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe oder immer noch zusammenarbeite. Menschen, die ihre Schutzmauerfunktion nicht überinterpretieren, keine aufgeblasenen Türsteher, sondern Portiers, die einen willkommen heißen, auch wenn bestimmte Bereiche leider nicht zugänglich sind. (Wann es sich empfiehlt, als Reporter trotzdem genau dorthin zu gehen, das ist eine andere Geschichte.) Diese Balance zu halten, ist eine Kunst, diese Gratwanderung zwischen duzen und distanzieren hinzubekommen, zwischen kontrollieren und informieren. Dass sich zwei Parteien gleichzeitig auf diesem Grat bewegen, macht die Sache nicht einfacher. Es ist wahrscheinlich bisweilen ziemlich undankbar, als Klärwerker im Portiersgewand zu arbeiten, noch dazu, wenn man dabei gleichzeitig auf und neben der Bühne stehen soll.

Ich habe einmal Britta Roeske, die Sprecherin des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel, in einem Text erwähnt, ein paar Jahre ist das jetzt her, es war in Abu Dhabi, damals ging es um die Frage, welchen Stellenwert Vettel in der Sporthistorie schon hat. Es war ein etwas provokativer Text, in dem der Satz stand: „Seine Pressesprecherin wird auch in Abu Dhabi von den Anfragen erdrückt, sie geht schnellen Schrittes durch das Fahrerlager, denn langsam gehen kostet Zeit.“

Im Idealfall sind Sprecher unsichtbare gute Geister

Ich muss zwar schmunzeln, wenn ich das heute lese, weil ich mir dann Britta Roeske vorstelle, eine stets freundliche und sportliche junge Frau, wie sie so schnell geht, wie man als Mensch eben gehen kann, ohne zu rennen. Aber ich glaube, sie mochte diesen Satz nicht, und das zu Recht. Pressesprecher sind im Idealfall unsichtbare gute Geister, Betonung auf: unsichtbar. Ich würde heute so einen Satz aus jedem Text rausredigieren.

Ich könnte jetzt noch, um mit durchaus bewunderndem Unterton zu zeigen, wie fies dieser Job mitunter zu sein scheint, über eine Speedboat-Fahrt mit Vettel schreiben, bei der Roeske (unfreiwillig) und ich (freiwillig) mitgefahren sind. Vettel hat damals auf der Alster alles an Schub-, Brems- und Fliehkraft aus dem PS-Monster herausgeholt, und als es vorbei war, gaben unsere Gesichtsfarben einen eindeutigen Hinweis auf den Zustand unserer Mägen – aber dann würde ich ja den gleichen Fehler wie damals noch mal machen.

Also schweige ich, wie es sich gehört.

 

 

 

 
 


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