Unternehmenspräsentation als Video – so vermeiden Sie die schlimmsten Fehler (c) Thinkstock/Viktorus
Unternehmenspräsentation als Video – so vermeiden Sie die schlimmsten Fehler (c) Thinkstock/Viktorus
Video-Kommunikation

Unternehmenspräsentation als Video leicht gemacht

Kein Video – kein Klick – keine Aufmerksamkeit! Wer sein Unternehmen zeitgemäß präsentieren möchte, setzt auf Bewegtbild. Doch statt glanzvollem Auftritt im Netz gibt es oft müde Filmchen, die niemanden überzeugen. Dabei können schon einfache Tipps Ihr Video ins Laufen bringen.
Carola Hug

„Chef, wir brauchen Video!“ In den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen wird eifrig gefilmt. Da muss der CEO als Star auftreten, die Firma als Kulisse dienen. Doch nicht jeder Boss hat Hollywood-Qualitäten und nicht jede Fertigungshalle taugt als Kulisse. Und was garantiert floppt: Die Lieblings-Powerpoint vom Chef mal eben abfilmen:

Das Unternehmen Integrata ist in seinem Bereich bestimmt federführend und der Geschäftsführer sympathisch und kompetent. Doch diese Präsentation hat das Ziel verfehlt, wirkt steif, langweilig und ist viel zu lang. Ein echter Abschalter. Wer folgt schon über 14 Minuten lang freiwillig einer Powerpoint-Präsentation – ohne Kekse und Kaffee?

Wer schaut zu?

Wenn Sie Ihr Unternehmen per Video präsentieren, sollten Sie sich vorher fragen: Wie soll mein Unternehmen wirken? Wer ist meine Zielgruppe? Was spricht sie an? Müssen wir Aktionären unser Potenzial vermitteln – oder habe ich ein Produkt zu verkaufen? 

Porsche macht es vor. Der Autobauer präsentiert sich Bewerbern per Video.

Die Geschichte ist denkbar einfach – wir begleiten den Werksführer durch den Tag. Der Look ist freundlich, die Optik angenehm und die Länge mit drei Minuten angenehm kurz.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Es gibt keinen gesprochenen Text. Es geht um die Menschen hinter dem Produkt. Das Video macht Lust, dort zu arbeiten – das geht auch ohne Worte. Zielgruppe: Fachkräfte, die sich mit dem Betrieb identifizieren wollen.

Der Ton macht die Musik

Bosch versucht etwas ähnliches, scheitert aber in der Präsentation für potenzielle Auszubildende.

Die Personalleiterin als Laienschauspielerin – nicht sehr überzeugend. Im Hintergrund dudelt altbackene Rockmusik. Die junge Sprecherin hat eine angenehme Stimme, ist aber hörbar nicht ausgebildet. Solche Kleinigkeiten können die schönste Idee zunichtemachen, lenken von der eigentlichen Botschaft ab. Hier wurde zu viel gewollt und nicht professionell umgesetzt. Ob das Jugendliche beeindruckt und in die Firma lockt?

Geschichten erzählen

Seriös heißt nicht langweilig. Doch Sie brauchen eine Idee. Das Unternehmen Magirus verkauft Drehleitern und Löschfahrzeuge – Produkte, die nicht unbedingt emotional aufgeladen sind. Auch in dieser gelungenen Unternehmenspräsentation steht die Technik nicht im Vordergrund, sondern der Mensch.

Zugegeben – an das Schwäbisch muss man sich gewöhnen und der Film hat ein paar Längen. Doch es steckt eine Idee dahinter: Bei Magirus arbeiten fleißige Menschen, die grundsolide Wertarbeit liefern – so wie der Wachmann, der nachts seine Runden dreht. So eine Idee kann einen ganzen Film tragen und den Zuschauer ansprechen.

Text oder nicht Text – das ist hier die Frage

Wenn Sie Ihre Unternehmenspräsentation vertonen lassen, ist ein professioneller Sprecher eine gute Investition. Der User vor dem Laptop oder dem Computer ist leicht ablenkbar. Alles nutzt, was ihn bei der Stange hält. Deswegen gelten alle Faustregeln, die so ähnlich für Texte im Netz gelten: kurze Sätze, wenige Nebensätze, Fremdwörter vermeiden. Gesprochene Sprache eben! Klingt einfach, ist aber schwer. Profis üben jahrelang, Texte fürs Sprechen zu schreiben. 

Vielleicht ist es aber auch eine gute Lösung, ganz auf Text zu verzichten. Das funktioniert nämlich auch.

Übrigens: Untertiteln Sie, falls Sie eine Zielgruppe haben, die am Smartphone Videos streamt. Wer hat schon immer Kopfhörer parat?

Ganz einfach!

Manchmal ist die Lösung, mal etwas anderes auszuprobieren. Wie wäre es zum Beispiel mit einem sogenannten „Simple-Film?“

Ein gelungenes Beispiel für die Kunst, Kompliziertes einfach zu erklären. Und das muss eine Unternehmenspräsentation schließlich auch leisten. Die Kunden sollen auf Anhieb verstehen, was in Ihrer Firma vorgeht und wofür sie steht.

Und eines sollte Ihr Unternehmens-Video immer sein: interessant genug, damit die Zielgruppe auch dran bleibt. Denn ein Video, das nicht geklickt wird, ist ein Flop.

Zehn Tipps für Ihre Unternehmenspräsentation

  1. Achten Sie auf die Länge des Videos. Länger als drei Minuten bleibt kaum jemand dran.
  2. Definieren Sie die Zielgruppe und überlegen Sie, was bei ihr gut ankommt.
  3. Denken Sie an eine Story, die dem Film zugrunde liegt. Das muss keine epische Geschichte sein, aber eine grundlegende Idee. Wählen Sie einen überraschenden Einstieg und einen guten Schluss.
  4. Überlegen Sie sich, vielleicht das wichtigste Potenzial Ihres Unternehmens in den Vordergrund zu rücken: die Mitarbeiter.
  5. Benutzen Sie gesprochene Sprache, sonst wirkt der Text wie abgelesen. Kurze Sätze, wenige Nebensätze, Fremdwörter vermeiden.
  6. Verzichten Sie auf schauspielerische Leistungen von Laien, die im schlimmsten Fall unfreiwillig komisch wirken.
  7. Investieren Sie in einen guten Sprecher.
  8. Sparen Sie nicht am Equipment, mit dem Sie den Film drehen. Je qualitativ hochwertiger der Film wirkt, desto mehr glänzt Ihr Produkt.
  9. Denken Sie daran, zu untertiteln, damit der User auch ohne Kopfhörer Ihren Film versteht.
  10. Fassen Sie sich kurz. Kaum eine Idee trägt länger als drei Minuten. 

Und vielleicht landen Sie mit diesen Tipps sogar einen viralen Hit, wie Münchens bekanntester Obststand.

 

 
 


randbemerkung

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren.

Nicht nur die Erstellung von Inhalten sollte strategisch ausgerichtet sein, sondern auch deren Verteilung. (c) Getty Images/Tiden
Foto: Getty Images/Tiden
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Auf zu neuen Ufern

Häufig liegt der Fokus auf der Erstellung von Inhalten. Dabei gerät die Frage, wie Inhalte strategisch am besten gestreut werden, in den Hintergrund. Gastautor Matthias Weber plädiert für einen neuen Ansatz: Content Dispatching. »weiterlesen
 
Russland ist das größte Land der Welt, die Medienvielfalt ist allerdings gering. (c) Getty Images/dorian2013
Foto: Getty Images/dorian2013
Gastbeitrag

Public Relations auf Russisch

Die Fußball-Weltmeisterschaft beschert Russland in den kommenden Wochen weltweite Aufmerksamkeit. Zeit, zu schauen, wie Öffentlichkeitsarbeit und Media Relations im flächenmäßig größten Land der Welt funktionieren. Zwei Russland-Experten geben Einblicke und Tipps. »weiterlesen
 
Falsch gesetzt, können Anführungszeichen zu Missverständnissen führen. (c) Getty Images/mattjeacock
Foto: Getty Images/mattjeacock
Lesezeit 2 Min.
Kolumne

Risiko Anführungszeichen

Anführungszeichen, liebevoll auch Gänsefüßchen genannt, sind elementare Satzzeichen. Das heißt aber nicht, dass man ständig von ihnen Gebrauch machen sollte. Zumal sie, falsch gesetzt, für Missverständnisse sorgen können. Unsere Kolumnistin klärt auf. »weiterlesen
 
Bei Siemens werden Führungskräfte mithilfe eines gamifizierten E-Learnings im Umgang mit psychischen Erkrankungen geschult. (c) Getty Images/master1305
Foto: Getty Images/master1305
Lesezeit 3 Min.
Gastbeitrag

Spielend Stigmatisierung stoppen

Jeder Vierte leidet einer Studie zufolge im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung. Um Stigmatisierung entgegenzuwirken, setzt Siemens auf zielgerichtete interne Kommunikation und ein gamifiziertes E-Learning für Führungskräfte.   »weiterlesen
 
(c) Getty Images/Jirsak
(c) Getty Images/Jirsak
Lesezeit 3 Min.
Kolumne

Von Medien und ihren scheinbaren Zielgruppen

"Das interessiert unsere Leser nicht", hört man oft aus Redaktionen auf die Frage, warum eine Pressemitteilung nicht veröffentlicht wurde. Doch wer ist eigentlich diese Zielgruppe und wer bestimmt sie, fragt sich unser Kolumnist Claudius Kroker. »weiterlesen
 
Wird Instagram ein zentraler Kanal der Unternehmenskommunikation (c) Getty Images/Soloma_Poppystyle
Wird Instagram ein zentraler Kanal der Unternehmenskommunikation (c) Getty Images/Soloma_Poppystyle
Lesezeit 6 Min.
Lesestoff

Instagram: PR-Tool der Zukunft?

Weltweit hat Instagram 800 Millionen Nutzer – und ist damit hinter Facebook und Youtube das drittgrößte soziale Netzwerk. Ist der Onlinedienst nur ein Hype oder sollte er in Zukunft als zentraler Kanal für die Unternehmenskommunikation gesehen werden? »weiterlesen