Immersive Medien wie Virtual oder Augmented Reality ermöglichen eine emotionale Verbindung mit Inhalten – ideal für die Unternehmenskommunikation. (c) Getty Images/Melpomenem
Immersive Medien wie Virtual oder Augmented Reality ermöglichen eine emotionale Verbindung mit Inhalten – ideal für die Unternehmenskommunikation. (c) Getty Images/Melpomenem
VR und AR in der Internen Kommunikation

Kommunikation mit Herzklopfen

Immersive Medien wie Virtual oder Augmented Reality ermöglichen eine besonders emotionale Verbindung mit Inhalten – ideal also für die Kommunikation. Wie die Zukunft aussehen könnte, beschreiben unsere „Echolot“-Kolumnistinnen.
Kerstin Feddersen
Christiane Capps

Meine Füße sind fest auf dem Boden verankert und ich befinde mich in einem sicheren Raum. Trotzdem balanciere ich an einem unendlich tiefen Abgrund, schwanke, drohe abzustürzen und dann ... kann ich mich gerade noch halten. Adrenalinstoß!

Wer schon einmal eine VR-Brille aufgesetzt und sich in eine virtuelle Umgebung begeben hat, kennt das Repertoire der Emotionen – von Panik über Herzrasen bis hin zu purer Euphorie reichen die Gefühle. Alle Eindrücke sind dabei ungeheuer real, die körperlichen Reaktionen genauso.

Warum ist also eine Technologie, die so intensive Emotionen hervorrufen kann, nicht längst im Standardrepertoire der Internen Kommunikation?

Immersive Medien wie Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) ermöglichen eine besonders emotionale Verbindung mit den Inhalten. Bei VR-Medien tauchen die Nutzerinnen und Nutzer komplett in die virtuelle Welt ein, der reale Bezug geht völlig verloren. Bei Augmented Reality (AR) werden künstliche und reale Bilder vermischt, etwa wie bei „Pokémon Go“. Das Spiel platziert kleine Figuren in die reale Welt, die nur über das Smartphone der oder des Spielenden zu sehen und gesammelt werden können.

VR-Lösungen sind seit einigen Jahren auf dem Markt und kommen hauptsächlich bei Remote Assistance, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Know-how-Transfer und Kollaboration zum Einsatz. Dass der Einsatz zunehmen wird und auch die Einsatzmöglichkeiten breiter werden, belegt eine aktuelle Studie der „Computerwoche“ unter 200 (IT-)Entscheiderinnen und Entscheidern aus allen Branchen. 40 Prozent der Unternehmen setzen demnach AR und/oder VR bereits ein, rund 33 Prozent planen den Einsatz in den nächsten zwölf Monaten.

Immersion in der Kommunikation

Man braucht keine Glaskugel, um sicher vorherzusagen, dass die Technik den Sprung aus IT und Produktion in die Kommunikation schaffen wird, denn sie macht dort weiter, wo andere Medien aufhören – bei dem Erlebnis, bei der Kraft von Vorstellung und der Emotion, die ein wichtiger Bestandteil in Kommunikation und Interaktion sind. Deshalb ist auch in der Internen Kommunikation und im Zusammenspiel mit Human Resources einiges denkbar:

  • Storytelling und Visualisierungen
    Wie sehen wir unser Unternehmen in der Zukunft? Wie stellt sich unsere Vision dann dar? Wie sieht es dort aus, wie arbeiten wir zusammen und wer sind unsere Kunden? VR kann Strategien und Zukunftsszenarien in sichtbare Welten übertragen und so für alle erlebbar machen.
  • Change-Prozesse
    Wie sieht unsere Change-Story aus? Wie wollen wir in unserem Unternehmen der Zukunft arbeiten und wie wollen wir uns darin fühlen? Wie wird es aussehen und wo steht es? Eine Change-Story hat die anspruchsvolle Aufgabe, einen Zustand zu visualisieren, den es noch nicht gibt. VR bietet die beste Unterstützung dafür an.
  • Kollaboration und Teambuilding
    Wie arbeiten die neuen Kolleginnen und Kollegen im Ausland? Mit welchen Werkzeugen, Methoden und in welchen Umgebungen? Teamprozesse sind weit mehr als die Workflows im Projekt. Teams leben davon, sich zu kennen, sich zu vertrauen, zu verstehen und sich auszutauschen. In der immer internationaler und dezentraler werdenden Arbeitswelt kann diese Art des Zusammenhalts virtuell befördert werden.
  • Trainings und Coachings
    VR-Sessions können mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Standorten virtuell durchgeführt werden, bei gleichbleibender Trainingsqualität. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und besonders hilfreich, wenn das Schulungsobjekt sehr groß, schwer oder wertvoll ist, oder nicht ohne Weiteres zur Verfügung gestellt werden kann. Bedienung und Handhabung können simuliert werden, ohne Schaden am Objekt anzurichten. Besonders komplexe Objekte können bis ins kleinste Detail von innen besichtigt werden.
  • Personal und Recruiting
    Im Personalbereich können Virtual Reality-Lösungen viele Basisaufgaben unterstützen, etwa das Recruiting, Onboarding, Trainings und Gesundheitsthemen, von der 360-Grad-Tour durchs zukünftige Büro oder das Betriebsgelände bis hin zum Belastungstest für Bewerberinnen und Bewerber, denen Jobsituationen per VR simuliert werden.
  • Gesundheit und Wellness
    Wirklich Spaß macht der Gedanke, VR bei der Entschleunigung einzusetzen. Eine Fünf-Minuten-Mittagsmeditation auf dem Mount Everest? Wunderbar. Eine Trainingseinheit virtuelles Boxen in der Mittagspause? Kein Problem.

Virtuelle Realitäten haben ihren Reiz – und leider auch noch ihren Preis. Angesichts der vielen unschlagbaren Vorzüge erwarten wir aber, dass in den kommenden Monaten und Jahren viele Kommunikationsabteilungen den Weg in die virtuelle Welt gehen werden – Euphorie auf allen Seiten inklusive.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Inklusion heißt, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung einzugehen. (c) Getty Images/Zinkevych
Foto: Getty Images/Zinkevych
Lesezeit 4 Min.
Ratgeber

Inklusion ist Führungssache

Zahlreiche Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt, inklusiv zu sein und ihre Arbeitsplätze und -abläufe behindertengerecht zu gestalten. Wie können Vorgesetzte diesen Prozess unterstützen? »weiterlesen
 
Neue Normalität: Noch nie waren wir so flexibel darin, wo und wann wir arbeiten. (c) Getty Images/Goodshoot
Foto: Getty Images/Goodshoot
Lesezeit 5 Min.
Gastbeitrag

Der neue Standard

Großraumbüro war gestern, Gewusel gibt es heute nur noch auf dem Bildschirm. Oliver Santen vom Bankenverband war von der Umstellung nicht begeistert. Und lernte am Ende doch die neue Normalität lieben. »weiterlesen
 
Digitale Zusammenarbeit und Homeoffice werden nach Einschätzung vieler Kommunikator:innen 2021 weiter zunehmen. (c) Getty Images/RossHelen
Foto: Getty Images/RossHelen
Lesezeit 2 Min.
Studie

Kommunikationsprofis erwarten 2021 mehr Homeoffice

Die Stimmung von Mitarbeiter:innen in Homeoffice-Zeiten hochzuhalten, wird in diesem Jahr ein Schwerpunkt in der Unternehmenskommunikation sein. Das und mehr zeigt eine Umfrage unter Medien- und Kommunikationsprofis. »weiterlesen
 
Sarah Huckabee Sanders war rund zwei Jahre lang Pressesprecherin im Weißen Haus. Im "Mueller Report" sind Lügen von ihr dokumentiert. (c) picture alliance/newscom/Kevin Dietsch
Foto: Picture Alliance/Newscom/Kevin Dietsch
Kommentar

Jeglichen Anstand vermissen lassen

Die Redaktion des US-Magazins "Forbes" will Informationen, die sie künftig von ehemaliger Mitarbeitenden der Presseabteilung von Donald Trump erhält, besonders genau prüfen. Ihre Glaubwürdigkeit hätten die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren verspielt. »weiterlesen
 
Wolfgang Ainetter (l.) bei einer Pressekonferenz von Andreas Scheuer (r.). (c) picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler
Lesezeit 2 Min.
Meldung

Ainetter ist nicht mehr Sprecher von Scheuer

Das Verhältnis von Kommunikationschef Wolfgang Ainetter und Minister Andreas Scheuer soll "zerrüttet" sein. »weiterlesen
 
Newsrooms wie hier bei der Lufthansa haben sich in der Coronakrise bewährt. Das Foto wurde vor der Coronakrise aufgenommen. (c) Lufthansa
Foto: Lufthansa
Lesezeit 4 Min.
Lesestoff

Newsrooms remote

Unternehmen müssen in der Coronakrise noch flexibler auf tagesaktuelle Entwicklungen reagieren als sonst. Das Konzept „Newsroom“ kann hier seine Stärken voll ausspielen. »weiterlesen