Der Disclaimer "Views are my own" ist überflüssig./ Symbolbild: (c) Getty Images/ HT-Pix
Der Disclaimer "Views are my own" ist überflüssig./ Symbolbild: (c) Getty Images/ HT-Pix
Überflüssiger Social-Media-Disclaimer

„Views are my own“ ist naiv und realitätsfern

Alexander Reinhardt, Airbus’ Public Affairs Chef, schreibt in seine Twitter-Bio „Views are my own“. Der Disclaimer ist völlig überflüssig. Ein Kommentar.
Toni Spangenberg

Airbus’ Public Affairs Chef Alexander Reinhardt droht den Aktivisten von Extinction Rebellion auf Twitter. Die Klimaaktivisten sollten ihm besser nicht in den Weg kommen. In der Diskussion vergreift sich Reinhardt mehrfach im Ton, vergleicht Extinction Rebellion sogar mit den Nazis. Dafür bekommt er massiven Gegenwind, löscht die Diskussion kurzerhand und weist ab sofort in seinem Profil darauf hin, dass seine Äußerungen in keiner Verbindung zu Airbus stehen. Zu behaupten, „Views are my own“ ist naiv und realitätsfern.

Alexander Reinhardt twittert keinesfalls als Privatperson – auch wenn er das mittlerweile betont. Denn der Hinweis, dass die Sichtweisen seine eigenen seien, folgt in seiner Twitter-Bio auf die Nennung seiner Funktion als „Head of Airbus Public Affairs Germany“. Auch die offizielle Public-Affairs-Seite von Airbus verlinkt trotz Distanzierung auf Reinhardts Account. Airbus macht sich also gemein mit den Aussagen des eigenen Public-Affairs-Chefs. Ein Dementi ist in dem Zusammenhang unglaubwürdig, und der Disclaimer „Views are my own“ ohne jeden Inhalt.

Doch selbst ohne Verlinkung wäre klar: Äußerungen eines ranghohen Mitarbeiters werden immer in Verbindung mit der Firma betrachtet. Eine Differenzierung entspricht in keiner Weise der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Denn erstens liest nicht jeder User vor dem Retweeten oder Kommentieren die Profilbeschreibung. Und zweitens betreffen Äußerungen wie die Alexander Reinhardts, der aufgrund seiner Funktion bei Airbus in der Öffentlichkeit steht, zwangsläufig nicht nur ihn, sondern auch seinen Arbeitgeber. Wäre die jetzt von ihm propagierte Trennung zwischen Unternehmen und Privatperson wirklich so klar, würde kaum ein User auf Twitter nach seiner Hasstirade gegen Extinction Rebellion seine Entlassung fordern. Doch viele tun genau das.

Shitstorms wie im Falle Reinhardt sind ein Risiko für Unternehmen, die in der Kommunikation auf Corporate Influencer setzen und es versäumen, ihren Mitarbeitern eine Guideline an die Hand zu geben. Wer sich öffentlich als Vertreter einer Firma äußert, muss vorher im Umgang mit Social Media geschult werden und wissen, was er sagen darf und was nicht. Der Disclaimer „Views are my own“ schützt dagegen überhaupt nicht vor einem Shitstorm. Alexander Reinhardt weiß das offensichtlich nicht.

 

 
 

Kommentare

Lieber Herr Spangenberg, auf denPunkt!!! Gehöre ja unbestritten schon zum "Uralt"-Eisen in der Profession. Aber für uns galt: wer in PR-Umfeldern arbeitet (insbes. in Corporate, vielleicht etwas weniger in Agency) ist IMMER im Dienst. Und wer heute glaubt, hier gelte "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps", der - tut mir leid für die Provokation - sollte sich lieber gleich betrinken und den Dienst quittieren. Und übrigens: mein Feld war die Chemie (Weltmarktführer Spezialchemie, heute nicht mehr existent) in Zeiten von Hoechst und sonstigen Unfällen - mein damaliger Vorschlag, mit Greenpeace den Dialog zu suchen, kam intern zunächst gar nicht gut an. Aber nach dem ersten "Runden Tisch" waren zwar die Positionen nicht wirklich verändert, jedoch erleichterten Verständnis und Respekt den künftigen Gedankenaustausch. Und daraus resultierte dann das Chemie-Programm "Responsible Care", der Vorläufer zu CSR und Nachhaltigkeit. So geht Public Affairs!


randbemerkung

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