Aufgepasst: Nach "zufolge" oder "laut" hat der Konjunktiv nichts zu suchen. (c) Thinkstock/Jezperklauzen
Aufgepasst: Nach "zufolge" oder "laut" hat der Konjunktiv nichts zu suchen. (c) Thinkstock/Jezperklauzen
Sprachkolumne

Verloren im Konjunk-Tief

PR-Profis haben im Wesentlichen eine Aufgabe: kommunizieren. Das wichtigste Mittel dabei ist naturgemäß die Sprache – doch gerade die deutsche hat so manche Tücken. In unserer neuen Sprachkolumne klärt Lektorin und Bloggerin Juliane Topka über die häufigsten Fehler von Kommunikatoren auf. Folge eins zeigt, was es mit „zufolge“ und „gemäß“ auf sich hat.
Juliane Topka

Unternehmenskommunikatoren geben oft Aussagen wieder: von Geschäftsführerinnen, Abteilungsleitern oder externen Fachleuten. Dabei nutzen sie häufig die indirekte Rede – ein Selbstgänger, glauben Sie? Schauen wir doch mal genauer hin.

Die einfache Form bereitet selten Probleme: kurzerhand das Verb der indirekt wiedergegebenen Aussage vom Indikativ in den Konjunktiv gesetzt, das Ganze einleitend mit „XY erklärte“ oder ausleitend mit „so XY“ angerichtet – fertig. Ein Beispiel:

 

Der CEO sagt wörtlich: »Die Umsätze liegen über den Erwartungen.«
Pressemitteilung: CEO Wurzelhuber sagte, die Umsätze lägen über den Erwartungen.

 

So weit, so klar. Wenn man das täglich macht, denkt man nicht mehr lange darüber nach – und vielleicht ist genau das die Falle. Die indirekte Rede hat nämlich Konkurrenz: Die „Konkurrenzformen der indirekten Rede“, wie der Duden sie nennt, sind die Varianten, die wörtliche Aussagen mithilfe von Präpositionen wie „laut“, „zufolge“ oder „gemäß“ bilden. Und auch bei diesen Formen der Wiedergabe lese und höre ich quer durch alle Unternehmen und Medien erstaunlich oft ein Verb im Konjunktiv.

Tatsächlich arbeitet diese Konkurrenz aber mit anderen Mitteln: Sie braucht keinen Konjunktiv. Wenn Sie so wollen, ist der in „laut“, „zufolge“ und „gemäß“ schon eingebaut, sodass bei diesen Konstruktionen das Verb im Indikativ steht.

 

Laut CEO Wurzelhuber liegen (nicht: lägen) die Umsätze über den Erwartungen.
Dem Management zufolge ist (nicht: sei) das Sparprogramm sehr wirksam.

 

Wo der Dativ noch was zählt

Das Themenfeld der wiedergegebenen Aussagen ist übrigens auch ein sehr schönes Beispiel dafür, dass der Dativ eben nicht immer und überall den Genitiv verdrängt. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen der Genitiv ebenso falsch wie verbreitet ist – manchmal habe ich fast den Eindruck, dass der Genitiv in einigen Formulierungen des Dativs Tod sein wird. Genau in diese Kategorie gehören Konstruktionen mit „entsprechend“, „zufolge“, „gemäß“ und (mit Einschränkungen) „laut“.

Diese Konstruktionen erfordern den Dativ, auch wenn sich der Genitiv hier noch so hartnäckig festsetzt und hält. Die Ergebnisse sind „entsprechend den (nicht: der) Prognosen“ ausgefallen. Korrekt ist „gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ (nicht: der Allgemeinen Geschäftsbedingungen). Eine kleine Ausnahme gibt es bei „laut“: Dort kann in Einzelfällen auch der Genitiv richtig sein, immer korrekt ist aber der Dativ („laut dem Geschäftsführer“).

Wenn sich Dinge anders verhalten, als es zu erwarten gewesen wäre, lässt sich das mit „entgegen“ gut auf den Punkt bringen. Auch in solchen Fällen lese ich sehr oft den Genitiv, der hier aber ebenso falsch ist wie bei „entsprechend“ oder „gemäß“. Richtig ist ein weiteres Mal der Dativ:

 

Entgegen den (nicht: der) Prognosen ist die Nachfrage im Inland weiter gestiegen.

 

Da die Duden-Redaktion deskriptiv arbeitet, also den realen Sprachgebrauch abbildet, ist es durchaus möglich, dass der Genitiv in solchen Konstruktionen irgendwann als standardsprachlich in der Rechtschreib-Bibel verzeichnet sein wird. So weit sind wir aber noch nicht. Lassen wir also dem Dativ seinen angestammten Lebensraum.

 

 
 

Kommentare

Tatsächlich arbeitet diese Konkurrenz aber mit anderen Mitteln: Sie braucht keinen Konjunktiv. Wenn Sie so wollen, ist der in „laut“, „zufolge“ und „gemäß“ schon eingebaut, sodass bei diesen Konstruktionen das Verb im ***Infinitiv*** steht. Indikativ?

Vielen Dank fürs aufmerksame Lesen und den Hinweis – der Fehler ist bereits korrigiert! Herzliche Grüße J. Topka

Wirklich?


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Weitere Beiträge dieser Serie.

Menschen machen Sprache – und diese bildet der Duden ab. (c) Getty Images/peshkov
Foto: Getty Images/peshkov
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Warum wir auf unsere Sprache achten sollten

Was sich im Sprachgebrauch durchsetzt, landet irgendwann im Duden. Das ist nicht immer zu begrüßen, findet unsere Kolumnistin Juliane Topka. An alle, die öffentlich kommunizieren, hat sie deshalb einen besonderen Auftrag. »weiterlesen
 
Der Bindestrich sollte aus seinem Schattendasein gerettet werden! (c) Thinkstock/RomoloTavani
Der Bindestrich sollte aus seinem Schattendasein gerettet werden! (c) Thinkstock/RomoloTavani
Lesezeit 4 Min.
Kolumne

Rettet den Bindestrich!

Auf Bindestriche zu verzichten, ist modern. Besonders bei Unternehmensnamen scheint es geradezu verpönt zu sein, in Zusammensetzungen korrekt zu koppeln. Unsere Kolumnistin Juliane Topka zeigt, warum Bindestriche sinnvoll sind, und plädiert dafür, sie aus ihrem Schattendasein herauszuholen.  »weiterlesen
 
Gerade in der Unternehmenskommunikation wimmelt es von Sprachfossilien. (c) Thinkstock/BarashenkovAnton
Foto: Thinkstock/BarashenkovAnton
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Leider nicht vom Aussterben bedroht

Niemand liest sie gern und doch halten sie sich hartnäckig seit Jahrzehnten: bedeutungslose Floskeln und abgedroschene Phrasen. Für das neue Jahr wünscht sich unsere Kolumnistin mehr Kreativität in der Unternehmenskommunikation. »weiterlesen
 

Das könnte Sie auch interessieren.

Storytellin hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen (c) Getty Images / tomertu
Foto: GettyImages / tomertu
Lesezeit 3 Min.
Interview

„Das Unternehmen ist nicht Held der Story"

PR- und Storytelling-Beraterin Julia Beyer hilft Unternehmen dabei, ihre Geschichten zu finden und in die Welt zu tragen. Im Interview spricht sie über Unternehmenswerte und -visionen, Heldengeschichten und darüber, was Storytelling mit Märchenerzählen zu tun hat. »weiterlesen
 
Das Webmagazin „Perspektive“ der Schwenninger Krankenkasse setzt auf authentische Bilder und Inhalte, die nah am Leben der Zielgruppe sind. (c) Communication Consultants GmbH
Foto: Communication Consultants GmbH
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

„Weniger Apotheken-Umschau, mehr Bento“

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Die Schwenninger Krankenkasse überzeugte mit ihrem Webmagazin. »weiterlesen
 
Im direkten Medienkontakt mangelt es selbst Kommunikationsprofis immer wieder an Souveränität. (c) Getty Images/Mihajlo Maricic
Foto: Getty Images/Mihajlo Maricic
Lesezeit 4 Min.
Analyse

Prominente Ausrutscher und ihre Lehren

Im direkten Medienkontakt mangelt es selbst Kommunikationsprofis immer wieder an Souveränität. An prominenten Ausrutschern lässt sich zeigen, wie es besser geht. »weiterlesen
 
Energie muss kein trockenes Thema sein. (c) Getty Images/forrest9
Foto: Getty Images/forrest9
Lesezeit 3 Min.
Fragebogen

Wie man Energie für junge Leute interessant macht

Mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation wurden herausragende Projekte und Kampagnen ausgezeichnet. In dieser Serie stellen Preisträger verschiedener Kategorien ihre Konzepte vor. Dieser Teil zeigt, dass Energie kein trockenes Thema sein muss. »weiterlesen
 
Daniela Engist ließ ihre Karriere in der Unternehmenskommunikation hinter sich und wurde Schriftstellerin (c) Getty Images, Anja Limbrunner
Bild: Getty Images, Anja Limbrunner
Lesezeit 1 Min.
Interview

"Meine Arbeit wurde zur Gewohnheit"

Drei Kommunikatoren erzählen, warum sie dem Beruf den Rücken gekehrt haben – und es nicht bereuen. Im letzten Teil: Daniela Engist entdeckte eine alte Leidenschaft wieder. »weiterlesen
 
Graffitis sind häufig öffentlich zugänglich – doch kann man sie deshalb ungefragt für das eigene Marketing nutzen? (c) Getty Images/Rawpixel
Foto: Getty Images/Rawpixel
Lesezeit 3 Min.
Ratgeber

Wann man Street-Art für die PR nutzen darf

Will sich eine Marke jung inszenieren, wird auf Social-Media-Kanälen gerne mit urbaner Kunst wie Street-Art und Graffiti gearbeitet. Dass eine Nennung der Künstler selbstverständlich sein sollte, zeigt die Empörungswelle, die kürzlich über den Autohersteller Smart hereinbrach. Doch ist die Nennung auch Pflicht? »weiterlesen