Für die einen der Horror für die anderen ein Traum: Der Valentinstag (c) Thinkstock.de/Zeynep Özyürek
Für die einen der Horror für die anderen ein Traum: Der Valentinstag (c) Thinkstock.de/Zeynep Özyürek
Kommentar zu Valentinstagskampagnen

Valentin, der Welt-Leberwursttag und die PR-Allerheiligen

Zum 14. Februar lassen sich die verschiedensten Unternehmen mehr oder minder romantische PR-Aktionen einfallen. Von raffinierten Ideen – und Trittbrettfahrern.
Alexandra Iwan

Tag der deutschen Leberwurst, Weltgesundheitstag der Fußpilze und so weiter ... Es gibt einen eindeutigen und umfassenden Trend, alles, was nicht nur der Kalender hergibt, sondern diverse Heilige, Märtyrer, Gebrechen, Wettererscheinungen et cetera, zu lifestylen, um PR-Kampagnen zu installieren und den Konsumenten gepflegt zur Kasse zu bitten. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, doch das inhaltliche Sprungbrett zu vielen Aktionen funktioniert inzwischen nicht mehr, da die Aktionstage immer inflationärer ausgerufen werden.

Der Tag der Liebenden

Die Europäer feiern den Valentinstag seit den Wirtschaftswunderzeiten. Und das passt gut, sollte er schließlich ein solches ankurbeln. Seither schenken sich Paare und Verliebte Blumensträuße, Pralinen oder sonstige Kleinigkeiten. Für die einen hat dieser Tag eine große Bedeutung, die anderen finden ihn vollkommen sinnlos. Grundsätzlich gilt: Männer aufgepasst, denn hier sollte eigentlich die Herren- die Damenwelt mit Aufmerksamkeiten verwöhnen. Tut sie es nicht, verkehrt sich der Valentinstag schnell in sein Gegenteil, da die Erwartungshaltung mittlerweile bei den vor allen weiblichen Zielgruppen hoch ist. Das hängt natürlich zusammen mit dem Spektrum der Möglichkeiten: Hotels bieten Candle-Light-Dinner an, Spas bitten Valentinsanwendungen für Verliebte – von den gängigen Klassikern verschiedener Variationen aus Blumen und Herzen ganz zu schweigen.

Der Ursprung

Der heilige Valentin lebte im dritten Jahrhundert nach Christus im heutigen Italien. Er war bekannt dafür, dass er Paare mit Blumen aus seinem Garten beschenkte. Vor allem aber vermählte er Verliebte nach christlicher Tradition. Damit  ist verständlich, dass Blumen hier das Mittel der Wahl sind.

Was aber nun mit Branchen, die gern als Trittbrettfahrer bei dieser „Coca-Colisierung“ von Feiertagen mitmachen möchten? Die Erotikbranche bietet Sexspiele im Losverfahren – in der romantischen Herzschachtel. Heiße Luft wird auch verkauft in Form von Sternschnuppen mit Echtheits-Zertifikat, sogar ein Heiratsantrag als Geschenkidee findet sich auf der Inspirationsliste.

Online-Portale bieten als Romantikpräsent die personalisierte Widmung von Gedichtbänden an und die Post wirbt mit selbst zu kreierenden Briefmarken. Eine E-Book Autorin stellt ihren Liebesroman zum kostenlosen Download zur Verfügung. Chocotelegram.de hält schokoladige Valentins-Liebesgrüße bereit. Die Schmuckmarke Dyrberg/Kern designt Valentinsschmuckstücke, hier haben wir als Agentur sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor dem Düsseldorfer Kö-Bogen findet am 14. Februar eine Fotoaktion mit großem Rosenherz statt, an der sich auch die dort ansässige Marke Graf von Faber Castell beteiligt, die die besten Bilder mit einem einen Füllfederhalter belohnt. Es gibt unzählige Einfälle, sich diesen Tag für PR-Aktionen zunutze zu machen.

Die PR-Maschinerie

Auch die Frauen-Magazine sind auf den großen Tag bestens vorbereitet. So hat beispielsweise Brigitte.de die wunderbare Welt der Geschenkanlässe sauber aufgeteilt:

Screenshot vom Geschenkefinder (c) www.brigitte.de/wohnen/geschenke

Screenshot vom Geschenkefinder (c) brigitte.de/wohnen/geschenke

Das lässt erahnen, was für einen hohen Stellenwert der Valentinstag in den Medien hat – und das sollte man als PR-Experte reflektieren.

Die PR-Maschinerie läuft bereits lange vor Weihnachten an, um Valentins Produktneuheiten auf die Magazinseiten zu bringen. Die Tagespresse berichtet eher über lokale Events oder Aktionen, bei den Dailys laufen Produkte meist nicht so gut. Es sei denn, es gibt redaktionelle Specials, die mit Media unterstützt werden, um auch Produkt-Lancierungen Platz zu bieten.

Ganz ehrlich: Natürlich ist das Ganze ein PR-Klassiker, der von kreativ bis inflationär alljährlich bespielt wird – und solange es keine Valentins-Leberwurst für Verliebte  gibt, hoffe ich auf einen Blumenstrauß in ein paar Tagen.

 
 

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Kommentare

Ganz schön schlecht recherchiert - selbst auf Wikipedia findet sich mehr Info zum eigentlich Ursprung. z.B. Valentin von Terni wird heutzutage als Patron der Liebenden verehrt. Früher wurde er bei Krankheiten, wie etwa der Epilepsie, um Hilfe gebeten. Bei diesem Patronat wurden Valentin von Terni und Valentin von Rätien gleichermaßen angerufen. Mit der Verehrung durch die Hilfesuchenden wurden beide Gestalten im Lauf der Zeit immer mehr vermischt. Die Darstellungen Valentins von Terni auf Votivbildern und Altarbildern der bekannteren Wallfahrten, wie etwa Marzoll bei Bad Reichenhall oder Diepoltskirchen bei Eggenfelden unterscheiden sich nicht von den Abbildungen des Valentin von Rätien, welcher als Bischof mit einem kranken Kind zu seinen Füßen dargestellt wird. Valentin von Terni wird eigentlich als Bischof mit einem Schwert (Martyrium: Enthauptung) und einem Hahn (Symbol für Opferung seines Lebens) dargestellt. Sein Gedenktag ist der 14. Februar.


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