(c) Cover: Herbert von Halem Verlag, Collage: Laurin Schmid
(c) Cover: Herbert von Halem Verlag, Collage: Laurin Schmid
Rezension

Verneinen hilft nichts

Sprache beeinflusst das Denken. Auf welche Weise, und was das für die Kommunikation von Unternehmen und Politik bedeutet, beschreibt dieses kompakte Fachbuch auf wissenschaftlicher Grundlage.
Adrian Teetz

„Das Verbrechen breitet sich in unserer Stadt aus wie ein Raubtier.“ Stellen Sie sich vor, so beginnt ein Bericht über die Kriminalitätsentwicklung in ihrem Wohnort. Man fragt Sie nach Gegenmitteln: harte Polizeimaßnahmen oder eher soziale Programme? Im Experiment fiel die Antwort eindeutig aus: Die meisten Befragten entschieden sich für law and order. Eine andere Gruppe von Befragten votierte indes entgegengesetzt. Man hatte ihnen dieselbe Statistik mit den Worten anmoderiert, die Kriminalität breite sich aus „wie ein Virus“.

Das ist der Effekt von „Framing“, den ­Elisabeth Wehling in ihrem aktuellen Buch beschreibt. Die Metapher vom Virus ruft bei der Sprachverarbeitung unterbewusst ein anderes Deutungsmuster auf als die vom Raubtier und beeinflusst damit die Verarbeitung der Informationen.

Die Linguistin an der Universität ­Berkeley erläutert dieses Phänomen in seinen wissenschaftlichen Grundzügen sowie den praktischen Folgen in Politik („Klimawandel“ versus „Erderwärmung“) und Wirtschaft („Lohnuntergrenze“ versus „Mindestlohn“). Neu daran sind vor allem die anschauliche Verknüpfung von Sprach- und Neurowissenschaft sowie die Reflexion vor dem Hintergrund demokratischer Werte.

Eine zentrale Erkenntnis des Buchs für die professionelle Kommunikation in Unternehmen und Politik: „Unserem Gehirn ist es vollkommen egal, ob wir eine Idee bejahen oder verneinen. Es tut in beiden Fällen dasselbe: Es ruft erst einmal die Idee auf, um die es geht.“ Wer also ein Thema ex negativo definiert, verbreitet zunächst den eigentlich verneinten Standpunkt weiter – und versäumt, die eigene Position positiv zu definieren.

Fazit: Auch wenn die Autorin elegant auf der Neuro-Welle surft (Vorsicht Framing!), ist „Politisches Framing“ ein sehr eingängiges und klar strukturiertes Buch. Für Kommunikationsverantwortliche ein Crash-Kurs zum bewussten Umgang mit Begriffen und Frames in der eigenen Institution sowie der Analyse im Stakeholder- oder Wettbewerbsumfeld.

Bewertung: Sollte man griffbereit haben (vier von fünf möglichen Sternen)

(c) Herbert von Halem Verlag

Cover:Herbert von Halem Verlag

Elisabeth Wehling: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht, Herbert von Halem Verlag (Edition Medienpraxis) 2016

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Auch die investigative Recherche von Journalisten hat rechtliche Grenzen. (c) Getty Images/Viktor_Gladkov
Foto: Getty Images/Viktor_Gladkov
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Wie Sie sich gegen Investigative wehren können

Eine Reporterin hat sich als Praktikantin ausgegeben und heimlich Filmaufnahmen in Ihrer Firma gemacht. Müssen Sie nun zusehen, wie die Berichterstattung ihren Lauf nimmt? Mitnichten. Eine Vielzahl von Maßnahmen bietet sich an. »weiterlesen
 
Sie laufen zwar, doch die Frage ist, wie gut: 75 Presseportale auf Konzern-Webseiten wurden auf den digitalen Status quo untersucht. (c) Getty Images/bobmadbob
Bild: Getty Images/bobmadbob
Lesezeit 3 Min.
Studie

Fünf Dinge, die auf Presse-Webseiten schieflaufen

Wie digital ist die Pressearbeit großer Unternehmen? Und was wird Medienvertretern auf den Online-Presseportalen geboten? Diese Fragen hat eine aktuelle Studie untersucht – mit teils ernüchternden Ergebnissen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse. »weiterlesen
 
Das beste PR-Bild des Jahres 2017. Eingereicht von Burlington Newcastle | Falke/Burlington / D (c) Esther Haase
Das beste PR-Bild des Jahres 2017. Eingereicht von Burlington Newcastle | Falke/Burlington / D (c) Esther Haase
Meldung

PR-Bild Award startet in nächste Runde

Gemeinsam mit News Akuell sucht das Magazin pressesprecher wieder die besten PR-Bilder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. »weiterlesen
 
(c) Quadriga Media Berlin/Thinkstock
Foto: Quadriga Media Berlin/Thinkstock
Lesezeit 1 Min.
Meldung

Up-to-date sein mit den ps/NEWS

Kuratiert und auf den Punkt – unsere branchennews gibt es nun auch als wöchentlichen Newsletter. »weiterlesen
 
Die Auswertung von Pressemonitorings kann strategische Entscheidungen mit beeinflussen, wie Oliver Graßy im Interview erklärt. (c) GettyImages/NorthernStock
Foto: GettyImages/NorthernStock
Lesezeit 2 Min.
Interview

Was leisten Pressemonitorings?

Pressemonitorings helfen beim Steuern von Kommunikationsstrategien. Doch wie lassen sich Fehlinterpretationen von Daten vermeiden? Und kommt Anbietern auf Dauer das Geschäftsmodell abhanden, jetzt, wo klassische Medien an Bedeutung verlieren? »weiterlesen
 
Einen Tag lang Zugbegleiter sein: Andreas Matthä, CEO der Österreichischen Bundesbahnen, schnuppert in den Arbeitsalltag eines Mitarbeiters hinein. (c) ÖBB/Prinz
Foto: ÖBB/Prinz
Lesezeit 4 Min.
Gastbeitrag

Warum die ÖBB-Chefs Zugtickets kontrollieren

Wie rückt man in einem Großkonzern Vorstand und Mitarbeiter näher zusammen? Die Österreichischen Bundesbahnen hatten eine originelle Idee: Sie ließen elf Führungskräfte die Perspektive wechseln. Über das Projekt und die Ergebnisse berichtet der Leiter der Internen Kommunikation Dieter Marek. »weiterlesen